Einbrecher mit Erinnerungslücken

Die St. Galler Kantonspolizei hat 60 Personen ermittelt, die Einbrüche in Geschäfte und Wohnungen verübt haben sollen. Manchmal muss sie der Erinnerung der Verdächtigen auf die Sprünge helfen – durch Fahrten an die Tatorte.

Daniel Walt
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ST. GALLEN/REGION. Die Polizei schaut den Einbrechern untätig zu – sie büsst lieber Autofahrer, die falsch parkieren oder zu schnell unterwegs sind. Dieses Urteil ist immer wieder an Stammtischen zu hören. «Wir wollen Gegensteuer geben und aufzeigen, dass wir aktiv sind und unsere Ermittlungen etwas bewirken», sagt Gian Andrea Rezzoli, Sprecher der St. Galler Kantonspolizei. Deshalb haben die Verantwortlichen am Dienstag Rechenschaft über Einbrüche und Ermittlungserfolge in den vergangenen drei Monaten abgelegt.

Niveau gleichbleibend hoch

Im Kanton St. Gallen wurden in den Monaten November, Dezember und Januar rund 630 Einbrüche gezählt. Zu etwa einem Drittel waren Geschäftsliegenschaften betroffen – grossmehrheitlich brachen die Täter aber in Wohnbereiche ein. Insgesamt stahlen die Einbrecher Geld und Gegenstände im Wert von rund 2,1 Millionen Franken und verursachten einen Sachschaden von 670 000 Franken. «Allgemein lässt sich sagen, dass das Niveau der Einbrüche gleichbleibend hoch ist», sagt Rezzoli. Genaue Vergleiche zu früheren Jahren lassen sich noch nicht ziehen: «Wir haben einen Abschnitt von drei Monaten genauer angeschaut. Die Kriminalstatistik wird dann im März vorliegen.»

Rumänen prominent vertreten

In den Monaten November, Dezember und Januar ist es der St. Galler Kantonspolizei gelungen, 56 Männer und vier Frauen zu ermitteln, die eines Einbruchs verdächtigt werden – sei es, dass dieser in dieser Periode stattfand, sei es, dass er schon früher verübt wurde. 35 der 60 Verdächtigen wurden aufgrund ihrer Fingerabdrücke oder ihrer DNA identifiziert.

Ein Drittel der mutmasslichen Einbrecher sind Schweizer. Die übrigen zwei Drittel stammen laut Polizeisprecher Rezzoli aus folgenden Nationen: Albanien, Algerien, Bosnien-Herzegowina, Deutschland, Frankreich, Georgien, Italien, Kosovo, Libyen, Montenegro, Nigeria, Polen, Rumänien, Russland, Serbien, Türkei, Tunesien und Ukraine. «Prominent vertreten sind Rumänen.»

Elf sind ausgeschrieben

34 der 60 Tatverdächtigen hat die Polizei verhaftet – «entweder vorübergehend, oder dann wurden die Personen in Untersuchungshaft genommen, wenn sie mehrerer Tatbestände verdächtigt wurden und Fluchtgefahr bestand», sagt Rezzoli. Die restlichen 26 Personen sind der Polizei zwar namentlich bekannt. Entweder wurden sie aber noch nicht befragt, oder die Polizei weiss nicht, wo sie sich derzeit aufhalten. Insgesamt elf Verdächtige, die meisten aus dem Ausland, sind laut Rezzoli deswegen zur Verhaftung ausgeschrieben.

Grundsätzlich betont Rezzoli den Aufwand, der bei Ermittlungen nach Einbrüchen betrieben wird – «ein grosses Puzzle». Die Polizei gleicht Spuren an Tatorten und Vorgehensweisen der Einbrecher ab. Gibt es einen Verdächtigen, klärt sie ab, wann dieser in der Gegend war und für welche Einbrüche er in Frage kommt. Dann kommt es zur Einvernahme.

Und nicht selten muss die Polizei mit dem Verdächtigen die möglichen Tatorte sogar abfahren. «Die Leute wissen teils selbst nicht mehr, wo genau sie eingebrochen haben», sagt Rezzoli.