Eine wilde Wildhauser Jagd mit Auto

Offenbar sind Drogen im Spiel. Und es muss «Speed» gewesen sein. Das vermuten wir, obwohl wir das Ergebnis des Drogentests nicht kennen. Die Vermutung ist allerdings sehr einfach zu begründen, denn «Speed» steht nicht nur für Amphetamin, sondern heisst auch auf Englisch «Geschwindigkeit».

Martin Knoepfel
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Offenbar sind Drogen im Spiel. Und es muss «Speed» gewesen sein. Das vermuten wir, obwohl wir das Ergebnis des Drogentests nicht kennen. Die Vermutung ist allerdings sehr einfach zu begründen, denn «Speed» steht nicht nur für Amphetamin, sondern heisst auch auf Englisch «Geschwindigkeit».

Und geschwind ist der 17-Jährige wahrhaftig unterwegs, der am Wochenende in Wildhaus das Auto der Eltern mitsamt Zündschlüssel behändigt und im Dorf herum- und von dort weiter nach Gams fährt. Zwar verfolgt ihn eine Polizeipatrouille, doch die hängt er locker ab, wobei er nicht nur sehr flott, sondern auch bei Rot über eine Kreuzung rast und zweimal fast mit anderen Autos zusammenstösst. Erst in Rüthi holen die Polizisten ihn wieder ein, als das Auto seiner Eltern Bremsprobleme hat. Ja, die Technik, auf sie ist einfach kein Verlass. Immerhin, die Polizisten spielen brav mit. Sie machen einen DrogenSCHNELLtest. Das berichtet die Medienstelle der Kantonspolizei St. Gallen.

Eventuell gibt es ein Gutachten

Nun dürfte alles etwas langsamer gehen – gemeint ist, wenn der Schnellfahrer mit 18 Jahren das Autofahren doch noch lernen und einen entsprechenden Ausweis haben möchte. Das war vom Leiter des kantonalen Strassenverkehrsamts, Georges Müller, zu erfahren. Wenn jemand vor der Polizei über eine längere Strecke flüchtet und erst noch mehrere Verkehrsregeln grob verletzt, muss er nämlich damit rechnen, dass er mindestens sechs Monate auf den Lernfahrausweis wartet. Gerechnet wird natürlich erst ab dem 18. Geburtstag. Wer die Verkehrsvorschriften grob missachtet, muss darüber hinaus bei einem Verkehrspsychologen antraben – nicht vorfahren! –, damit dieser ein Gutachten erstellen kann. Die Frage sei dann, ob jemand überhaupt charakterlich geeignet sei, ein Motorfahrzeug zu führen. Der Gesetzgeber verlange eine derartige Abklärung auch bei Jugendlichen, welche die Verkehrsvorschriften grob verletzten, erklärt Georges Müller. Wobei er gleich ergänzt, solche Fälle kämen selten vor.

Fall geht zur Jugendanwaltschaft

Natürlich gelte auch hier die Unschuldsvermutung, sagt der Leiter des Strassenverkehrsamts. Sein Amt stelle in solchen Fällen jeweils auf den Rapport der Kantonspolizei ab. Unabhängig von Sanktionen des Strassenverkehrsamts dürfte der Fall des 17-Jährigen noch die Jugendanwaltschaft beschäftigen. Jugendliche bekommen dagegen in der Regel eine Chance, sich als Erwachsene im Strassenverkehr zu bewähren. Das gilt auch, wenn sie Verstösse gegen die Verkehrsregeln begangen oder sich sonst strafbar gemacht haben. Bedingung ist, dass es nicht allzu schwere Verstösse sind. Das ist der Wille des Gesetzgebers, der hier eher auf der Seite der Jugendlichen steht, die ja durch die Jugendanwaltschaft bestraft worden sind.

Keine Sorge um ihre «Billetts» müssen sich wahrscheinlich die Eltern des Schnellfahrers machen. Das gilt, wenn der Sohn das Auto und den Autoschlüssel tatsächlich entwendet hat. Man bewahre ja den Autoschlüssel nicht in einem Tresor auf, sagt Georges Müller. Der Jugendstaatsanwalt müsse beurteilen, ob die Eltern eine Mitschuld an den Ereignissen hätten.