Die unauffälligen Pferdestärken

Eine hölzerne Tafel mit der Beschriftung «Train Kol 9» lädt ein in die temporäre Zeltstadt, die in den letzten Wochen vor dem Eingang der Festung Magletsch in Oberschan entstanden ist. Untergebracht sind dort Dutzende Freibergerpferde der Schweizer Armee.

Corinne Hanselmann
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20 Ster Holz transportierte die Train-Kolonne 9 in diesen Tagen auf die Alp Riet unterhalb des Gonzen. (Bilder: Corinne Hanselmann)

20 Ster Holz transportierte die Train-Kolonne 9 in diesen Tagen auf die Alp Riet unterhalb des Gonzen. (Bilder: Corinne Hanselmann)

WARTAU. In Reih und Glied stehen die Freiberger der Train-Kolonne 9 angebunden vor den Stallzelten. Sie werden von den Soldaten gestriegelt, die derzeit einen dreiwöchigen WK absolvieren. Es ist 7 Uhr morgens und der Kolonnen-Kommandant, Hauptmann David Hauri, erteilte den Train-Zügen soeben einen Auftrag. Nun gilt es die Pferde zu satteln und zu zäumen. Für einen weiteren Zug stehen heute Schiess-Übungen an. Das benötigte Material packen sie auf die Pferde und machen sich zu Fuss auf den Weg.

Brennholz für die Alp Riet

Zwei Züge haben ihre Pferde am Vortag an ihrem vorgezogenen Standort auf der Alp Riet unterhalb des Gonzen eingestallt. Mit Mannschaftsfahrzeugen geht es deshalb direkt dorthin.

Kritisch kontrolliert der Kommandant Hauri die Sattelung und die Zäumung der Tiere und lässt beim einen oder anderen etwas korrigieren, bevor es losgeht. «Wir verwenden hier 71er-Bastsättel», erklärt er. Das sei zwar ein älteres Modell mit relativ hohem Eigengewicht, das sich aber durch eine sehr gute Lastverteilung und Passform auszeichne. Jedes Pferd trägt am Sattel zudem zwei kleine Ledertaschen, in denen eine Hafer-Ration, Putzzeug und ein Wassersack untergebracht sind.

Während ein Teil der Soldaten Material für die Verbesserung eines Wanderwegs transportiert, sind die anderen um Brennholz für die Alphütte besorgt. 20 Ster Holz sollen für die Alpgenossenschaft aus dem etwas unterhalb gelegenen Schutzwald zur Hütte auf 1578 Meter über Meer transportiert werden. Zu bewältigen sind an die 100 Höhenmeter in unwegsamem, schwierigem Gelände.

Gelassene Freibergerpferde

Gut vorbereitet machen sich die Soldaten an die Arbeit. Eine Gruppe ohne Pferde hat bereits die metallenen Lastgeschirre mit Holz bepackt. Während ein Mann das Pferd hält, hieven vier andere vorsichtig die Last auf den Rücken. «Wir laden rund 100 bis 120 Kilogramm pro Pferd und achten darauf, dass das Gewicht gleichmässig verteilt ist», so Hauri. Obwohl viele der Freiberger diese Arbeit nur ein bis zweimal jährlich während der WKs machen, nehmen sie das geschäftige Treiben mit Gelassenheit hin. Die Pferdeführer danken es ihnen mit gutem und geduldigem Umgang. Auf dem steilen, teils sumpfigen Weg zur Hütte gönnen sie ihnen auch mal eine kurze Verschnaufpause.

Zur optimalen Betreuung der Tragtiere gehören zwei Tierärzte und vier Hufschmiede zur Kolonne 9. Sie sind bei Bedarf immer abrufbar.

In einem militärischen Ernstfall könnte der Train zum Beispiel Funkantennen oder Waffen in unwegsames Gelände oder im hohen Gebirge transportieren oder Munition an abgelegene Stellungen liefern. «Die Pferde kommen praktisch überall durch, sind zudem unauffällig und fast lautlos», so Hauri, «sie stellen, zusammen mit den Train-Soldaten, einen echten Mehrwert für das Militär dar.»

Sinnvolle Transporte

Übungen, die sonst meist mit militärischem Material gemacht werden, setzt die Train-Kolonne 9 teilweise mit Rundholz, Brettern, Kies oder Bodenbefestigungsplatten um. «So nützt der Transport jemandem und ergibt mehr Sinn», erklärt der Kommandant. Und trotzdem ist es eben Militär: «Normalerweise tragen die Soldaten bei allen Übungen die Kampfausrüstung und Sturmgewehr», sagt Hauri. Aus Sicherheitsgründen verzichte er bei diesen ausserordentlichen Verhältnissen mit schwierigem Gelände darauf. Das Material liege aber in unmittelbarer Nähe griffbereit.

Ein Grossteil der Train-Angehörigen sind Landwirte oder Handwerker und haben bereits bei der Rekrutierung gewünscht, dieser Gattung zugeteilt zu werden. Auch bei Kommandant Hauri war dies der Fall: «Ich bin mit Pferden aufgewachsen und für mich war klar, wenn Militärdienst, dann beim Train». Diese Tätigkeit gefiel ihm und er wurde bereits nach wenigen RS-Wochen für die Ausbildung zum Offizier vorgeschlagen.

Mit dem Wetter haben die Männer (und wenigen Frauen) im WK in der Region Wartau bisher grosses Glück. «Ich habe eigentlich in den höheren Lagen mit Schnee gerechnet», sagt Hauri, «es sind deshalb auch Gebirgsspezialisten aufgeboten worden, die nun andere Aufträge ausführen».

Noch bis zum 13. November verrichten die Train-Soldaten und die Freiberger Pferde ihren Dienst in der Region und «schaffen einen echten Mehrwert», wie der Kommandant sagt.

Am Samstag, 7. November, findet bei der Train-Kolonne 9 in Oberschan (Festung Magletsch) von 9 bis 15 Uhr ein Tag der offenen Tür für alle Interessierten statt.

Auch unwegsame Passagen meistern die Pferde problemlos.

Auch unwegsame Passagen meistern die Pferde problemlos.

Frühmorgens striegeln die Soldaten ihre Schützlinge.

Frühmorgens striegeln die Soldaten ihre Schützlinge.

Kommandant David Hauri kontrolliert Sattel und Zaum.

Kommandant David Hauri kontrolliert Sattel und Zaum.

Mit Gelassenheit verrichten sie die Arbeit, die Freiberger der Armee.

Mit Gelassenheit verrichten sie die Arbeit, die Freiberger der Armee.