Ein Rheintaler soll seine Kinder entführt haben

RHEINECK. Mehrere Jahre nach der Entführung seiner Kinder in den Libanon steht ein Vater heute Mittwoch vor Gericht. Weil er seine beiden Töchter monatelang dort festhielt, droht ihm eine fünfjährige Freiheitsstrafe. Der 48-Jährige, der seit 30 Jahren in der Schweiz lebt, bestreitet die Tat.

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RHEINECK. Mehrere Jahre nach der Entführung seiner Kinder in den Libanon steht ein Vater heute Mittwoch vor Gericht. Weil er seine beiden Töchter monatelang dort festhielt, droht ihm eine fünfjährige Freiheitsstrafe. Der 48-Jährige, der seit 30 Jahren in der Schweiz lebt, bestreitet die Tat.

Bei der Befragung vor dem Kreisgericht Rheintal sagte er, er sei körperlich und psychisch krank, könne nicht arbeiten und sei von Sozialhilfe abhängig. Die beiden heute erwachsenen Töchter folgten der Verhandlung unter Tränen. Sie fordern von ihrem Vater eine Genugtuung von je 100 000 Franken.

Pässe abgenommen

Laut Anklageschrift hatte der Libanese im September 2009 seine Schweizer Ehefrau mit den gemeinsamen Kindern im Alter von 11, 13, 16 und 17 Jahren unter dem Vorwand der Doppelheirat seiner Neffen in den Libanon gelockt. In seinem Heimatort Baalbek nahm er Frau und Kindern die Pässe, Flugtickets und die Mobiltelefone ab und eröffnete seiner Frau, die Familie werde die nächsten zwei Jahre im Libanon bleiben.

Der Mutter gelang es einige Wochen später, mit den damals 11- und 17jährigen Söhnen aus dem Libanon auszureisen. Den 13- und 16jährigen Töchtern verweigerte der Angeklagte jedoch die Rückreise in die Schweiz. Angeblich sollten sie in der Heimat ihres Vaters Arabisch lernen.

Plan für Zwangsheirat

Als die Mutter Wochen später erfuhr, dass ihr Mann die 16jährige Tochter verheiraten wollte, reiste sie erneut in den Libanon und heckte einen Fluchtplan für ihre Töchter aus. Doch der Angeklagte und seine Brüder vereitelten die Flucht. Da die Mutter befürchtete, ihr Mann werde auch gegen sie eine Ausreisesperre anordnen lassen, reiste sie in die Schweiz zurück.

Laut Anklage schlug der Angeklagte seine ältere Tochter und drohte ihr damit, sie umzubringen oder in den Iran zu bringen. Die beiden Mädchen seien derart eingeschüchtert gewesen, dass sie sowohl gegenüber der libanesischen Polizei wie der Schweizer Botschaft angaben, sie seien freiwillig im Land.

Erst im April 2011 gelang es den Behörden, die beiden zurück in die Schweiz zu bringen. Wegen mehrfacher Freiheitsberaubung und Entführung verlangt die Staatsanwältin eine fünfjährige Freiheitsstrafe.

Der 48-Jährige bestreitet diese Vorgänge. Seine beiden Töchter seien freiwillig bei ihm und seinen Verwandten im Libanon geblieben, sagte er dem Gericht.

Auf Nachfrage des Richters beschuldigte der Angeklagte seinen Bruder, die beiden Mädchen festgehalten zu haben. (sda)