E-BIKE: Gefährliches Gefährt

In der Ostschweiz nimmt die Zahl der Unfälle mit E-Bikes stetig zu. Auf nationaler Ebene zeigt der Trend ebenfalls nach oben.

Arcangelo Balsamo
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Auf den Strassen sind immer mehr E-Bikes anzutreffen. (Bild: KEY)

Auf den Strassen sind immer mehr E-Bikes anzutreffen. (Bild: KEY)

Arcangelo Balsamo

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@tagblatt.ch

Mehrere Verkehrsunfälle in der letzten Zeit haben aufgezeigt, wie gefährlich E-Bike-Fahren sein kann. In Rüthi starb eine Lenkerin eines Elektrovelos. In Grabs stürzte Mitte August eine E-Bike-Fahrerin und wurde von einem Anhänger überrollt. In Altstätten ist diese Woche eine E-Bike-Fahrerin mit einem Auto kollidiert. Und kürzlich stiess ein Auto mit einer E-Bike-Fahrerin in Gossau zusammen.

Der Unfall in Gossau war laut der St. Galler Kantonspolizei der 50. mit E-Bike-Beteiligung in diesem Jahr im Kanton St. Gallen. In 29 Fällen war der Unfallverursacher der Lenker des Elektrovelos. In zwei Fällen endeten die Un­fälle tödlich. Im vergangenen Jahr belief sich die E-Bike-Unfallzahl im Kanton insgesamt auf 46, dabei war der Hauptverursacher 18-mal der E-Bike-Fahrer. Ein E-Biker verlor dabei sein Leben.

Seit 2012 steigen die Zahlen der Verkehrsunfälle mit Elektrovelos im Kanton St. Gallen. Die einzige Ausnahme zeigt sich im Jahr 2015, als die Anzahl zurückging. Im Folgejahr stieg die Anzahl jedoch exponentiell.

Auch in anderen Kantonen steigen die Zahlen

2016 stieg die Zahl auch im Kanton Thurgau um beinahe einen Drittel. Im Kanton Appenzell war bereits im Jahr zuvor ein grösserer Sprung zu verzeichnen. In der Verkehrsunfallstatistik von Appenzell Innerrhoden sucht man vergeblich nach der Zahl von Verkehrsunfällen mit Beteiligung von E-Bikes. «Wahrscheinlich, weil wir kaum welche haben. Mir sind auf jeden Fall keine Fälle bekannt, ausser einem», sagt Paul Broger, Mediensprecher der Inner­rhoder Kantonspolizei. Dieser passierte 2015 und hatte gravierende Folgen: Eine E-Bike-Fahrerin starb.

Dass es in Appenzell Innerrhoden aber vermehrt E-Bike-Fahrer habe, könne Broger be­stätigen. «Es sind vor allem ältere Leute, die ich auf E-Bikes sehe», so der Mediensprecher. «Kürzlich habe ich aber auch einen Jüngeren auf einem gesehen. Er war rasant unterwegs, und ein Unfall konnte nur vermieden werden, weil ein Lastwagenfahrer gut ­reagierte.»

In der Unfallstatistik der St. Galler Kantonspolizei ist vermerkt, dass besonders ältere Personen in Unfälle mit E-Bikes verwickelt sind. Für Experten ist dies wenig überraschend. Dies habe mit der abnehmenden Reaktionszeit zu tun, mit Hör- und Sehproblemen, Veränderungen des Bewegungsapparates und Einschränkungen der Beweglichkeit der Halswirbelsäule, so Thomas Münzer, Chefarzt der Geriatrischen Klinik St. Gallen.

Die nationalen Verkaufs­zahlen von Velosuisse zeigen, dass seit vier Jahren stetig mehr E-Bikes verkauft werden. Das Gefährt kann zwar gefährlich sein, dennoch wird es bei der Bevölkerung immer beliebter. Im letzten Jahr wurden 75 665 verkauft. Dass in der Schweiz immer mehr gekauft werden, schlägt sich auch in der landesweiten Anzahl der Verkehrsunfälle, an denen E-Bikes beteiligt sind, nieder. Verkaufszahlen aus der Ostschweiz waren vorerst nicht zugänglich.