«Ein Höhepunkt für jeden Turner»

An zwei Wochenenden – 11./12. Juni und 17. bis 19. Juni – findet in Gams das Rheintaler Turnfest statt. OK-Präsidentin Erika Wismer freut sich auf die Herausforderung, erklärt die Bedeutung der Sportanlage Pilgerbrunnen und verrät zudem, was es Neues im Werdenberg zu sehen gibt.

Robert Kucera
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Kann sich auf ihr Team verlassen und freut sich aufs Rheintaler Turnfest: OK-Präsidentin Erika Wismer. (Bild: Heini Schwendener)

Kann sich auf ihr Team verlassen und freut sich aufs Rheintaler Turnfest: OK-Präsidentin Erika Wismer. (Bild: Heini Schwendener)

Erika Wismer, wie geht es der OK-Präsidentin so kurz vor dem Rheintaler Turnfest in Gams?

Erika Wismer: Mir geht es gut. Wir haben sehr viel zu tun im Moment. Denn jetzt ist die Phase erreicht, wo finale Entscheidungen gemacht werden müssen. Doch trotz der vielen Arbeit ist jeder motiviert und mit viel Engagement bei der Sache.

Welche Entscheidungen stehen aktuell an?

Wismer: Wir sind in der Feinplanung, bei welcher man vor dem Aufbau über die Bücher muss. Zum Beispiel definitive Bestellmengen für die Festwirtschaft oder wie gross nun ein Podest des WC-Aufbaus sein wird. Jede Stückzahl, jeder Zentimeter muss nochmals bestätigt werden.

Also dürfen Sie bereits entspannt in Richtung Turnfest blicken?

Wismer: Entspannt ist nicht der richtige Ausdruck…

Was wäre der richtige Ausdruck?

Wismer: Gespannt. Und in freudiger Erwartung. Denn wir sind sehr gespannt und freuen uns aufs Turnfest. Dies ist ein gutes Zeichen, wenn wir uns darauf freuen können. Ich denke, das ist das Wichtigste. Trotz der vielen Arbeit soll die Freude erhalten bleiben – dann kommt's gut.

Worauf freut sich die OK-Präsidentin am meisten?

Wismer: Ich freue mich auf sehr viele Sachen. Zum Beispiel auf die turnerischen Wettkämpfe. Denn in Gams sind Spitzenvereine ebenso dabei wie kleine Vereine mit acht Turnern, für die ein Turnfest eine grosse Herausforderung darstellt. Da gibt es sehr gute Einzelturner, die sich am ersten Wochenende messen. Ausserdem freue ich mich sehr auf den Nationalturntag. Ich freue mich auch, dass wir der Gamser Bevölkerung und dem Werdenberg so ein Turnfest näherbringen können. Die Vorführungen und Leistungen, die man zu sehen bekommt, sind sagenhaft. Für mich ist es «Schweizer Talente» am laufenden Band, was man da den ganzen Tag sieht. Es ist super, dies nun in der Region anbieten zu können.

Ist aus dieser Freude, die ein Turnfest mit sich bringt, auch die Idee entstanden, eines durchzuführen?

Wismer: Ja, das ist so. Man geht als Verein jährlich an zwei, drei Turnfeste. Wir gehen gerne an diese Feste, sie sind ein Highlight der Turnsaison. Und wenn man ein eigenes Turnfest organisieren kann, ist das ein Höhepunkt für jeden Turner, nicht nur für die OK-Mitglieder.

Wer brachte die Idee vor, das Rheintaler Turnfest 2016 nach Gams zu bringen?

Wismer: Die Idee hatten alle, die schon länger an Turnfeste gehen. Wir sagen seit 15, 20 Jahren: «Ein eigenes Turnfest – das wäre cool.» Ein Grund dafür, dass wir es nun durchführen, ist die Vergrösserung der Sportanlage Pilgerbrunnen. So haben wir nun jenen Turnfest-Mittelpunkt, den wir uns schon immer gewünscht haben. Wenn man das gesamte Turnfest auf der grünen Wiese machen müsste, dann wird es viel schwieriger.

Also hat es für das Rheintaler Turnfest in Gams die neue Sportanlage Pilgerbrunnen gebraucht?

Wismer: Man hätte es wohl auch ohne geschafft. Aber jetzt ist es einfacher und es entsteht ein Zentrum. Für uns ist es nun ideal. Wir haben einige befestigte Plätze und Sportanlagen und rund herum ist Wiesland. Das braucht's für Festzelte und die Wurfanlagen. Doch mit der Anlage Pilgerbrunnen war rasch klar: Jetzt spricht nichts mehr gegen das Turnfest. Zuvor gab es Vorbehalte, weil die Situation mit nur Wiesland schwieriger war.

Das klingt, wie wenn es einfach wäre, ein Turnfest zu organisieren. Oder gab es grosse Hürden zu meistern?

Wismer: Das Wichtigste ist, dass sich zunächst der eigene Verein dafür ausspricht. An der Hauptversammlung 2013 stimmten wir ab und erzielten 98 Prozent pro Turnfest – eine sehr grosse Zahl.

Die Hürde STV Gams war folglich nicht so gross. Welches war die grösste Hürde für das OK?

Wismer: Glücklicherweise haben wir immer offene Türen einrennen können. Sei es bei Behörden und zum guten Glück bei den Landwirten. Wir haben von Anfang an die Dorfvereine einbezogen – denn ohne sie geht es nicht. Die Dorfvereine helfen enorm viel. Besonders in der Festwirtschaft. Und auch die umliegenden Turnvereine helfen beim Aufbau und Abbruch.

Alle möglichen Parteien stehen also hinter dem Turnfest. Was bedeutet das Ihnen als OK-Präsidentin und Präsidentin des ansässigen Turnvereins?

Wismer: Von «alle» will ich nicht sprechen. Der grösste Teil unterstützt das Turnfest. Das gibt einem Zuversicht und hilft dem ganzen OK, dass dieser Anlass vom Dorf getragen wird. Dass es so ist, war eine grosse Erleichterung.

Stellt das Rheintaler Turnfest den Höhepunkt ihrer zehnjährigen Amtszeit als Präsidentin des STV Gams dar?

Wismer: Ich durfte schon viele Höhepunkte erleben. Aber das ist was ganz besonderes.

Sie erleben das Turnfest nicht nur als Vereinspräsidentin, sondern auch als OK-Präsidentin. Warum haben Sie sich entschieden, auch hier die Führung zu übernehmen?

Wismer: Ich wurde dazu ermuntert, OK-Präsidentin zu werden und mein Team bestätigte mir, dass sie mich in diesem Fall selbstverständlich unterstützen werden. Wenn man so ein Team mit guten Leuten rekrutieren kann, dann ist es relativ einfach, zuvorderst zu stehen.

Hand aufs Herz – haben Sie den Entscheid jemals bereut, die Führung für den Grossanlass Rheintaler Turnfest in Gams zu übernehmen?

Wismer: Bis jetzt nicht, weil ich Herausforderungen gern habe. Es ist eine spannende Aufgabe, weil man diese meist nur einmal im Leben macht. Darum hat es mich auch gereizt. Ich gleise gern neues auf. Langweilige Sachen reizen mich nicht.

Apropos «neu»… Wird am Rheintaler Turnfest auch etwas geboten, das man im Werdenberg nie oder nur selten zu Gesicht bekommt?

Wismer: Etwas nicht Alltägliches ist der Nationalturntag der Kantone Appenzell, Glarus und St. Gallen. Das gab es schon eine Weile nicht mehr im Werdenberg. Der Nationalturntag hat Disziplinen, die man an einem Turnfest nur noch teilweise sieht, zum Beispiel Steinstossen und Steinheben. Nun sieht man gleich alle acht.

Nationalturnen wird, schweizweit gesehen, nur von wenigen Athleten ausgeübt. Warum hat man sich trotzdem dafür entschieden, es ins Programm aufzunehmen?

Wismer: Genau aus diesem Grund. Wir wollen diese alte Schweizer Sportart im Werdenberg zeigen, dem Nationalturnverband eine Plattform ermöglichen. Ich finde, es passt gut zu unserem Einzel-Turntag am Samstag, 11. Juni, und stellt eine ideale Ergänzung dar, diesen Wettkampftag zu bereichern.

Mit welchen Worten würden Sie einem Nicht-Turner diese typische Schweizer Sportart beschreiben?

Wismer: Es ist eine Mischung aus Kraft und Schnelligkeit. Wer in den einen Disziplinen kraftvoll, in den anderen schnell sein will, muss sehr athletisch sein. Es ist eine sehr umfassende, vielseitige Sportart. Doch in jedem Fall muss man Kraft haben.

Vielseitigkeit steht nicht nur für das Nationalturnen, sondern auch für ein Turnfest. Am Rheintaler Turnfest alles zu sehen, ist unmöglich. Was lässt sich die OK-Präsidentin nicht entgehen?

Wismer: Wenn es am Turnfest normal läuft, also ohne grosse Vorkommnisse, hoffe ich darauf, für sämtliche Disziplinen Zeit zu haben. Das ist das Schöne an einem Turnfest. Man muss sich nicht entscheiden, wohin man geht. Es gibt überall Highlights.

Ein Turnfest im Werdenberg hat Seltenheitswert. Welche Vorführungen empfehlen Sie den Zuschauern?

Wismer: Oh… das ist schwierig. Es lohnt sich, jeden Werdenberger Verein anzuschauen. Es gibt in jedem Turnverein etwas, was sie sehr gut können und wo sie besser sind als andere. Das Werdenberg hat viele gute Vereine, die in einzelnen Disziplinen für hohe Noten sorgen, die schweizweit zu den besten gehören.