Eine Warnung an Schwangere

Im Rahmen einer Fortbildung von Fosumos Sarganserland, Werdenberg und Liechtenstein zeigte die Ärztin Tina Fischer die drastischen Folgen auf, wenn schwangere Frauen rauchen und Alkohol trinken.

Heidy Beyeler
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Die Ärztin Tina Fischer warnt vor Nikotin und Alkohol bei Schwangeren. Bild: Heidy Beyeler

Die Ärztin Tina Fischer warnt vor Nikotin und Alkohol bei Schwangeren. Bild: Heidy Beyeler

Tina Fischer, leitende Ärztin der Geburtshilfe im Kantonsspital St. Gallen, berichtete an der Fortbildung in Sargans ungeschminkt über die negativen Auswirkungen bei Kindern, wenn Frauen während der Schwangerschaft Alkohol konsumieren oder dem Nikotin frönen. Organisiert wurde der Anlass von Fosumos (Forum Sucht Ostschweiz) Sarganserland, Werdenberg und Liechtenstein. Anhand ihrer eindrücklichen Schilderungen müsste in der Schwangerschaft ausschliesslich die Null-Toleranz-Grenze gelten. Weniger rauchen oder nur ab und zu ein alkoholisches Getränk darf es nicht sein, falls werdende Mütter keine Risiken eingehen wollen, dass ihr Kind mit unwiederbringlichen Schädigungen zur Welt kommen könnte.

Ernst zu nehmende und alarmierende Erkenntnisse

Tina Fischer begleitete ihre Ausführungen nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit der klaren Nennung von Erkenntnissen der Risiken, welche Schwangere eingehen, wenn sie auf Alkohol oder Nikotin nicht verzichten.

Die engagierte Ärztin weiss, wovon sie spricht. In der Frauenklinik St. Gallen, die als einzige Geburtsklinik im Kanton über eine eigene Neonatologie-Abteilung verfügt, erblicken jährlich rund 1600 Kinder das Licht der Welt. «Frauen und ihre Partner müssen wissen, dass ein werdendes Kind mit einer dauerhaften Behinderung zur Welt kommen kann – und zwar sowohl beim chronischen wie bei punktuellem Alkoholkonsum.» Beispielsweise bei einem Familienfest.

Tina Fischer erklärte, weshalb die Gefahr gross ist, dass der Alkohol schädigende Wirkungen auf den Embryo beziehungsweise den Fetus hat. Trinkt eine schwangere Frau ein alkoholisches Getränk, gelangt der Alkohol und vor allem Azetaldehyd – ein Abbauprodukt – ungehindert durch die Plazenta direkt in den Blutkreislauf des werdenden Kindes. Die Referentin sprach von einer pränatalen Alkoholexposition des Fetus im Uterus. Dadurch können Wachstumsstörungen bei der Zell- und Organentwicklung entstehen, was zu körperlichen und neurologischen Schädigungen führen kann.

Das Rauchen schädigt Mutter und Kind

Anhand von Untersuchungen rauchen 30 Prozent der Frauen zwischen 20 und 45 Jahren. Etwa die Hälfte von ihnen rauchen während der Schwangerschaft weiter. Und das hat Auswirkungen. Durch das Kohlenmonoxid wird eine ausreichende Sauerstoffversorgung des Fetus verhindert. Die Folgen davon: Absterben des Fetus oder Entstehung von Fehlbildungen – zum Beispiel Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten. Nachwehen können sich aber auch nach der Geburt des Kindes bemerkbar machen. Tina Frei nannte dazu: plötzlicher Kindstod, Asthma, Lungenerkrankungen, Hyperaktivität, Lernprobleme, Allergien, Übergewicht, Diabetes, Leukämie.

Für die Ärztin gibt es deshalb keine Wahl, nur einen klaren Entscheid der werdenden Mutter, wenn sie ihrem Kind zu einen guten Start ins Leben verhelfen will: Aufhören mit dem Rauchen, und nach der Geburt – auch dem Kind zuliebe – nicht wieder anfangen. «Sollte der Partner auch rauchen, so ist es sinnvoll, wenn sie gemeinsam aufhören zu rauchen, so fällt es der werdenden Mutter leichter.» Tina Fischer engagiert sich dafür, den schwangeren Frauen – zumindest während der Schwangerschaft – mit Gesprächen den Weg hin zur Abstinenz von Alkohol und Nikotin zu ebnen. «Ich bin schon glücklich, wenn ich es schaffe, pro Woche wenigstens zwei werdende Mütter davon zu überzeugen, ihrem Kind einen guten Start ins bevorstehende Leben zu ermöglichen, indem sie auf Nikotin und Alkohol verzichten.»

Warum sind es immer fünf Zigaretten?

Dieses Thema ist in vielen Bereichen sensibel, weil es den Frauen eine klare Konsequenz abverlangt. Es sei schon so, dass sich die Frauen manchmal auch etwas vormachten, indem sie sagen: «Ich habe das Rauchen drastisch reduziert, ich rauche nur noch fünf Zigaretten pro Tag.» Für Tina Fischer ist jede Zigarette zu viel. «Es erstaunt mich, dass die Tagesration der Zigaretten bei allen Frauen ihren Aussagen zufolge auf fünf Stück reduziert wird – nicht auf drei und nicht auf sieben Zigaretten», sagte sie schmunzelnd.