Ehemaliger Präsident: Freier Mann auf Zeit?

BERNECK. Ein gutes Jahr ist es her. Und es waren nur wenige Zeilen, die eine Rheintaler Gemeindekanzlei damals versandte. Doch die Nachricht war derart überraschend, dass sie an der Gemeindegrenze nicht haltmachte, sondern sich wie ein Lauffeuer verbreitete.

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BERNECK. Ein gutes Jahr ist es her. Und es waren nur wenige Zeilen, die eine Rheintaler Gemeindekanzlei damals versandte. Doch die Nachricht war derart überraschend, dass sie an der Gemeindegrenze nicht haltmachte, sondern sich wie ein Lauffeuer verbreitete. Was war geschehen? Der Präsident der Gemeinde Berneck, Andreas Zellweger, war in Untersuchungshaft genommen worden.

Wilde Gerüchte

Tagelang wurde daraufhin öffentlich und wild gerätselt, gefragt und spekuliert. Rasch war klar: Die Gründe für die Festnahme standen nicht im Zusammenhang mit der damaligen oder mit früheren beruflichen Tätigkeiten des Beschuldigten. Schliesslich – einen Monat nach seiner Festnahme – ging der Gemeindepräsident selber in die Offensive, «um weiteren Gerüchten vorzubeugen». Über ein Kommunikationsbüro liess er mitteilen, dass wegen Verstössen im Bereich der Internetpornographie gegen ihn ermittelt werde. Details zu den Vorwürfen wurden in der Mitteilung nicht genannt. Nochmals einen Monat später meldet dann die Gemeinde: Ihr Präsident sei aus der Untersuchungshaft entlassen, und er trete vorzeitig zurück. Inzwischen ist sein Nachfolger gewählt und im Amt.

Untersuchung ist geheim

Nach 69 Tagen war der Beschuldigte also wieder auf freiem Fuss – und seither herrscht Funkstille. Es gibt keine Informationen mehr, auch nicht auf Nachfrage bei der St. Galler Staatsanwaltschaft. Im Rheintal, seiner angestammten Heimat, wird der ehemalige Gemeindepräsident ab und zu auf der Strasse oder an Anlässen gesehen, und männiglich fragt sich: Was hat es mit den Vorwürfen auf sich? Ist überhaupt etwas dran? Weshalb liegen noch immer keine Resultate auf dem Tisch? Läuft die Untersuchung noch? Oder wurde sie klammheimlich eingestellt?

Roman Dobler, Medienbeauftragter der St. Galler Staatsanwaltschaft, bestätigt auf Anfrage: «Die Untersuchung läuft noch.» Auf die Frage, ob es zur Anklage kommen oder auf einen Strafbefehl hinauslaufen werde, sagt er: Sobald die Untersuchung abgeschlossen und ein Entscheid gefällt sei, werde dies kommuniziert. Wann damit zu rechnen ist, lässt er offen. Nur so viel und ganz grundsätzlich: Ein bis zwei Jahre gälten als normale Verfahrensdauer. Thomas Hansjakob, Erster Staatsanwalt des Kantons St. Gallen, hatte bereits vor einem Jahr gegenüber unserer Zeitung auf die gesetzlichen Regeln hingewiesen und festgehalten: «Das Untersuchungsverfahren der Staatsanwaltschaft ist geheim, das Gerichtsverfahren ist öffentlich.»

Frei bewegen

Für den inzwischen ehemaligen Gemeindepräsidenten gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. Er kann sich seit seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft denn auch frei bewegen. Dies wäre dann nicht der Fall, wenn Ersatzmassnahmen angeordnet worden wären; das geschieht vor allem dann, wenn Fluchtgefahr besteht. (rw/wo)