Ein Erfolg für Musiker und Gäste

Wer am Abschlusskonzert der Sommerakademie auf Schloss Werdenberg nicht dabei war, hat wahrlich etwas verpasst. Darüber waren sich die überraschend zahlreich erschienenen Zuhörer nach dem gelungenen Konzert einhellig einig.

Heidy Beyeler
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WERDENBERG. Die jungen Musizierenden hatten vor dem beeindruckenden Konzert auf dem Schloss eine kurze Nacht.

«Wir waren am Abend zuvor oben im Schloss, als plötzlich ein starkes Gewitter über Werdenberg hinwegzog. Es war während längerer Zeit unmöglich, ins Pfadiheim zurückzukehren. Das Essen im Pfadiheim konnte schliesslich erst spät in der Nacht zubereitet werden», erzählte die gute Fee Isabelle aus Berlin. Sie kümmerte sich ums Essen, das sie jeweils gemeinsam mit den Musikleiterinnen und den Kindern zubereitete. Sie kümmerte sich aber auch ums Heilen, wenn jemand der jungen Musikerinnen oder Musiker ein Wehwehchen oder eine kleine Sorge hatte.

Nachdem die Akademieteilnehmer erst um etwa 1 Uhr früh den Schlaf fanden, erschienen sie am Samstagmorgen vor elf Uhr erstaunlich frisch zur Matinee. Was sie dann während einer guten Stunde dem Publikum boten, sprengte ohne Zweifel jede Erwartung.

Ein Konzert auf drei Etagen

In nur einer Woche haben die Musiktalente verschiedene Stücke von klassischer Natur sowie Appenzeller Volksmusik gemeinsam einstudiert. Diese präsentierten sie teils mit sehr kreativen Ideen im Schloss.

Die Jugendlichen der ersten Sommerakademie auf Schloss Werdenberg bespielten das Schloss im wahrsten Sinne des Wortes, indem sie sich vorgängig mit den Räumlichkeiten vertraut gemacht und dann entschieden hatten, was sie in welchem Raum vortragen werden. So entstand ein phantastisches Konzert auf drei Etagen.

Dass die Musikschülerinnen und -schüler auch singen können, bewiesen sie mit der Chormusik – ohne Instrumentalbegleitung. Die einzigen Instrumente waren die verschiedenen Stimmen von zehn Akademieteilnehmenden und der beiden Musikleiterinnen. Der meditative Naturjodel regte das Publikum und die mitwirkenden Jugendlichen an, im lichtlosen Raum innezuhalten, in sich zu gehen und die wunderbaren Stimmen einfach auf sich einwirken zu lassen.

Fröhlich-lüpfig und neu

Die jungen Streicher und Streicherinnen haben in nur einer Woche eine ganz neue Musikart kennengelernt: die klassische Appenzeller Volksmusik. Mit welcher Freude die Musizierenden diese fröhlich-lüpfigen Weisen spielten – in Abwechslung mit klassischen Stücken, beispielsweise von Vivaldi und Mozart –, liess nicht nur das Herz der Zuhörerschaft höher schlagen, sondern auch jenes der Musizierenden. Das war spürbar.

Musik aus dem Badezimmer

Eine interessante Überraschung erlebten die Gäste, als sie die Treppe in den zweiten Stock erklommen. Da tönten plötzlich Geigen- und Cello-Klänge aus Fräulein Hiltys Baderaum. Im dritten Stock wurde zum Abschluss das Konzert mit wunderschönen Klängen beendet: mit Divertimento (Mozart), Konzert für zwei Violinen und Violoncello und dem Konzert für vier Violinen und Streicher (Vivaldi). Vor der Serenata notturna (Mozart) wurde der Peterliwalzer von Josef Peterer gespielt. Es wurde dargeboten mit Hackbrett-Spielerin Jacqueline Brack Lees, Dozentin für Musik, Bewegungs- und Theaterpädagogik in Zürich. Sie wurde begleitet von den Absolventen der Sommerakademie und Julia Prigge, Geigerin, Kammermusikerin und Musikpädagogin in Berlin.

Danach erfolgte wohl der Höhepunkt für die jungen Musikerinnen und Musiker. Allen – sie stammen aus Berlin, Vorarlberg und der Schweiz – wurde ein Zertifikat ausgestellt, das die Teilnahme an der Sommermusikwoche für jugendliche Streicher bestätigte.

Beeindruckt waren die Gäste ebenfalls von den zwei veritablen Musiktalenten Anatol (elf Jahre) und Manoush Toth (neun Jahre) aus Schwarzenburg. Sie spielen mit grosser Freude Geige – und gewannen im vergangenen Jahr gemeinsam, als Duo Mary Monte, am Jugendmusikwettbewerb den 1. Preis sowie den Sonderpreis für die beste Interpretation des zeitgenössischen Komponisten Béla Bartók.