Ein wahrhaftiges Grande Finale

Der Abschluss der Schlossmediale hätte mit seiner Sanftheit und Harmonie tiefgreifender nicht sein können. Er wurde in seiner gesamten Performance den Erwartungen eines Grande Finale mehr als gerecht.

Heidy Beyeler
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Michel Godard (Bild) spielte auf dem Serpent zusammen mit Günter Baby Sommer.

Michel Godard (Bild) spielte auf dem Serpent zusammen mit Günter Baby Sommer.

WERDENBERG. Nun sind die Tage der 5. Schlossmediale mit dem Thema Häutungen schon wieder zu Ende. Vielfältig waren nicht nur die Ausstellungsobjekte und die verschiedenen musikalischen Darbietungen und Aufführungen – die Vielfalt zeichnet sich ebenfalls in den Menschen aus, die sich von der diesjährigen Schlossmediale angezogen fühlten, wie Mirella Weingarten, künstlerische Leiterin, nach dem Grande Finale feststellte.

Schlusspunkt im Schlosspark

Ein Schlangenbad aus Artistik und Musik versetzte das Publikum einmal mehr in Staunen. Der sogenannt letzte Akt begann mit den Musikern Michel Godard (Tuba, Serpent) und Günter Baby Sommer (Schlaginstrumentarium). Beide sind profilierte europäische Jazzmusiker – Godard aus Frankreich, Sommer aus Ostdeutschland.

Die Feinheiten, welche die Musiker ihren Instrumenten entlocken, zeugen von hoher Kunst und musikalischem Können. Hier die Musik beschreiben zu wollen, würde nichts bringen. Ihre Musik muss man hören – am besten an einem lauen Abend unter freiem Himmel – so wie die Besucher den musikalischen Vortrag dieser einzigartigen und einfühlsamen Musiker am Sonntag geniessen konnten.

Die finnische Artistin Laura Tikka stand den Musikern auf ihrem Fachgebiet mit ihren Luftakrobatik-Darbietungen entlang der Aussenwand des Schlosses keineswegs hinten nach. Passend zu den Klängen der beiden Jazzer, welche sanft und feinfühlig die Figuren von Laura Tikka betonten, während sie – gleich einer Schlange – über die senkrechte Wand schlich. Manchmal hatte man wirklich den Eindruck, als ob sie ganz leise über die Fassade «krabbelte» – tanzend und oder auch nach Wärme suchend.

Fulminanter Abschluss

Zum endgültigen Endpunkt der Schlossmediale häutete sich Hülon – die Lichtskulptur nochmals. Schon bei der Eröffnung gab es spätabends Feuerinstallation von Esther und Stefan Portmann mit Rob Ashley, die bereits zahlreiche pyrotechnische Projekte im öffentlichen Raum realisierten. Kunstvoll wurde das Gebilde der lichtdurchlässigen Skulptur – angefacht durch Licht – an die Schlossfassade projiziert. Und während die Skulptur – begleitet mit Musik von Godard und Sommer durch die Luft schwebte, veränderte sich das Muster des Lichtbildes ständig.

Bei diesem allerletzten Akt hielten die Anwesenden inne, als der letzte Funke aus dem Kunstwerk zischte und ein Teil der Skulptur als «Haut» Mirella Weingarten zur 5. Schlossmediale übergeben wurde. In diesem Moment wurde es allen beteiligten Künstlern und vor allem auch den Machern und Organisatoren der Schlossmediale bewusst: Jetzt ist Schluss, die Schlossmediale hat sich gehäutet. Ein neues Stadium der Schlossmediale setzt ein und neue Ideen sind gefragt. Nun darf man gespannt sein, welche neuen Überraschungen sich bis in einem Jahr entwickeln werden.

Mit Perkussionist Sven Quartier konnten Besucher Rhythmus und Trommelklänge selber hautnah erleben. (Bilder: Heidy Beyeler)

Mit Perkussionist Sven Quartier konnten Besucher Rhythmus und Trommelklänge selber hautnah erleben. (Bilder: Heidy Beyeler)