Ein Konzert mit geballter Kraft

Alle zwei Jahre treten die Blechbläser mit Weltklasseformat in Sevelen auf – jeweils das einzige Konzert der Harmonic Brass aus München in der Schweiz. Sie begeisterten das Publikum in der evangelischen Kirche vollauf.

Heidy Beyeler
Drucken
Teilen
Fünf Blechbläser überzeugen auf höchsten Niveau mit «fünf Jahreszeiten». (Bild: Heidy Beyeler)

Fünf Blechbläser überzeugen auf höchsten Niveau mit «fünf Jahreszeiten». (Bild: Heidy Beyeler)

SEVELEN. Die Harmonic Brass stehen jahrein jahraus auf Weltbühnen, beispielsweise in der Carnegie Hall New York, im Arts Centre Seoul oder im Gewandhaus zu Leipzig und seit 15 Jahren als kultureller Botschafter des Goethe-Instituts. Und regelmässig – alle zwei Jahre kommen sie nach Sevelen. Am Sonntag war es das siebte Mal, dass sie ihr musikalisches Können in Sevelen bewiesen. Sie scheinen von der Musik getrieben zu sein.

Pfarrer Aebi begrüsste das Publikum in der evangelischen Kirche und erklärte, dass das Konzert von Musikgesellschaft und ökumenischer Arbeitsgruppe organisiert und von Südkultur, der Kantonalbank und den drei Seveler Kirchgemeinden finanziell unterstützt wurde.

Fünf Musiker – fünf Jahreszeiten

Im Jahr stehen etwa 120 Konzerte rund um den Globus auf dem Programm. Die fünf Herren kehrten vor kurzem von einer vierwöchigen Südafrika-Tournée zurück. Die vielen Auftritte scheinen der Spielfreude der Musiker keinen Abbruch zu tun. Sie ist frisch und kraftvoll, und die fünf Herren im Frack sind offensichtlich mit viel Energie ausgestattet – wie es sich während des Konzerts zeigen sollte.

Klassische Musik kann sehr wohl humorvoll präsentiert werden, das bewies Hornist Andreas Binder zur Freude der Gäste in den jeweiligen Ankündigungen der Stücke. Das Konzert wurde unter dem Titel «fünf Jahreszeiten» angesagt. Dabei war die fünfte Jahreszeit eine sehr gelungene Überraschung. Alle vorgetragenen Stücke wurden von Hans Zellner, seit 1997 Trompeter bei Harmonic Brass, arrangiert.

Humorvolle Inszenierungen

Haydns Oratorium «Komm, holder Lenz» liess den Frühling erwarten und ganz sanft hörte man da die Töne eines Kuckucks erklingen. Der Karneval der Jahreszeiten von Tschaikowsky hörte sich lüpfig und etwas ungeordnet an, passte aber ganz gut für den zweiten Monat im Jahr, kurz vor dem Frühjahrsbeginn. Ganz besonders eindrücklich wurde «der Hummelflug», ein Zwischenspiel aus der Oper «Das Märchen vom Zaren Saltan» von Nikolai Rimski-Korsakow arrangiert. Hier kam die Tuba von Manfred Häberlein voll zum Zug. Die Ouvertüre «Der Sommernachtstraum» ist nicht nur ein Glanzstück von Felix Mendelssohn-Bartholdy, die er als 17-Jähriger komponierte. Die Kurzfassung des gleichnamigen Schauspiels von William Shakespeare, vorgetragen von den fünf Herren, war grandios und humorvoll.

Der Auftakt zum zweiten Konzertteil versetzte das Publikum mit einem imposanten Jagdhorn-«Halali» sowie einer kläffenden «Hundemeute» (erzeugt aus den Mündern der Musiker) in eine neue Welt – in die Welt der Jagd.

Eine wohltuende Unterhaltung

Das Tüpfelchen des klassischen Konzerts, das mit viel Humor gespickt war, zeichnete sich in der fünften Jahreszeit ab – mit Eigenkompositionen. Zum Beispiel von Gergely Lukács, dem ungarischen Trompeter aus der Truppe, der es verstand, in einer verdichteten Art Rhythmen und Klänge aus seinem Heimatland in sein Werk zu verpacken. Thomas Lux versetzte das Publikum mit seinen Posaunentönen in Begleitung der andern vier Blechbläser auf die «Wiesn» des Oktoberfests. Nach diesem Beitrag meinte der Moderator Andreas Binder: «Mei, is des schee.» Dieser Meinung war auch das Publikum, das sich bei den Konzertisten mit einer Standing Ovations bedankte.

Aktuelle Nachrichten