Ein steter Wandel

Auch in den Kirchen wirkt der Wandel. Zwar erleben wir aufs ganze gesehen bei uns noch keine gravierenden Abbrüche, zum Glück aber kleine und grosse reflektierte Aufbrüche.

Cornelius Daus, Pfarrer In Wartau
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Auch in den Kirchen wirkt der Wandel. Zwar erleben wir aufs ganze gesehen bei uns noch keine gravierenden Abbrüche, zum Glück aber kleine und grosse reflektierte Aufbrüche.

Christliche Gemeinde lebt schon immer, das heisst von Beginn an, und so auch heute zwischen Tradition und Fortschritt: Menschengerechte Gottesdienstformen, Unterrichtsgestaltung, zeitgenössische Lieder und neue Gestaltung der Frömmigkeit sowie Strukturveränderungen geschehen Tag für Tag. Fakt ist: Wir müssen heutzutage auch altbewährte Traditionen begründen und ihren Sinn neu eröffnen. Und zugleich gilt es, auch die mehr oder weniger zahlreichen Neuerungen begründet und mutig zu wagen.

Tradition bietet – wie überall – so auch im Christsein Geborgenheit, und Traditionen bilden sich stets und in allen Bereichen aus. Glaubensbekenntnisse sowie bewährte Strukturen des Gebets und der Gottesdienstgestaltung sind Beispiele dafür. Das Kirchenjahr mit Advent, Weihnachten, Ostern, Pfingsten, Erntedank, Ewigkeitssonntag usw. ist eine gewachsene Tradition innerhalb der Jahresgestaltung.

Tradition als ausschliessliche Maxime ist aber zukunfts- und lebensabweisend und wird der menschennahen und menschenfreundlichen Botschaft des Jesus nicht gerecht.

Beweger und Bewahrer sollten sich ihrer Absicht und der Gottes- und Menschennähe je neu vergewissern, denn sowohl die stete Abwechslung als auch die unbewegte Bewahrung wollen bedacht und begründet sein.

Traditionalisten und Erneuerer sind zum Miteinander im Gespräch aufgerufen, so ist die je eigene Berechtigung und der gott- und menschengefällige Reichtum der anderen Position erkennbar.

Wer sehr traditionsorientiert lebt und sich entsprechend verhält und auch seine Religiosität so gestaltet, sollte dennoch Herz, Geist, Augen und Ohren offenhalten für das, was auch noch in ihm beziehungsweise in ihr angelegt und gedacht sein könnte. Das gilt ebenso für die steten Erneuerinnen und Erneuerer, die den Pfad der Traditionen vollständig verlassen haben oder verlassen wollen.

Ostern heisst, eine Blickwende zu wagen und sich auf neue Wege einzulassen, bis hin zu Pfingsten, wo Neues durch- und anbricht. Und das neue kann sowohl Ungewohntes als auch Traditionelles sein.

Die erfrischende Balance zwischen Tradition und Fortschritt wird mitgetragen vom Atem des österlichen Geistes, der in die Zukunft weist und an Pfingsten aufbrechen lässt in das Ungelebte, aber Lebenswerte.