Ein Arzt und zwei Präsidenten

Das Kandidatenfeld für die St. Galler Regierungswahlen ist abgesteckt: Die CVP verteidigt mit Bruno Damann, die FDP mit Marc Mächler ihre freien Sitze. Herausgefordert werden sie von Herbert Huser; die SVP strebt einen zweiten Sitz an.

Regula Weik
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Für die Erneuerungswahl der St. Galler Regierung kündigt sich ein heisser Wahlkampf an. (Bild: Urs Bucher)

Für die Erneuerungswahl der St. Galler Regierung kündigt sich ein heisser Wahlkampf an. (Bild: Urs Bucher)

ST. GALLEN. Die St. Galler CVP kränkelt. Ihr Absturz am Wahlwochenende lässt sich nicht schönreden. «Wir müssen unser Profil schärfen und pointierter auftreten», sagt Parteipräsident Patrick Dürr selbstkritisch. Und wem traut die angeschlagene Partei dies in den Regierungswahlen zu? Einem Arzt. Der Gossauer Bruno Damann ist ihr Wunschkandidat (Ausgabe von gestern).

Gesundheit, Familie, Fussball

Damann ist wahlkampferprobt – auf allen politischen Ebenen. Von 2005 bis 2012 war er Mitglied des Gossauer Stadtparlaments, seit 2013 gehört er dem Gossauer Stadtrat an, seit 2012 dem Kantonsparlament. Und er hat zum Sprung in den Nationalrat angesetzt; am Sonntag erzielte er den achten Schlussrang auf der Zwölferliste seiner Partei.

Nach einer Einschätzung des 58-Jährigen gefragt, zuckt er männiglich die Schultern. Im Wahlzirkus scheint der Gossauer noch Boden gutmachen zu müssen. Nicht so in der AFG Arena. Dort sind sein Name und sein Job geläufig – Damann ist Clubarzt des FC St. Gallen. Er rennt selber nicht dem Ball nach; lieber schwingt er sich aufs Velo oder den Kochlöffel.

Im Kantonsparlament meldet sich Damann vornehmlich zu Gesundheitsthemen zu Wort. So hätte er sich bei der Spitalplanung mehr Mut von der Regierung gewünscht, ohne deren Konzept in Grund und Boden zu stampfen. Er bleibt auch in der Kritik höflich. Den Umgang mit unterschiedlichen politischen Meinungen findet er «spannend und herausfordernd». Die Familie ist der ruhende Pol des fünffachen Vaters. Auf die Wirtschaftspolitik angesprochen, meint er: Diese müsste liberaler sein; auch kleinere und mittlere Unternehmen müssten wettbewerbsfähig bleiben können.

SVP will zweiten Sitz

Mit der Kandidatenankündigung der CVP hat sich das Feld für die Regierungswahlen weitestgehend geklärt. Ebenfalls einen Sitz zu verteidigen hat die FDP. Dies, nachdem Willi Haag nicht mehr zu den Wahlen antritt. In die Pole Position gebracht hat sich Parteipräsident Marc Mächler. Ob dem Zuzwiler Banker parteiintern noch Konkurrenz erwächst, ist fraglich; wer mag schon bei einer derart wichtigen Wahl dem eigenen Chef die Stirn bieten? Mögliche Gegenspieler haben sich denn auch bereits selber aus dem Rennen genommen, so der Wartauer Gemeindepräsident Beat Tinner.

Ein bequemer Wahlgang wird es weder für die CVP noch für die FDP. Die SVP hatte schon früh ihre Ambitionen auf einen zweiten Sitz in der Regierung angemeldet. Auch in ihren Reihen ist ein Vorentscheid gefallen: Der Vorstand schickt Parteipräsident Herbert Huser ins Rennen. Der Rheintaler Architekt hat vor allem in der Spitaldebatte als hartnäckiger Kritiker der Regierung auf sich aufmerksam gemacht.

Weitere Parteien?

Aktuell setzt sich die St. Galler Regierung aus zwei CVP- (Martin Gehrer, Beni Würth), zwei FDP- (Willi Haag, Martin Klöti), zwei SP- (Fredy Fässler, Heidi Hanselmann) und einem SVP-Vertreter (Stefan Kölliker) zusammen. Es ist nicht anzunehmen, dass die SP nach einem dritten Sitz gelüstet. Die kleinen Parteien wie Grüne, Grünliberale oder BDP werden sich nach den Einbrüchen vom Wochenende den Aufwand einer Kandidatur gut überlegen. Zeit dafür bleibt noch; die Wahlvorschläge müssen dem Kanton erst kurz vor Weihnachten eingereicht werden.

So stehen Damann, Huser und Mächler heute am selben Punkt: Sie müssen noch den offiziellen Segen ihrer Basis abholen. Anfang November ist auch dies über die Bühne; die drei Parteien nominieren in den nächsten beiden Wochen. Zahltag ist dann am 28. Februar 2016 – für jene, die reüssieren.

Herbert Huser Kantonsrat, Parteipräsident SVP Architekt, Altstätten (Bild: Benjamin Manser)

Herbert Huser Kantonsrat, Parteipräsident SVP Architekt, Altstätten (Bild: Benjamin Manser)

Marc Mächler Kantonsrat, Parteipräsident FDP Banker, Zuzwil (Bild: Ralph Ribi)

Marc Mächler Kantonsrat, Parteipräsident FDP Banker, Zuzwil (Bild: Ralph Ribi)

Bruno Damann Kantonsrat, Stadtrat CVP Arzt, Gossau (Bild: Urs Bucher)

Bruno Damann Kantonsrat, Stadtrat CVP Arzt, Gossau (Bild: Urs Bucher)