Ein Selfie für die im Tal unten

Immer mehr Menschen wollen beim Wintersport nicht aufs Kommunizieren mit ihren Handys verzichten. Das kostet die Betreiber der Ostschweizer Skigebiete viel Geld.

Daniel Walt
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Eine Touristin fotografiert in den Bergen. Für die Betreiber der Skigebiete sind solche Fotos Werbung. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

Eine Touristin fotografiert in den Bergen. Für die Betreiber der Skigebiete sind solche Fotos Werbung. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

OSTSCHWEIZ/WILDHAUS. Blauer Himmel, Sonnenschein, eine frisch präparierte Piste: Das brauchen Wintersportfans, um glücklich zu sein. Und dazu möglichst guten Handyempfang. «Viele Skifahrer wollen auf der Piste Fotos machen und sie gleich auf Facebook stellen. Jene, die unten im Nebel sind, sollen ja ein wenig neidisch werden», sagt Simon Meyer, Leiter Marketing und Betrieb bei den Pizolbahnen. Entsprechend wichtig ist in den vergangenen Jahren ein guter Handyempfang in den Skigebieten geworden. Laax beispielsweise hat allein 2013 eine Viertelmillion Franken in den Ausbau der entsprechenden Infrastruktur investiert.

25 000 Franken investiert

Im Skigebiet Pizol hat die Swisscom kürzlich zwei Masten installiert und mit Kleinantennen ergänzt. «Wir waren auf die Swisscom zugegangen. Immer mehr Kunden wünschten eine bessere Abdeckung», sagt Geschäftsführer Klaus Nussbaumer. Zusätzlich haben die Pizolbahnen für ihre Gäste kostenlos ein drahtloses lokales Netzwerk (WLAN) aufgeschaltet. Knapp 25 000 Franken haben die Pizolbahnen dafür in die Hand genommen. Vom Angebot machen die Wintersportler auch Gebrauch: «Die Leute suchen einander via Handy im Skigebiet. Und sie nutzen auch die sozialen Netzwerke immer stärker», sagt Nussbaumer. Er betont, dass ein gutes Netz auch aus Sicherheitsgründen wichtig ist. So konnten einmal Tourengänger geortet werden, die sich im Nebel verlaufen hatten.

«Es ist schon seltsam, wenn die Leute an einer Bergstation zuerst Fotos auf Facebook posten, bevor sie losfahren. Wobei das natürlich auch Werbung ist für unser Skigebiet», sagt Jürg Schustereit von den Bergbahnen Toggenburg. Er ist zufrieden mit der Netzabdeckung in seinem Gebiet – wobei es tote Ecken gebe. Weniger gut ist es hingegen um das WLAN bestellt – eine bewusste Entscheidung der Verantwortlichen: «Ich würde nicht Zehntausende Franken dafür investieren», sagt Jürg Schustereit. Er habe den Eindruck, dass die Nachfrage nach drahtlosen lokalen Netzwerken abflache.

Zurückhaltung bei Investitionen

«Ein guter Handyempfang ist für die Gäste, aber auch für unsere Arbeit am Berg wichtig», sagt Heinrich Michel, Geschäftsführer der Bergbahnen Flumserberg. Wenn sich jemand im Nebel verirrt habe, könne man die Person bitten, mit dem Handy eine Hütte oder ein Waldstück zu fotografieren – für unsere Leute ist es dann oftmals ein Leichtes, herauszufinden, wo sich die Person befindet», sagt Michel. Entsprechend froh ist er, dass die Abdeckung in den Flumserbergen fast optimal ist. Zurückhaltend sind die Bergbahnen Flumserberg hingegen mit WLAN: «Auf dem Tannenboden haben wir ein drahtloses Netzwerk. Sonst wollen wir das aber nicht forcieren», sagt Michel.

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