Ein Biber im Städtli Werdenberg

Der Biber ist offenbar bereits durch das Städtli Werdenberg gewandert. Dies bezeugt eine von insgesamt drei Sichtungen des nachtaktiven Tieres am Werdenbergersee. Möglich wäre am See gemäss Wildhüter Silvan Eugster sogar eine Familiengründung.

Katharina Rutz
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WERDENBERG. Drei Mal konnte der Biber am Werdenbergersee dieses Jahr beobachtet werden. Einmal sogar, wie er durch die Altstadt lief. «Am selben Tag erhielt ich noch eine Sichtungsmeldung von einem Biber im Werdenbergersee», sagt Silvan Eugster. Damals vermutete er einen Jungbiber auf Wanderschaft. Doch vor zwei Wochen erhielt er erneut einen Anruf, dass ein Biber im Werdenbergersee beobachtet werden konnte. Auch über Frassspuren ist der Wildhüter informiert, konnte diese allerdings noch nicht verifizieren. Wie die Bilder des Werdenberger & Obertoggenburgers aber zeigen (siehe auch Front), gibt es bereits gefällte Bäume am Ufer des Werdenbergersees. Diese sehen verdächtig nach einem hungrigen Biber aus.

Neues Revier besetzt?

«Wir kontrollieren jährlich im Frühjahr die verschiedenen Biberreviere auf Frassspuren», erklärt Silvan Eugster. Während des Sommers gebe es nur selten offensichtliche Frassspuren, ganz anders im Winter. Diese Spuren sind dann auch im Frühjahr noch deutlich sichtbar und beweisen die Sesshaftigkeit eines oder mehrerer Biber. Ob der Biber im Werdenbergersee sein Revier aufschlagen wird, zeigt sich also ebenfalls erst im Verlaufe der Zeit.

Geeigneter Lebensraum

Grundsätzlich sei der Werdenbergersee ein sehr geeigneter Lebensraum für den Biber. Denkbar wäre sogar, dass sich eine Biberfamilie ansiedeln könnte. Möglich ist aber auch, dass es sich beim gesichteten Tier um einen Jungbiber handelt, der weiterziehen wird. «Gerade die zweijährigen Bibermännchen sind häufig auf Wanderschaft und auf der Suche nach einem neuen Revier.» Silvan Eugster ist also nicht überrascht, dass der Werdenbergersee neben den Enten und Schwänen nun offensichtlich einen neuen Bewohner hat. «Die Ufer sind mit Bäumen bewachsen und an stehenden Gewässern gefällt es den Bibern grundsätzlich sehr gut», sagt Silvan Eugster.

Da sich die Öffentlichkeit sehr für den Biber interessiere, wird der Wildhüter demnächst die Frassspuren besichtigen. Er ist allerdings überzeugt, dass sich der Biber nicht von den Spaziergängern stören lassen wird. «Der Biber ist nachtaktiv», erklärt er. Die Tiere würden ihr Verhalten entsprechend anpassen.

Konflikte vorprogrammiert?

Der Werdenbergersee liegt inmitten von besiedeltem Gebiet. Sind hier die Konflikte nicht vorprogrammiert? «Nicht unbedingt», meint Wildhüter Silvan Eugster. Für die Fusswege sieht er keine Gefahr, sollte der Biber sich entschliessen, darunter seinen Bau zu graben. «Da diese Wege nicht befahren werden, sollten keine Probleme entstehen», sagt Eugster.

Einzig angefressene Bäume müsste man allenfalls kontrolliert fällen, sollte die Gefahr bestehen, dass diese auf Spazierwege fallen und Passanten verletzen könnten.

Bestand ansteigend

Der Werdenbergersee-Biber ist ein weiteres Anzeichen dafür, dass der Biberbestand im Werdenberg wächst. «Der Biberbestand ist in der Region unbestritten ansteigend» bestätigt auch Wildhüter Silvan Eugster.