Ein Weisses unter den Grauen

Schwäne kommen normalerweise grau zur Welt und werden erst mit dem Federwechsel weiss. Auf dem Werdenbergersee schwimmt aber ein weisses Schwänlein.

Alexandra Gächter
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Die grau-braunen Jungschwäne werden wie ihre Eltern weiss und ihre Schnäbel färben sich orange. Das weisse Geschwisterchen bleibt weiss und unterscheidet sich als erwachsener Schwan nur noch durch die hellen Füsse von den anderen, welche dunkle Füsse haben. (Bild: Thomas Schwizer)

Die grau-braunen Jungschwäne werden wie ihre Eltern weiss und ihre Schnäbel färben sich orange. Das weisse Geschwisterchen bleibt weiss und unterscheidet sich als erwachsener Schwan nur noch durch die hellen Füsse von den anderen, welche dunkle Füsse haben. (Bild: Thomas Schwizer)

BUCHS. Es fällt sofort auf: Das junge Schwänlein, das schon fast so weiss wie seine Eltern ist. Umso mehr fällt es auf, weil seine sechs Geschwister allesamt grau sind. Die grauen Jungschwäne werden auch weiss. Allerdings erst nach dem zweiten Federwechsel, der nächsten Sommer stattfindet. Zwischenzeitlich bekommen die grauen Küken braune Federn.

Weisses Küken hat helle Füsse

Der weisse Jungschwan hingegen erhält keine braunen Federn; er bleibt weiss. Wenn er erwachsen ist, unterscheidet er sich nur noch durch die helleren Füsse von den anderen, ehemals grauen Küken.

Etwa zehn Prozent sind weiss

Ist das weisse Schwänlein ein Naturphänomen? Selten sind die weissen Küken auf jeden Fall, aber total ungewöhnlich ist es nicht, sagt Biologin Sophie Jaquier von der Schweizerischen Vogelwarte in Sempach. Man geht davon aus, dass in der Schweiz etwa zehn Prozent der Schwäne weiss geboren werden. In Grossbritannien liegt der Anteil sogar nur bei einem, in Osteuropa bei ungefähr 20 Prozent. «Aus diesem Grund werden die Höckerschwäne, welche als Küken bereits weiss sind, <Polnische Schwäne> genannt», so Jaquier.

Vater hat «Weiss-Allel»

Wildhüter Silvan Eugster hat in den vergangenen Jahren schon mehrmals weisse Küken auf dem Werdenbergersee gesehen. Ein Zufall ist das nicht. Der Werdenberger Schwanenvater ist nämlich Träger eines Allels, welches weisse Küken hervorbringt. Er selbst war aber als Küken nicht weiss, sonst hätte er helle Füsse.

Da die Schwanenmutter auch dunkle Füsse hat, war auch sie als Küken grau. Im Gegensatz zum Vater kann das weisse Allel nicht von ihr stammen.

Sophie Jaquier erklärt das folgendermassen: «Der Vater hat zwei Farballele, die Mutter eines, das sie weitergeben können. Ein männliches Küken braucht je vom Vater und der Mutter das weisse Farballel, um ein weisses Küken zu werden. Weiss wird nämlich nicht dominant vererbt. Da die Mutter kein Weiss-Allel hat, können durch die Werdenberger Schwaneneltern keine weissen Männchen geboren werden.»

Ein weibliches Küken benötige hingegen nur ein weisses Farballel, um weiss zu werden. Somit handelt es sich beim weissen Werdenberger Schwänlein um ein Weibchen. ? DIE DRITTE