Drei Frauen schneiden Kunst

Noch bis Ende November ist im Museum Bickel in Walenstadt die Ausstellung «ÜberSchneidungen» zu sehen. Nesa Gschwend, Katharina Henking und Marlis Spielmann bespielen den Raum mit variantenreicher Schnittkunst.

Brigitte Schmid-Gugler
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Zwei grossformatige Scherenschnitte der verspielten Marlis Spielmann im Museum Bickel in Walenstadt. (Bild: Marlis Spielmann)

Zwei grossformatige Scherenschnitte der verspielten Marlis Spielmann im Museum Bickel in Walenstadt. (Bild: Marlis Spielmann)

WALENSTADT. Es zieht einen förmlich hinein in diesen grossen, hellen Raum mit den hohen Oberlichtern. Wenige Stellwände teilen die drei künstlerischen Positionen so im Raum auf, dass es für das Zwischenräumige, welches dem Ausgeschnittenen innewohnt, viel Platz gibt. Marlis Spielmann, Katharina Henking und Nesa Gschwend gehen den Pas de trois mit ganz unterschiedlichem Scherensch(r)itt, behende, und mit Ostinato-Variationen. Das Thema heisst «Überschneidungen», und es überlappt und dehnt sich in filigranen Spielarten, die einem den Weg wie durch einen Zauberwald zeigen.

Lollypop und Netzstrümpfe

Die in Zürich lebende Ostschweizerin Marlis Spielmann, die sich in den vergangenen Jahren auch mit ihren Malereien, Stickereien und Zeichnungen hervorgetan hat, verbindet jene Disziplinen mit dem Schnitt, den sie aus seiner konventionellen Machart hebt und sich seiner als neue Dimension bedient. Reigenförmig setzt sie ihre Bildserien mit dem Titel «Female Patterns» hinter Glas mit viel Luft zwischen dem Glas als auch zwischen den Motiven und den Bildtafeln. Sie schneidet Tier-, Mädchen- und Frauenfiguren, zart und bizarr zugleich, bemalt sie in bunten Farben, dass man ihnen ihre Lollypop-Ausgelassenheit, aber auch ihren fiebrigen Trotz und ihre Erotik ansieht.

Nahe herantreten, um die Präzision ihrer Ausführungen und Farbgestaltung zu betrachten, muss man an die subtilen grossformatigen «Ornaments of Oppression». Es handelt sich um revueartige Narrationen, Kaleidoskope des Wachtraumes, der wie flüssiges Wachs hinüberführt zu Nesa Gschwend, bekannt für ihre raumgreifenden Installationen und Performances. Die aus Altstätten stammende und heute im Kanton Aargau lebende Künstlerin wurde für ihre Arbeiten mehrfach ausgezeichnet. Sie forscht seit Jahren – beharrlich, sinnlich – und immer wieder gelingen ihr neue Zugänge – am (gehäuteten) Körper, an dessen Ge-Schichten bis ins tiefste Innere. Für ihre Position der «Überschneidungen» arbeitet sie mit den ihr vertrauten Materialien Pigmente, Wachs und textilen Elementen.

Spielarten des Schneidens

Waren früher ihre Porträts vom unerbittlichen Nach-innen-sehen-Wollen fast ausgehöhlt, bestehen die vier in Walenstadt zu sehenden, fast zwei Meter hohen «Köpfe» nur noch aus mäandernden, auf dem Fussboden festgeschraubten Chromstahl-Skeletten – blutleere Paravents der Hohlköpfigkeit.

Die aus Winterthur stammende Katharina Henking, von den drei Frauen am längsten erfahrene Scherenschneiderin, zeigt Spielarten ihrer Schwarz-Weiss-Schnittkunst, darunter Collagen und vertraute Sujets wie den Hirsch, aber auch ein frei hängendes Riesen-Mobile aus geschredderten Motiven und Draht, das den Titel «Kleiner Dschungel» mehr als verdient.

Die Ausstellung dauert bis am 30. November, Museum Bickel Walenstadt; So, 9.11. 15 Uhr: Gespräch zur Schnittkunst mit den Künstlerinnen. Offen Fr 14 bis 18 Uhr; Sa und So, 14 bis 17 Uhr

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