Eine Zeitreise zu unseren Vorfahren

«Wohnen – von der Vergangenheit bis in die Zukunft» war das Thema eines Projektes der Primarschule Frümsen-Salez im Rahmen des altersdurchmischten Lernens (AdL). Die Schüler lernten die verschiedenen Zeitepochen im spielerischen Erfahren kennen.

Heidy Beyeler
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Gross und klein staunen über die Werkzeuge und Gerätschaften, die den Pfahlbauern schon damals zur Verfügung standen. (Bilder: Heidy Beyeler)

Gross und klein staunen über die Werkzeuge und Gerätschaften, die den Pfahlbauern schon damals zur Verfügung standen. (Bilder: Heidy Beyeler)

SALEZ. Vor zwei Jahren erweiterte die Primarschule Frümsen-Salez das Projekt des altersdurchmischten Lernens (AdL) mit der Umstellung auf das 3-Klassen-System. Für das vergangene Schuljahr haben sich die Lehrpersonen der Mittelstufe und des Kindergartens nebst dem allgemeinen Schulstoff ein spannendes Thema ausgesucht: «Wohnen – von der Vergangenheit bis in die Zukunft». Das heisst, von der Steinzeit über die Pfahlbauzeit (Jungsteinzeit, Bronzezeit), über die Eisenzeit der Helvetier bzw. Kelten, der Römerzeit zum Mittelalter und hin zum 21. Jahrhundert.

Spannend war das Thema, weil das Kennenlernen dieser Zeitepochen durch spielerisches Erfahren und mit viel Freude erlebt werden konnte. Der Höhepunkt dürfte wohl die zweitägige Reise in die Vergangenheit gewesen sein, die einer Reise in die verschiedenen Epochen gleichkam. Ebenso eindrücklich wird der von den Schülern gestaltete Mittelaltermarkt kurz vor Abschluss des Schuljahres in Erinnerung bleiben, wo mit allen Sinnen erlebt werden konnte, wie es im Mittelalter zu und her ging.

Sozialkompetenz (er)leben

Die Kinder der Mittelstufe, zusammen mit ihren Kameraden aus dem Kindergarten, erlebten mit der Reise in die Vergangenheit ein spannendes Lernfeld, worin das Konzept des altersdurchmischten Lernens beispielhaft zum Tragen kam. Allein auf der anspruchsvollen zweitägigen Reise erfuhren Schülerinnen und Schüler verschiedene Epochen, von denen sie vorgängig in der Schule gehört und gelesen hatten. Damit wurde den Kindern das Gelernte zusätzlich veranschaulicht.

Am ersten Reisetag durften auch die Vorschulkinder am Abenteuer teilnehmen. Wie es an AdL-geführten Schulen üblich ist, kümmerten sich die Grossen aus der Mittelstufe an diesem ersten Tag rührend um die Vorstufenkinder. Nein, nicht etwa in globo. Jedes Vorschulkind wusste neben den vier Lehrpersonen eine persönliche, verantwortungsvolle Betreuende aus der Mittelstufe an seiner Seite.

Auf dem Weg zum Rheinfall machten die Ausflügler beim Kesslerloch Mittagspause. Das Kesslerloch ist eine in prähistorischer Zeit aufgesuchte Höhle bei Thayngen, die etwa 200 m² gross und durch eine Steinsäule unterteilt ist. Vermutlich benutzten Rentierjäger vor 15 000 bis 11 000 Jahren v. Chr. (Jungpaläolithikum, Magdalénienkultur) die Höhle als Schutzort während den Sommermonaten.

Und wie war die Reise?

Am Rheinfall trennten sich schliesslich die Wege der Vorschulkinder und der Schüler der Mittelstufe. Während die Kleinen mit dem Bus zurück nach Salez fuhren, ging es für die Grossen am nächsten Tag weiter. Sie äusserten sich sehr erfreut – um nicht zu sagen euphorisch – über die zweitägige Wissens- und Schulreise.

Die Schifffahrt zum Rheinfall und die anschliessende Übernachtung im Schloss Laufen bleiben den meisten Kindern als unvergessliches Erlebnis in Erinnerung, ebenso wie die Besichtigung der Artillerie-Festung Munot in Schaffhausen, die den Jungs besonders imponierte. Natürlich wegen des Waffenarsenals (Kanonen, Stangenwaffen aus dem 16. Jahrhundert wie Halbarten, Partisanen, Spontons und Streitäxte). Die Besuche im Pfahlbauerdorf am Bodensee und im Kloster Einsiedeln scheinen die Schüler ebenfalls nachhaltig beeindruckt zu haben.

Markt wie im Mittelalter

Einen weiteren Höhepunkt erlebten die Schüler Ende Juni am Mittelaltermarkt mit Produkten, die sie selber gefertigt haben – so wie im Mittelalter: Tonwaren, Seifen, Süssigkeiten, Filzsachen wie Untersetzer oder Hüllen für Kugelschreiber, Glückwunschkarten aus selber geschöpftem Papier, Holzspielsachen, Haarschmuck und schön geflochtene Frisuren sowie vieles mehr.

Mittags gab es ein einfaches Gericht aus der mittelalterlichen Küche: eine Brotsuppe mit Gemüse, das es damals schon gab. Die Marktbesucher wurden gebeten, ihren Holzlöffel und eine Schale für die Suppe selber mitzubringen. Schon damals gehörte das Vergnügen zu einem Markt, um möglichst viele Leute anzulocken; beispielsweise Angebote wie Bogenschiessen, Schaukämpfe und Kreistänze. Diese Angebote der Mittelaltergruppe Bern wurden denn auch rege benutzt.

Und wie es sich für mittelalterliche Märkte gehört, wurden an der Eröffnung des Marktes die gesetzlichen Vorschriften für den Verkauf der Produkte deutsch und deutlich kundgetan – bei Widerhandlung wurden Sanktionen angedroht.

Alles in allem war dieser Anlass ein grosser Erfolg. Mit dem Erlös aus dem Markt konnten die Schüler ihren Beitrag an die Kosten für das Produktionsmaterial für die Waren und die Wissens- und Schulreise leisten.

So macht Schule Spass

Vierzig Schüler auf einer Reise zusammenzuhalten dürfte in etwa so sein, wie einen Sack Flöhe hüten – denken viele. Schüler von altersdurchmischten Klassen haben etwas gelernt: Kleineren, jüngeren oder schwächeren Mitmenschen dann beizustehen, wenn sie Unterstützung brauchen. Auf ihren Entdeckungsreisen ging es denn auch sehr moderat zu und her. Es gab keine Rangeleien.

Nicht nur auf der Schulreise, auch im Schulzimmer oder auf dem Mittelaltermarkt, im Gespräch mit den Schülern, beim Erleben und Beobachten wurde spürbar, dass die Kinder des AdL-Projekts ihre Schulzeit (mehrheitlich) mit Freude und Engagement, entspannt und gelassen durchlaufen. Zum Abschluss des Themas präsentierten die Mittelstufenschüler ihre Expertenbereiche vor der Klasse – jeweils über die ihnen zugeteilte Ära zum Thema «Wohnen – von der Vergangenheit bis in die Zukunft». Dabei kamen sehr individuelle Lösungen zum Tragen. Robin Hug aus Frümsen testete seine Gspänli nach seinem Vortrag «Siedeln und wohnen heute» spielerisch mit Quizfragen, um nur ein Beispiel zu nennen. So macht Schule wirklich Spass.

Zur Verpflegung wird eine Brotsuppe – wie damals – zubereitet.

Zur Verpflegung wird eine Brotsuppe – wie damals – zubereitet.

Der Herold eröffnet im Beisein von Herrscherpaar und Wachleuten den Mittelaltermarkt.

Der Herold eröffnet im Beisein von Herrscherpaar und Wachleuten den Mittelaltermarkt.