«Ehrlich und authentisch»

Der Jahresbericht 2015 zum Aufenthaltstourimus in der Ostschweiz stellt klar fest: Das Toggenburg hat im Vergleich zu anderen Destinationen ein grundlegendes Problem, Gäste anzuziehen.

Urs M. Hemm
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Roland Stump, Hotelier und Herzblut-Toggenburger. Bild: Urs M. Hemm

Roland Stump, Hotelier und Herzblut-Toggenburger. Bild: Urs M. Hemm

Der Tourismus im Toggenburg ist seit längerem rückläufig. Roland Stump, Hotelier und Besitzer von «Stump's Alpenrose» in Unterwasser, über die Gründe und mögliche Massnahmen, die aus der Talsohle führen können. Herr Stump, warum sollen Gäste im Toggenburg Ferien machen?

Weil die Landschaft zauberhaft ist, jeder Berg eine unverwechselbare Persönlichkeit, das Toggenburg nahe liegt und doch viel Distanz zum Alltag schafft.

Die Logiernächte im Toggenburg sind im vergangenen Jahr um 10 Prozent eingebrochen. Worauf führen Sie das zurück?

Zum einen schafft der starke Franken völlig neue Marktverhältnisse. Für die Touristen, vor allem aus Deutschland und den EU-Ländern, sind wir in eine andere Preiskategorie aufgestiegen. Zum andern ist die Welt für jedermann und -frau zum Dorf geworden. Die Leute machen heutzutage öfters, dafür kürzer Urlaub und nutzen oft die billigen Flugpreise für Urlaub am Strand.

Dieser Abwärtstrend zieht sich nun schon über mehrere Jahre hinweg. Macht sich die Branche Gedanken darüber, wie diese Entwicklung zumindest gestoppt und das derzeitige Niveau gehalten werden kann?

Wir machen uns Gedanken darüber und haben auch Lösungsansätze gefunden. Häufig fehlt es aber an der letzten Konsequenz in der Umsetzung, die nach selbstkritischer Analyse und konsequenter Veränderung verlangt. Am Ende ist eine kompromisslose Positionierung unumgänglich.

Im Vergleich zu den anderen in der Ostschweiz relevanten Tourismusdestinationen St. Gallen-Bodensee, Heidiland und der Region Zürichsee liegt das Toggenburg weit ab. Was machen die anderen besser?

So einzigartig die geographische Lage des Toggenburgs ist, so sehr ist sie ein Nachteil. Die drei anderen Regionen liegen alle an Hauptverkehrsachsen – sei es Ost-West oder Nord-Süd. Wir sind irgendwo dazwischen. Hierher verschlägt es keinen aus Zufall.

Sie selbst führen einen Betrieb. Was machen Sie dort, um auf dem Markt möglichst erfolgreich bestehen zu können?

Das Wichtigste ist, qualitativ top zu sein: Das Produkt muss stimmen, der Service muss glaubwürdig freundlich sein, die Küche regional und authentisch. Dazu gehört auch, dass das Niveau konstant gehalten wird.

Macht es mittelfristig Sinn, sich alleine behaupten zu wollen, oder sind Kooperationen mit anderen Dienstleistern gefragt?

Wenn die Toggenburger Dienstleister mittelfristig überleben wollen, sind Kooperationen in gewissen Bereichen unumgänglich. Denkbare Bereiche sind der gemeinsame Einkauf, eine vernetzte Vermarktung oder die betriebsübergreifende Schulung des Personals.

Was war das schönste Kompliment, das Sie je von einem Gast bekommen haben?

Dass unser Betrieb ehrlich und authentisch ist. Bei uns ist nichts aufgesetzt, wir sind mit Freude bei der Arbeit und setzen alles daran, dass das Toggenburg für den Kunden zum unvergesslichen Erlebnis wird.