Ein Streit um schnuppernde Kühe eskalierte

Ein Toggenburger wehrte sich gestern am St. Galler Kantonsgericht gegen eine Verurteilung. Ihm wird vorgeworfen, dass er die Kühe des Nachbarn mit einem Revolver bedroht habe, weil sie seine Blumen frassen. Offenbar zog sich schon länger ein Konflikt hin, das Urteil steht noch aus.

Claudia Schmid
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Dem 59jährigen Beschuldigten wirft die Anklage vor, er habe auf einer öffentlichen Strasse mit einem geladenen Revolver herumgefuchtelt und mehrmals auf die Kühe gezielt. Dem jungen Landwirt, der seine Tiere von der Weide in den 80 Meter entfernten Stall treiben wollte, soll er gesagt haben, er habe den Mut, auf die Kühe zu schiessen. Der Bauer müsse aufpassen, dass das Vieh seine Blumen nicht beschnuppere oder fresse.

Geldstrafe erhalten

Das Kreisgericht Toggenburg sprach den Nachbarn im Januar 2015 der Drohung und des Vergehens gegen das Waffengesetz schuldig. Es verurteilte ihn zu einer bedingt aufgeschobenen Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 350 Franken. Gegen diesen Entscheid wehrte sich der Mann und zog das Urteil ans Kantonsgericht St. Gallen weiter. Im Berufungsverfahren von gestern Freitag verlangte er einen vollumfänglichen Freispruch.

Auf das Fest angesprochen

Der vorsitzende Richter befragte an der Gerichtsverhandlung sowohl den 24jährigen Landwirt als auch den Beschuldigten. Bis zum Vorfall habe man eigentlich ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis gehabt, erklärte der junge Bauer. Es habe zwar früher ab und zu Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Nachbarn und seinem Vater gegeben, doch habe man sich immer gegrüsst. Auch habe die Familie mehrmals an einem Fest teilgenommen, zu dem der Nachbar jeweils einmal im Jahr den ganzen Weiler eingeladen habe.

Der Landwirt erzählte weiter, auf dem Weg zu seinen Kühen auf der Weide habe ihn der Nachbar gefragt, ob er wieder an das Fest komme. Seine Frau sei hochschwanger, deshalb könne er es noch nicht sagen, habe er ihm geantwortet. Als er dann mit seinen Kühen am Garten des Beschuldigten vorbeigegangen sei, sei der Vorfall mit dem Revolver passiert. Der Nachbar habe einen hochroten Kopf gehabt und laut geschrien. Auf Anraten seines Vaters habe er die Sache der Polizei gemeldet.

Der Beschuldigte bestritt, einen Revolver in der Hand gehabt zu haben. Zwar habe er gesagt, ob er denn zuerst eine Kuh erschiessen müsse, damit der junge Landwirt seine Tiere im Griff habe. Keinesfalls sei es aber seine Absicht gewesen, tatsächlich Kühe zu töten. Bereits als noch der Vater den Hof geführt habe, sei er provoziert worden, indem der Bauer Jungtiere vor seinem Haus weiden liess. Dies habe er sich mehrmals verbeten, doch sei es immer wieder passiert. Seien die Kühe am Garten vorbeigeführt worden, hätten sie regelmässig seinen Lavendel gefressen.

Schwelender Konflikt

Bei der Hausdurchsuchung fand die Polizei mehrere Waffen, darunter einen geladenen Revolver. Diesen habe er zur Abschreckung allfälliger Einbrecher, erklärte er dem Richtergremium. Eine ungeladene Waffe nütze im Falle eines Einbruchs ja nichts. Der junge Bauer aber lüge, wenn er sage, er habe den Revolver während des Vorfalls mit den Kühen dabeigehabt. Der Vorfall mit den Kühen sei ein Puzzleteil in einem lange schwelenden Konflikt, erklärte der Verteidiger des 59-Jährigen. Es sei Missgunst im Spiel, da sein Mandant ein Grundstück gekauft habe, das wohl auch die alteingesessene Bauernfamilie gerne gehabt hätte. Der Beschuldigte habe als Neuzugezogener ein gutes Verhältnis mit allen Nachbarn haben wollen, weshalb er auch zum Fest eingeladen habe. Beim Vorfall mit den Kühen sei es um eine verbale Auseinandersetzung gegangen, ein Revolver sei nicht im Spiel gewesen.

Das Urteil des Kantonsgerichts steht noch aus.

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