Eine scheue Jägerin im Garten

Die Ringelnatter ist von der Umweltorganisation Pro Natura zum «Tier des Jahres 2015» ernannt worden. Die Schlange lebt auch in der Region Werdenberg noch in allen Gemeinden, teilweise sogar in naturnahen Gartenteichen.

Katharina Rutz
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Die Ringelnatter ist das «Tier des Jahres 2015» und wie alle Schlangenarten in der Schweiz geschützt. (Bild: Adam Drabek/Pro Natura)

Die Ringelnatter ist das «Tier des Jahres 2015» und wie alle Schlangenarten in der Schweiz geschützt. (Bild: Adam Drabek/Pro Natura)

WERDENBERG. Wenn sich neben dem Spazierweg im Fluss plötzlich etwas blitzschnell durchs Wasser schlängelt oder man gar im eigenen Gartenteich eine Schlange erblickt, kann einem schon mal kurz der Atem stocken. Nicht so bei einer W&O-Leserin, die in ihrem Gartenteich nicht nur Frösche und Molche beherbergt, sondern auch Schlangen. Und zwar handelt es sich dabei um die ungiftige und für Menschen völlig harmlose einheimische Ringelnatter. Die Wasserschlange kann bis zu 30 Minuten unter Wasser bleiben, ist eine ausgezeichnete Schwimmerin und ernährt sich von Fröschen, Kröten, Molchen, Salamandern sowie auch von Mäusen und Fischen.

Fressen und Gefressenwerden

Leider haben nicht alle im Umfeld unserer Leserin Freude am belebten Biotop – weder an den Fröschen noch an den Schlangen – weshalb sie gerne ungenannt bleiben möchte. «Ich könnte nicht ohne mein Biotop sein. Es ist für mich lebenswichtig», sagt sie jedoch gegenüber dem W&O. Und dies obwohl es dort nicht immer zimperlich zu und her geht. «Es handelt vom Fressen und Gefressenwerden», erzählt die Leserin. Zu Beginn, als sie die Ringelnattern bei ihrer Jagd beobachten konnte, hätten ihr die kleinen Frösche und Molche leid getan. Sie habe dann auch schon versucht, diese zu retten, jedoch ohne Erfolg. Trotzdem seien die Frösche jedes Jahr wiedergekommen. «Ich habe nie beobachtet, dass die Schlangen grosse Frösche erwischt hätten», sagt die Naturliebhaberin. Und auf der anderen Seite seien die kleinen Ringelnattern auch schon Opfer von Katzen geworden.

Scheue Tiere

Die Ringelnattern bekomme sie aber nur zu Gesicht, wenn sie ganz leise in den Garten gehe, sich hinsetze und eine Weile warte. «Menschen, die Angst haben, brauchen nur auf der Terrasse einmal laut aufzutreten und sie werden nie in ihrem Leben eine Ringelnatter sehen», ist sie überzeugt.

Kein Publikumsliebling

Auch Jonas Barandun, St. Galler Biologe, sagt: «Tatsächlich sind Ringelnattern keine Publikumslieblinge und werden immer noch gelegentlich aus Angst und Abneigung erschlagen.» Die Ringelnatter lebt zwar noch praktisch in allen Regionen der Schweiz, gilt jedoch als «verletzliche» Tierart. Im Kanton St. Gallen wird die Tierart als «gefährdet» eingestuft.

«In der Region Werdenberg kommt die Wasserschlange in allen Gemeinden vor, jedoch meist in kleinen, isolierten Lokalvorkommen», sagt Jürgen Kühnis von der Botanisch-Zoologischen Gesellschaft Liechtenstein-Sarganserland-Werdenberg. Die Art werde aufgrund des seit Jahren zunehmenden Siedlungsdrucks immer mehr in Randzonen zurückgedrängt und der genetische Austausch dadurch erschwert. Aufgrund dessen seien die Bestände vielerorts rückläufig, befürchtet Jürgen Kühnis.

Pro Natura hat die Ringelnatter deshalb zum «Tier des Jahres 2015» gewählt (der W&O berichtete). Die Umweltorganisation verbindet die Ernennung mit einem Appell zur Erhaltung oder Schaffung natürlicher Lebensräume für die Reptilien. Denn davon würden nicht nur die Schlangen selber profitieren, sondern auch ihre Beutetiere. Denn viele Amphibien-Arten sind ebenfalls gefährdet.

In der Region Werdenberg besiedeln die Ringelnattern vorwiegend Feuchtgebiete sowie strukturreiche Flussböschungen und Waldränder der unteren Hanglagen bis auf 800 Meter. «Vereinzelt wird sie auch in naturnahen Gärten und Gartenteichen angetroffen», sagt Jürgen Kühnis. Die Ringelnatter kommt im Kanton St. Gallen in zwei Unterarten vor. Die seltene Nördliche Ringelnatter lebt im Thurtal und im Bodenseeraum, während die weniger gefährdete Barren-Ringelnatter im Werdenberg, dem Rheintal, dem Seeztal und der Linthebene vorkommt.

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