«Ein Beitrag zur Nachhaltigkeit»

Die Produktion von Biogas in der neuen Aufbereitungsanlage in der Kläranlage in Buchs ist praktisch CO2-neutral. Peter Dietiker freut sich, dass die Energie360° diese Anlage realisieren und damit einen ökologischen Beitrag leisten durfte.

Thomas Schwizer
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Peter Dietiker ist Bereichsleiter Erneuerbare Energien von Energie 360°, welche die neue Biogas-Anlage in Buchs realisiert hat und betreibt. (Bild: pd)

Peter Dietiker ist Bereichsleiter Erneuerbare Energien von Energie 360°, welche die neue Biogas-Anlage in Buchs realisiert hat und betreibt. (Bild: pd)

Herr Dietiker, Sie bezeichnen sich als der grösste Erdgasversorger der Schweiz. Warum realisieren Sie solche Anlagen wie nun in Buchs?

Peter Dietiker: Wir betreiben das Biogasgeschäft aus unternehmerischer Überzeugung und wollen damit einen spürbaren Beitrag zu einer nachhaltigen Energiezukunft leisten. Nachhaltigkeit bedeutet für uns aber auch, dass wir die Anlage wirtschaftlich betreiben und somit auch Geld damit verdienen wollen. Das produzierte Biogas wird ins Gasnetz der Säntis Energie AG gespeist, die ihren Biogasbedarf über uns beschafft. Somit steht die Anlage in Buchs im Versorgungsgebiet unseres Tochterunternehmens und genau am richtigen Ort. Biogas bietet den Gaskunden einen einfachen Umstieg auf erneuerbare und praktisch CO2-neutrale Energieversorgung.

Sie setzen in der neuen Biogasaufbereitungsanlage in Buchs eine neue, besonders umweltfreundliche Technologie ein, wie sie betonen. Können Sie diese Technologie in möglichst wenigen Worten erklären?

Dietiker: Klärgas besteht grösstenteils aus Methan und CO2. Wir setzen eine Membrane ein, die das kleinere Molekül CO2 passieren lässt und das grössere Molekül CH4, also Methan, zurückhält. Dadurch erhöhen wir den Methangehalt von gegen 65% auf über 96%. Somit haben wir energetisch Erdgasqualität und sind kompatibel mit dem Gasnetz.

Wie neu ist diese Technik? Was ist ihr Vorteil gegenüber anderen in Biogasaufbereitungsanlagen eingesetzter Technologie?

Dietiker: Die Technologie gibt es als marktreife Anlagen seit bald fünf Jahren. Sie wird seither laufend weiterentwickelt, so dass sie seit einiger Zeit auch zum Filtern von Klärgas eingesetzt werden kann. In der Schweiz kennen wir vier bis fünf andere Anlagen, die mit diesem Prinzip arbeiten. Eine davon ist eine Testanlage, die im Grossraum Zürich kleine Mengen Biogas aufbereitet und ins Gasnetz von Energie360° einspeist. Der Vorteil dieser Technologie liegt darin, dass Biogas ohne Zufuhr von Wärme oder zusätzliche Druckerhöhung aufbereitet und ins Netz eingespeist werden kann. Zudem ist sie relativ einfach zu bedienen und braucht wenig Aufwand im Betrieb.

Sie sind unter anderem an der grössten Biogasanlage der Schweiz im Zürcher Werdhölzli beteiligt. Wie viele Biogasanlagen sind in der Schweiz generell schon in Betrieb, egal mit welcher Technik?

Dietiker: In der Schweiz sind derzeit insgesamt 25 Biogasanlagen mit Einspeisung ins Gasnetz in Betrieb. Als Substrat dienen Klärschlamm, Bioabfälle, Speisereste, aber auch Gülle und Mist.

Wie ist die Grössenordnung der neuen Anlage in Buchs mit einem Klärgasanfall von rund 367 000 Kubikmetern, verglichen mit anderen Biogasanlagen?

Dietiker: Sie gehört zu den kleinen Anlagen. Zum Vergleich die Produktionsmengen unserer Anlagen: Biogas Zürich: 55 Gigawattstunden pro Jahr; Kompogas Volketswil: 10 Gigawattstunden pro Jahr; ARA Meilen: 3 Gigawattstunden pro Jahr; ARA Buchs: 2,3 Gigawattstunden pro Jahr.

Ist der Betrieb dieser neuen Anlage in Buchs auch wirtschaftlich lohnenswert – oder nur aus ökologischer Sicht?

Dietiker: Wir sind überzeugt, dass wir unser inländisches Potenzial an erneuerbarer Energie nutzen sollten. Unter den aktuellen Rahmenbedingungen kann die Anlage knapp kostendeckend betrieben werden. Bei steigenden Energiepreisen und CO2-Abgaben sollte das Projekt zukünftig aber profitabel arbeiten können.

Welche Voraussetzungen sind nötig, damit sich eine solche Biogasanlage wie jene in Buchs lohnt?

Dietiker: Für alle grösseren und mittleren Kläranlagen lohnt es sich, eine Biogasaufbereitung und -einspeisung in Betracht zu ziehen. Wichtig dabei ist natürlich ein möglicher Anschluss an das Gasnetz. Wenn dieses sehr weit weg liegt, rechnen sich die Investitionen in den Netzanschluss oft nicht. In diesem Fall bleibt die Verstromung vor Ort die beste Variante.