«Eine Präsidentin muss zuhören können»

Die 50jährige Mirjam Michel möchte das Wohl der Schüler, Lehrer, Schulleiter und Eltern in den Vordergrund stellen. Ihre Stärke sieht sie darin, bei unangenehmen Themen eine für alle zufriedenstellende Lösung finden zu können.

Alexandra Gächter
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Mirjam Michel (parteilos): «Ich lerne gerne von der Sichtweise der anderen.» (Bild: Alexandra Gächter)

Mirjam Michel (parteilos): «Ich lerne gerne von der Sichtweise der anderen.» (Bild: Alexandra Gächter)

Mirjam Michel (parteilos) ist die offizielle Kandidatin von Beni Dürr. Sie stellt sich im zweiten Wahlgang für das Amt der Schulratspräsidentin zur Verfügung.

Sie wollen Schulratspräsidentin werden. Wieso?

Mir ist es enorm wichtig, dass unsere Schülerinnen und Schüler in einem respektvollem Umfeld aufwachsen. Sie sind absolut angewiesen auf uns Vorbilder. Als Schulratspräsidentin hat man die Chance, ein gutes Klima in der Schule zu verbreiten. Ausserdem finde ich es auch spannend, verschiedene Ansichten anzuhören und mit anderen zusammen eine für alle tragbare Lösung zu finden.

Was muss eine Schulratspräsidentin für Fähigkeiten mitbringen?

Sie muss zuhören können. Und zwar allen: Den Kindern, den Lehrern, den Gemeinderäten, den Schulleitern und den Hauswarten. Teamfähigkeit ist enorm wichtig. Es geht ja darum, dass man zusammen mit den anderen eine Lösung erarbeiten kann. Dieser Prozess finde ich spannend. Wenn man eine Lösung hat, muss man diese gegenüber dem Gemeinderat gut vertreten können und bei dieser Lösung bleiben.

Inwiefern besitzen Sie diese Fähigkeiten?

Ich habe meine eigene Meinung, aber ich kann auch gut zuhören und lerne gerne von der Sichtweise der anderen. Zudem kann ich gut unangenehme Themen freundlich ansprechen und eine für alle zufriedenstellende Lösung finden.

Was für einen Leistungsausweis besitzen Sie?

Ich habe eine Spielgruppe aufgebaut und geführt. Mit meinem Exmann zusammen gründete ich ein Geschäft und wir pflegten mit unseren ungefähr 20 Mitarbeitern ein sehr kollegiales Verhältnis. Gemeinsam haben wir auch vier Kinder grossgezogen und viel Wert darauf gelegt, ihnen einen respektvollen und wertschätzenden Umgang vorzuleben.

Sie sind ein unbeschriebenes Blatt. Stellen Sie sich kurz vor.

Ich bin 50 Jahre alt, komme ursprünglich aus Niederuzwil und wohne seit eineinhalb Jahren in Gams. Ich habe vier erwachsene Kinder und bin dreifache Grossmutter. Gelernt habe ich technische Zeichnerin. Derzeit arbeite ich in der Pflege.

Welche Eigenschaften schätzen oder stören Ihre Mitarbeitenden an Ihnen?

Gerade vor kurzem sagte mir eine Arbeitskollegin: «Es ist immer sehr schön, mit dir zusammenzuarbeiten, dann läuft immer alles so rund.»

Wo sehen Sie bei Ihrem jetzigen Job Schnittpunkte mit dem Schulratspräsidium?

In der Pflege ist Teamfähigkeit sehr wichtig. Wir müssen Hand in Hand arbeiten und sind sehr stark auf ein gutes Arbeitsklima angewiesen. Ich konnte mich dort beweisen, in dem ich im hektischen Berufsalltag und in hektischen Diskussionen Ruhe einbringe. Das ist eine Stärke von mir. Teamfähigkeit, gute Zusammenarbeit, Ruhe in hektische Diskussionen bringen, das sind alles Fähigkeiten, die eine Schulratspräsidentin haben muss.

Sind das Fähigkeiten, die Sie bei der jetzigen Schulratspräsidentin vermissen?

Da ich Daniela Eberle nicht persönlich kenne, halte ich mich zu Vorwürfen gegenüber ihrer Amtsführung heraus.

Sie sind parteilos. Sehen Sie das als Vor- oder als Nachteil?

Das ist ein Vorteil, denn ich bin unabhängiger. Ich bin nicht einer Partei verpflichtet, sondern kann Entscheidungen fällen, welche der Schule und den Kindern am meisten dienen. Zwar werde ich nicht von einer Partei unterstützt, was vielleicht ein Nachteil ist, aber ich werde vom «Forum Gams» unterstützt.

Sie sind keine Ur-Gamserin. Sehen Sie das als Vor- oder als Nachteil?

Das sehe ich durchwegs als Vorteil, denn auch hier bin ich niemandem verpflichtet. Wenn jemand viele Verwandte oder Bekannte in einem kleinen Dorf hat, ist man beeinflussbarer.

Die Schulfinanzen sind in Gams in den Focus geraten. Was ist Ihre Strategie hinsichtlich der Finanzen?

Man muss mit dem Geld sinnvoll und respektvoll umgehen. Zuviel Sparen schadet aber der Schulqualität. Wichtig ist, dass man bei negativen Entscheiden die betroffenen Personen respektvoll informiert und weiterhin wertschätzend behandelt.

Wie ist Ihrer Meinung nach die Schule Gams derzeit aufgestellt?

Seit Gams eine Einheitsgemeinde ist, wurde zu wenig transparent kommuniziert, wie sich die Kosten verteilt und entwickelt haben. Die Eingliederung der Schule in die Gemeinde muss ja Vorteile mit sich bringen. Entweder muss man Kosten sparen oder den Aufwand verringern können. Aber dies ist scheinbar nirgends ersichtlich. Deshalb sind gewisse Bürgerinnen und Bürger verunsichert.

Haben Sie Verbesserungsvorschläge?

Ich würde die Kosten für alle plausibel offen legen, um das Vertrauen in das Schulratspräsidium wieder zu stärken.

Wie ist Ihrer Meinung nach das Klima in der Schule Gams?

Ich habe von Betroffenen gehört, dass Angst besteht, sich offen zu äussern. Das ist natürlich nicht gut für das Klima in der Schule. Es schadet Kindern und Lehrern. Ich bin überzeugt, dass ich das Klima in der Schule Gams mit meiner schon oft bewiesenen guten Sozialkompetenz verbessern könnte.

Wie sehen Sie die Zukunft der Schule Gams?

Sobald das Klima wohlwollend ist, kann man die Schule miteinander gestalten. Ich möchte, dass alle Beteiligten, also Kinder, Eltern, Lehrer und Schulleitung die Gamser Schule mit mir gestalten.

Ursula Dürr wurde abgewählt. Daniela Eberle nicht wiedergewählt. Das Schulratspräsidium scheint kein sicheres Amt zu sein.

Dass es einfach sein wird, glaube ich nicht. Aber ich denke, dass man in einem wohlwollendem Klima gemeinsam einiges erreichen kann und dass dies auch sehr aufbauend für alle sein kann. Meine Schwiegertochter ist Gemeindeschreiberin und hat mir auch gesagt, dass dieses Amt nicht einfach ist. Sie traut mir dieses Amt, wie viele andere Gamser, die mich unterstützen, aber zu. Genauso wie Beni Dürr, der mich auswählte, und die ungefähr 20 Personen aus dem «Forum Gams».

Haben Sie keine Angst, sich nach vier Jahren eine neue Beschäftigung suchen zu müssen?

Ich arbeite schon über zehn Jahre mit viel Freude in der Langzeitpflege. Auch wenn ich gewählt würde, habe ich im Sinn, mit einem Bein noch in diesem Beruf zu bleiben. Wenn ich nach vier Jahren wieder abgewählt würde, dann würde ich mich, um viele neue Erfahrungen reicher, wahrscheinlich wieder ganz der Pflege und Begleitung unserer älteren und ältesten Mitmenschen widmen. Es wäre also hinsichtlich der Beschäftigungsfrage kein Problem für mich, wenn ich nicht wiedergewählt würde.

Was werden Sie besser machen als die amtierende Schulratspräsidentin?

Das möchte ich mir nicht anmassen, die amtierende Schulratspräsidentin zu beurteilen. Ich kann nur für mich sagen, dass ich es sehr entscheidend finde, in welchem Schulklima unsere Kinder aufwachsen. Auch in welchem Klima unsere Lehrer, Schulleiter und Hauswarte arbeiten, hat aus meiner Sicht eine riesige Auswirkung auf ihre Motivation, Kreativität und schliesslich auch auf ihre Gesundheit.

Wieso sollen die Wähler Ihnen ihre Stimme geben?

Weil ich das Wohl der Schüler, Lehrer, Schulleiter und Eltern in den Vordergrund stelle.