Ein Leben für Bach

In der katholischen Kirche Gams spielte Professor Bruno Oberhammer am Sonntag an der Metzler-Orgel. Ein grosses Konzert vor kleinem Publikum.

Pius Bamert
Merken
Drucken
Teilen
Professor Bruno Oberhammer spielte an der Metzler-Orgel. Es war ein Erlebnis der Klangwelten. (Bild: Pius Bamert)

Professor Bruno Oberhammer spielte an der Metzler-Orgel. Es war ein Erlebnis der Klangwelten. (Bild: Pius Bamert)

GAMS. «Die Orgel wird seit alters her und zu Recht als die Königin der Instrumente bezeichnet, weil sie alle Töne der Schöpfung aufnimmt und die Fülle des menschlichen Empfindens zum Schwingen bringt.» So Papst Benedikt XVI. bei der Weihe einer neuen Orgel in Regensburg. Pfeifenorgeln sind die am schwierigsten zu bauenden Instrumente, die es gibt. Ihr unglaublich vielseitiger Klang kann auch andere Instrumente wie Blas- und Streichinstrumente und sogar die menschliche Stimme nachahmen, kann fast ein ganzes Orchester ersetzen.

Professor Bruno Oberhammer ist als Orgelvirtuose und Orgelimprovisator bekannt. Nach seiner Matura am Humanistischen Gymnasium Bregenz 1965 studierte er in Österreich, in der Schweiz und in Deutschland Musikpädagogik, Klavier, Orgel, Komposition, Geschichte, Philosophie/Psychologie und Musikwissenschaft. Daneben absolvierte er ein langjähriges Orgelstudium bei Luigi Ferdinando Tagliavini und Konrad Philipp Schuba, an das sich Meisterkurse bei Alain Curtis, Ludwig Doerr, Flor Peeters, Pierre Segond und Bernard Lagace anschlossen.

Tänzerische Passagen

Mit «Passacaglia» von Johann Sebastian Bach eröffnet Bruno Oberhammer das Konzert. «Passacaglia» ist ursprünglich ein spanischer Volkstanz. Im 16. Jahrhundert verbreitete er sich in Frankreich und Italien und wurde dort als Bühnentanz aufgeführt.

Majestätisch klingt es, eine Klangwelt, eine Klangwolke braust durch das Kirchenschiff. Die Melodien, die Akkorde hallen, verschmelzen miteinander, um wieder auseinander zu fliessen, verflüchtigen sich in alle Richtungen. Es ist ein riesiges akustisches und ästhetisches Erlebnis. Man wähnt sich in einer anderen Welt, weiss nicht mehr, lebt man in der Vergangenheit oder ist es Zukunft.

Was doch die Musik im Menschen bewirken und auslösen kann. Alle Sinne werden angesprochen, Gefühle von beruhigend bis Angst, man kann sich den Klängen nicht entziehen, man ist gefangen. Zwischen den einzelnen Titeln hält Oberhammer die Zeit an, lange Pausen, die fast quälend lang sind, aber auch Zeit, das Erlebte auf sich wirken zu lassen.

Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Carl Philipp Emanuel Bach war der zweite Sohn von Johann Sebastian. Auch aus ihm wurde ein Musikus, der in der «oberen Liga» mitspielte. Für die sehr musikalische Schwester des Preussenkönigs Friedrich II. hat Carl Philipp Emanuel eine Reihe von Orgelsonaten komponiert. Als besonders abwechslungsreich und darum gelungen gilt die Sonate VI in g-Moll, deren zweiter Satz, Adagio, die damals moderne hochgesteigerte Empfindsamkeit in einer besonderen Weise zum Ausdruck bringt. Es ist das zweite in Moll geschriebene Werk des Abends. Moll, eine Tonart, die man fast nicht erklären kann, aber tiefe Empfindungen auslöst.

Auch die letzte Komposition ist in Moll geschrieben. Oberhammer spielt die «Sonate VIII» von Josef Gabriel Rheinberger – eine Hommage an den Musiker aus Vaduz, der vor 175 Jahren in Liechtenstein zur Welt kam.