Die Stimmung ist besser als die Lage

Zum Thema «Führung im Wandel» lud die Kantonalbank Buchs ein. Referent Wolfgang Jenewein durchleuchtete dabei die Lage von Führungskräften kritisch.

Heidy Beyeler
Merken
Drucken
Teilen
Wolfgang Jenewein verstand es, mit seinen engagierten Ausführungen das Publikum mitzunehmen – auf neue Wege. Bild: Heidy Beyeler

Wolfgang Jenewein verstand es, mit seinen engagierten Ausführungen das Publikum mitzunehmen – auf neue Wege. Bild: Heidy Beyeler

Für die Austragung des Kompetenzforums wählte die St. Galler Kantonalbank (SGKB), Buchs, die Räumlichkeiten des Grabser Unternehmens Liftag. Nach einer kurzen Begrüssung durch Niederlassungsleiter Karl Pareth kam Wolfgang Jenewein gleich zur Sache. Dabei zeigte er sich von der sportlichen Seite. Immerhin beriet er die deutsche Fussballnationalmannschaft, das Alinghi-Segelteam und verschiedene Vereine der deutschen Fussball-Bundesliga. So lag es nahe, dass er häufig auf Parallelen zwischen der Führung in der Wirtschaft und im Spitzensport hinwies. In seiner angenehm lockeren Art baute er rhetorisch Brücken zwischen der Theorie aus der Führungswissenschaft und seiner Praxis als Coach von Hochleistungsteams in Sport und Wirtschaft.

Inspiration zur Veränderung

Anhand eines Beispiels stellte der geübte Rhetoriker dar, dass in Grosskonzernen Führung und Kultur – trotz ständigen Veränderungen – noch aus den Achtzigerjahren gelebt wird. Zwar gehe es der Wirtschaft (noch) gut, «aber wenn Sie nichts verpassen wollen, müssen Sie sich jetzt Gedanken darüber machen und in Veränderungen investieren, weil Führung und Kultur aus den Achtzigerjahren heutzutage nicht mehr adäquat sind». Seinerzeit wurde der Fokus auf Strukturorientierung und Effizienz gelegt. «Heute brauchen wir flache, hierarchiefreie Strukturen. Wir brauchen Mobilität und Wendigkeit. Es muss ein Umdenken stattfinden – will man mit der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung Schritt halten.»

Ein Trugschluss – oder eine Fehleinschätzung, wie Wolfgang Jenewein sagt – ist die gefühlte Wahrnehmung der allgemeinen Stimmung, die immer noch gut und schön wahrgenommen wird – auch dann, wenn die Lage schon längst in Schieflage geraten ist. Jenewein untermauerte in seinem Referat anhand einer Untersuchung, warum in vielen Unternehmungen Veränderung dringend notwendig ist. Weltweit engagieren sich 12 Prozent (CH 11 Prozent) Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz aktiv und innovativ im Sinne der Unternehmensziele.

Dienst nach Vorschrift geht nicht

Bedenklich ist das Ergebnis allerdings von jenen Mitarbeitern, die Dienst nach Vorschrift machen und alles machen, was man ihnen sagt – nicht mehr oder weniger «und abends um fünf Uhr lassen sie den Stift fallen und sagen auf Wiedersehen». Weltweit mache diese Kategorie den Hauptharst aus: 64 Prozent (CH 79 Prozent). Wolfgang Jenewein nennt solche Mitarbeitende Arbeitsplatzhalter.

Problematisch sind jene Mitarbeiter, die aktiv gegen das Unternehmen agieren – nach dem Motto «Wenn ich dir egal bin, bist du mir auch egal». Davon gibt es laut Untersuchung weltweit 24 Prozent (CH 10 Prozent) Mitarbeitende. Kommentar von Professor Jenewein: «Die müsste man eigentlich bezahlen, damit sie zu Hause bleiben.» Daraus kann man – kritisch betrachtet – schlussfolgern, dass es die Unternehmen sind, die bei solchen Fällen über die Bücher gehen und sich fragen sollten, was hier schief läuft.

Aus diesen Ergebnissen schliesst Wolfgang Jenewein, dass reichliche Gründe gegeben sind, um in der Unternehmensführung – auch bei den KMU – den Führungsstil zu verändern beziehungsweise zu entwickeln. «Für eine situative und authentische Führung ist die Reflexion über die eigene Führungsfähigkeit unumgänglich.»