«Die Wälder sind schon überaltert»

Die tiefen Holzpreise könnten die Forstwirtschaft dazu bringen, weniger Holz zu schlagen. Doch dies wäre aus mehreren Gründen keine Lösung, wie zwei Betriebsleiter grösserer Forstunternehmen dem W&O erklären.

Hanspeter Thurnherr
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Die Holzwirtschaft im Werdenberg und Obertoggenburg will trotz des Euro-Entscheids der Nationalbank den Sägereien in der Region Holz liefern, auch um die weitere Überalterung des Waldes zu verhindern. (Bild: Ralph Ribi)

Die Holzwirtschaft im Werdenberg und Obertoggenburg will trotz des Euro-Entscheids der Nationalbank den Sägereien in der Region Holz liefern, auch um die weitere Überalterung des Waldes zu verhindern. (Bild: Ralph Ribi)

REGION. Die Forstgemeinschaft Grabus bewirtschaftet im Auftrag der drei Ortsgemeinden Grabs, Buchs und Sevelen als grösste Waldbesitzer in den drei Politischen Gemeinden 2374 Hektar Wald. Die jährliche Holznutzung beträgt etwa 8000 Kubikmeter, davon ist knapp die Hälfte Säge-Rundholz, die andere Hälfte Brennholz.

«Seit rund 20 Jahren sind die Holzpreise für Fichte und Tanne etwa auf dem gleichen Niveau von rund 100 Franken pro Kubikmeter», sagt Betriebsleiter Andreas Eggenberger. Zuletzt hätten die Signale beim Rundholz aber auf steigende Preise gestanden. Doch mit dem Euro-Entscheid der Nationalbank habe sich die Lage verschlechtert. Es zeige sich bereits ein Preisrückgang um 20 Prozent bei jenem Teil des Holzes, das ins Ausland verkauft werde. Gespannt ist er deshalb, was der bevorstehende Submissionsverkauf von 300 Kubikmetern Laubholz in Buchs bringen werde.

Am Schlagplan wird festgehalten

«Wir spüren den grösseren Druck. Die Holzpreise sind um 10 bis 17 Prozent gesunken. Doch die Kosten für die Holzernte sind gleich geblieben», schildert Reto Hürlimann, Leiter der Forstbetrieb Obertoggenburg AG (Foag) die aktuelle Situation. Der geringere Erlös zwinge das Unternehmen, noch effizienter zu arbeiten – oder mit dem Holzschlag zuzuwarten.

Letzteres sei jedoch aus mehreren Gründen kaum die Lösung. «Unsere Wälder sind tendenziell schon überaltert. Die mögliche Nutzungsmenge schöpfen wir nicht aus», erläutert Hürlimann. Zudem rechnet er nicht damit, dass sich die Ausgangslage schnell verbessern wird. Man werde am Schlagplan festhalten, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. «Denn 60 Prozent unseres Waldes ist Schutzwald – und den wollen wir weiterhin pflegen.»

Ausserdem wollen sowohl Grabus wie Foag weiterhin die Holzindustrie beliefern. Sägereien müssten wohl schliessen, wenn die Forstbetriebe ihnen jetzt kein Holz mehr liefern würden, befürchtet Reto Hürlimann und verdeutlicht: «Dann hätten wir später, wenn sich die Preissituation verbessern sollte und wir mehr Holz liefern möchten, ein Problem.» Oder mit den Worten von Andreas Eggenberger: «Wenn es besser wird, sind wir froh, wenn wir Kunden in der Nähe haben.»

Auf Arbeit für Dritte ausweichen

Andreas Eggenberger sieht wenig Möglichkeiten, bei der Holzernte noch effizienter zu werden: «Unsere Wälder an den Steillagen sind nicht gut erschlossen, deshalb wurden sie in den letzten Jahren auch weniger bewirtschaftet.» Gut erschlossene Wälder könnten vermehrt durch spezialisierte Unternehmen maschinell bewirtschaftet werden. «Das bedeutet für unsere Forstgruppe Auslagerung der Arbeit. Damit hätte sie selber weniger Arbeit», beschreibt er das Dilemma. Und weil die Waldbesitzer nicht verpflichtet sind, ihre Wälder zu nutzen, verstärke sich die Gefahr der Überalterung.

«Hohe Holzerntekosten»

Auch Foag-Betriebsleiter Reto Hürlimann verhehlt nicht, dass die wirtschaftliche Situation für seinen Forstbetrieb schwierig ist. «Wir haben hohe Holzerntekosten, weil die Lage unserer Wälder den Einsatz von teuren Maschinen und Einrichtungen wie etwa Seilkrananlagen erfordert. Wir arbeiten deshalb mit einer tiefen Wertschöpfung.» Deshalb sei die Foag auf Beiträge der öffentlichen Hand angewiesen, um bevorzugt in den Schutzwäldern Holzschläge durchführen zu können.

Die geringe Wertschöpfung in der Waldbewirtschaftung zwingt sowohl Foag als auch Grabus, auf Arbeiten für Dritte auszuweichen. Zum Beispiel Verbauungsarbeiten an Hängen oder Gewässern für Gemeinden und Private, Unterhaltsarbeiten an Liegenschaften, Gartenarbeiten, Bäume schneiden, Naturschutzarbeiten oder Winterdienst.

«Wir sitzen im gleichen Boot»

Die Sägerei Lippuner Peter & Co. in Gams exportiert zwar kein Holz ins Ausland. Dafür spürt sie den Preisdruck durch die Aufhebung des Euro-Mindestkurses beim Importholz. «Das Schnittholz aus dem Ausland ist jetzt 20 Prozent billiger, so dass unser Holz für die Kunden im Vergleich teurer geworden ist», sagt Betriebsleiter Peter Lippuner.

Zwar helfe es ein Stück weit, dass sich die Holzmarktkommission auf einen Preisabschlag beim Laubholz geeinigt hat. Aber damit sei der Rückschlag nicht ganz wettgemacht. «Schon vorher war Schweizer Holz teurer, nun ist die Differenz noch grösser geworden», verdeutlicht Lippuner. «Irgendwann ist auch bei unseren Kunden die Schmerzgrenze erreicht», befürchtet er.

Zudem könne er nur hoffen, dass ihn die Forstbetriebe weiterhin mit Rundholz versorgen. Denn es bestehe die Gefahr, dass deutlich weniger Holz geschlagen werde. Dabei ist sich Peter Lippuner bewusst: «Die Forstbetriebe leben auch nicht auf goldigem Fuss. Wir sitzen im gleichen Boot.»

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