Eidgenossen, wie weiter?

Nach der hauchdünnen Annahme der Einwanderungskontingentierung (unter dem einhelligen Beifall aller Nationalisten Europas und zum Entsetzen der neoliberalen Regierungen) fragt man sich, wie es mit den nächsten Vorhaben der National-Konservativen unter der Führung der SVP weitergehen kann: Der

Otto Ackermann, Profasonweg 7, 9476 Fontnas
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Nach der hauchdünnen Annahme der Einwanderungskontingentierung (unter dem einhelligen Beifall aller Nationalisten Europas und zum Entsetzen der neoliberalen Regierungen) fragt man sich, wie es mit den nächsten Vorhaben der National-Konservativen unter der Führung der SVP weitergehen kann: Der Aufgaben sind viele!

Bankgeheimnis: Eben verkünden unsere USA-hörigen Bundesräte dessen baldiges Ende; auch die Banken seien eingeknickt für den automatischen Informationsaustausch. Wo bleibt da das hehre Ziel der SVP, das Bankgeheimnis in der Bundesverfassung im Namen des Allmächtigen wenigstens für die Schweizer zu verankern? Welche Enttäuschung!

Überhaupt die Spekulation: Wollte nicht bei der Nationalbank die SVP wieder zurück zu den traditionellen Goldreserven? (Goldvreneli für die echten Schweizer, warum nicht?) Die Banker warnen – aber das ist noch lange kein Grund, dagegen zu sein: Die sind ja gekauft und denken international. Und schliesslich darf unsere Eigenständigkeit auch etwas kosten, siehe mögliche Aufkündigung der Bilateralen.

Apropos Umsetzung von Initiativen: Auch bei der Alpeninitiative hapert's. Da verstehe ich allerdings den Widerstand der National-Konservativen nicht. Das wäre doch die Gelegenheit, unsere Eigenständigkeit der EU zu demonstrieren und das erst noch am Gotthard, unserem historischen Ursymbol. Wach auf, liebe SVP! Sonst heisst es, du kämpfst gegen die Masseneinwanderung – und rührst dich nicht gegen den Massenverkehr. Zudem könnten wir noch stolz sein auf den längsten Eisenbahntunnel der Welt und uns freuen über die Effizienz seiner Nutzung.

Effizienz auch im Bildungswesen: Unsere Unis und Studenten jammern jetzt zum voraus über eingeschränkte Möglichkeiten in Europa: Haben die kein Selbstvertrauen mehr in ihre echt eidgenössischen Leistungen? Zu Hause ist's doch am schönsten und besten. Aber natürlich: Unsere Unis sind eben auch schon längst unterwandert von Ausländern. Da haben es die Schweizer halt doppelt schwer, siehe Fall Mörgeli. Und jetzt werden erst noch die drei Literaturpreise an im Ausland lebende Schweizer Autoren verliehen.

Nach dem Erfolg der Minarett-Initiative: Es ist Zeit für Kopftuchverbot an Schulen und überhaupt gegen Schleier- und Vermummung! (Ausnahmen für Fasnacht, religiöse Gründe und Touristinnen – grosszügig wie bei der Umsetzung bei der Zweitwohnungsinitiative). Internationale juristische Spitzfindigkeiten? Papperlapapp!: Unser Volk hat immer recht.

Wahrhaftig: Das national-konservative Wunschprogramm hat geringen Realitäts-, aber hohen Attraktions- und Unterhaltungswert – Einwand: Dieser Text sei nicht ganz ernst gemeint. Richtig, aber Hand aufs Herz: War dies nicht auch so bei vielen Schweizern und ihrem Ja zur Abschottungsinitiative, ohne Rücksicht auf die Konsequenzen?

Hier allerdings hört der Spass – leider – definitiv auf.

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