Ein Netzwerk schafft Innovationen

RhySearch und die NTB Buchs haben mit Lidt ein erstes grosses Projekt an Land gezogen. Seit einem Jahr ist das Forschungs- und Innovationszentrum zu einer Drehscheibe für innovative Rheintaler Unternehmen geworden.

Markus Rohner
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Haben Freude an der Entwicklung von RhySearch: Geschäftsführer Richard Quaderer und Bärbel Selm, Projektleiterin Innovation. (Bild: Johanna Senn)

Haben Freude an der Entwicklung von RhySearch: Geschäftsführer Richard Quaderer und Bärbel Selm, Projektleiterin Innovation. (Bild: Johanna Senn)

BUCHS. Mit einem Ja-Stimmenanteil von über 75 Prozent hat das St. Galler Stimmvolk 2012 die Realisierung eines Forschungs- und Innovationszentrums im Rheintal gutgeheissen. Das Tal verfügt zwar seit Jahrzehnten über erfolgreiche Unternehmen, die innovative Produkte herstellen. Wollen sich diese Firmen weiter auf dem Weltmarkt behaupten, so die Überlegungen für dieses Zentrum, müssen sie auf technischen Fortschritt und Innovationen setzen. Dank RhySearch kann heute manches Unternehmen, das allein zu klein ist, auf Partnerschaft und Kooperation setzen.

RhySearch wächst kräftig

Seit einem Jahr steht das Baby RhySearch auf eigenen Beinen. Dass diese Entwicklung so weitergeht, dafür sorgt der Liechtensteiner Richard Quaderer, ein 42jähriger ETH-Chemiker mit langjährigem Forschungsaufenthalt in den USA. Bevor er seine Stelle als Geschäftsführer bei RhySearch antrat, arbeitete er während sechs Jahren bei Lonza in Visp.

Im vierten Stock des NTB-Hauptgebäudes in Buchs hat Quaderer zusammen mit zwei Mitarbeiterinnen seine Büros eingerichtet.

Innovationskraft stärken

Die Interstaatliche Hochschule für Technik NTB ist neben der Universität Liechtenstein und der Eidgenössischen Materialprüfungsanstalt Empa einer von drei strategischen Forschungspartnern von RhySearch. Diese bringen ihr Forschungs-Know-how, ihre Spezialkompetenzen und ihren Zugang zu nationalen und internationalen Forschungsnetzwerken in dieses Netzwerk ein.

Richard Quaderer ist die Spinne im Netz, die dafür sorgt, dass Industrie, Gewerbe und Forschung zueinander finden. «Bei RhySearch stehen wir am Anfang unseres Schaffens, bauen jetzt ein Netzwerk auf und versuchen alle Interessierten an einen Tisch zu holen», sagt der Geschäftsführer «Ziel ist es, mit innovativen Leuten aus Industrie und Gewerbe sowie den Forschungspartnern die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit des regionalen High-Tech-Werkplatzes Rheintal nachhaltig zu stärken.»

Optik mit hoher Priorität

Dass das erste Netzwerk-Projekt (siehe Kasten) aus dem Bereich Optik ausgewählt worden ist, ist kein Zufall. Zwischen Bonaduz und Bodensee sind zahlreiche Unternehmen aus dem Bereich Optik und Beschichtung angesiedelt. Und Optical Coating wird in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Das aktuelle Projekt war an der NTB der Startschuss für den Aufbau eines international tätigen Forschungszentrums für optische Beschichtung.

Neben diesem Leuchtturm-Projekt hat RhySearch verschiedene andere Projekte am Laufen. Diese werden direkt von den Industriepartnern finanziert. Neben der Funktion als Netzwerkknoten bietet RhySearch auch Dienstleistungen für Produkteentwicklungen und angewandte Forschung in den drei Bereichen Präzisionsfertigung, Beschichtungen und Verpackungstechnologie an. Alles Bereiche, die für die Rheintaler Industrie von grosser Bedeutung sind. «Bei der Auswahl der drei Schwerpunkte haben wir uns von verschiedenen Kriterien leiten lassen», sagt Quaderer. «Nachhaltigkeit und Machbarkeit mussten gegeben sein. Zwecks Mitfinanzierung ist ein Industrie-Netzwerk nötig und die Wirksamkeit fürs Rheintal war wichtig. Zudem musste mindestens ein Forschungspartner vorhanden sein.»

NTB als wichtiger Partner

Die Hochschule für Technik NTB gewährt RhySearch in ihren Räumen nicht nur Gastrecht, sie ist auch einer der drei Forschungspartner. Für Daniel Lippuner, NTB-Prorektor und Leiter angewandte Forschung & Entwicklung, ist Rhysearch «ein Glücksfall für die NTB». Beide Seiten profitierten voneinander. Mit dem Lidt-Projekt werde das Institut für Produktionsmesstechnik, Werkstoffe und Optik (PWO) stark aufgewertet. «Es wäre für die NTB schwieriger gewesen, dieses Projekt ohne die Unterstützung von RhySearch zu realisieren.»

Schule profitiert

Der Technologietransfer ist eine wichtige Aufgabe der NTB. «Das ist unser Lebensnerv», sagt Lippuner. 43 Prozent der NTB-Einnahmen stammten aus dem Technologietransfer. 2014 waren das rund 14 Millionen Franken. Eine Summe, die sich seit 2008 verdoppelt hat. Fast 100 Mitarbeitende der Hochschule forschen heute für Unternehmen innerhalb und ausserhalb der Region.

Davon profitiert auch die Schule: Indem Dozenten ihr Wissen in die Lehre einbauen, oder Studenten auf Bachelor- und Masterstufe praxisbezogene Arbeiten realisieren können. Das Angebot dieser NTB-Forschungen in Partnerschaft mit der Wirtschaft ist weit gefächert. Es reicht von innovativen Klickpedalen für Radprofis über Solarautos und Wärmepumpen bis zur Entwicklung eines neuartigen Readersystems zur Erkennung und Identifikation unterschiedlichster Sicherheitsmerkmale auf Markenprodukten.

Wer sich über das Ingenieurstudium an der Hochschule für Technik NTB mit den Studienorten Buchs, Chur und St. Gallen informieren will, kann dies am Infotag vom 28. Februar an der NTB tun. Infos unter: www.ntb.ch