Ehefrau misshandelt, weil sie ihn nicht zur Arbeit fuhr

Ein 49jähriger Deutscher hat seine Ehefrau misshandelt. Dafür erhielt er vom Kreisgericht Toggenburg eine Freiheitsstrafe von 54 Monaten. Das Kantonsgericht ordnete zusätzlich eine stationäre Massnahme an.

Claudia Schmid
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Ein 49jähriger Deutscher hat seine Ehefrau misshandelt. Dafür erhielt er vom Kreisgericht Toggenburg eine Freiheitsstrafe von 54 Monaten. Das Kantonsgericht ordnete zusätzlich eine stationäre Massnahme an. Das Ehepaar hatte drei Kinder, von denen zwei aufgrund ihrer Krankheit eine besondere Betreuung brauchten. Dies habe zu finanziellen Schwierigkeiten und im Laufe der Zeit zu Problemen in der Ehe geführt, sagte der Mann bei der Berufungsverhandlung vor dem Kantonsgericht.

Dem Alkohol verfallen

Um die Familie über Wasser zu halten, hatte er nach seinen Angaben sehr viel gearbeitet. Er sei permanent überfordert gewesen und habe angefangen, viel Alkohol zu trinken. Offenbar gab es immer wieder Phasen, in denen er trocken blieb. Vor dem Vorfall am 21. November 2011 habe er seit 16 Monaten keinen Alkohol mehr getrunken.

Eines frühen Morgens fragte er seine Frau, ob sie ihn zum Arbeitsplatz fahren würde. Als sie sich weigerte, kaufte er sich Alkohol, trank eine grosse Menge und kehrte nach Hause zurück. Als sich das Paar im Treppenhaus begegnete, eskalierte die Situation. Laut Anklage packte er die Frau heftig und hielt ihr Mund und Nase zu. Schliesslich konnte sie sich ins Badezimmer flüchten und aus dem Fenster fliehen. Das Kreisgericht Toggenburg verurteilte den Beschuldigten wegen versuchter vorsätzlicher Tötung und sexueller Nötigung zu einer Freiheitsstrafe von 54 Monaten und einer ambulanten Massnahme. In der Berufung stellte er durch seinen Verteidiger den Antrag, ihn nur wegen sexueller Nötigung zu verurteilen und ihn mit einer bedingten Freiheitsstrafe von höchstens zwei Jahren zu sanktionieren.

Das Verhalten seines Mandanten am Tatmorgen sei auf die starke Alkoholisierung und den Schmerzmittelkonsum zurückzuführen, erklärte der Verteidiger. Deshalb sei die Schuldfähigkeit vermindert gewesen.

Um ihr Leben gebangt

Die Staatsanwältin forderte eine Erhöhung des Strafmasses auf 60 Monate und die Anordnung einer stationären Massnahme. Die Ehefrau habe am Tatmorgen um ihr Leben gebangt. Ihre Schilderungen der Geschehnisse seien glaubwürdig und aufgrund ihrer erlittenen Verletzungen beweisbar. Das Kantonsgericht schützte das Urteil der Vorinstanz in den meisten Punkten. Es ordnete aber statt einer ambulanten eine stationäre Massnahme an. Der Vollzug der Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren wird aufgeschoben.