Die Röllmühle für den Dinkel ist erst die zweite dieser Art im Kanton

GRABS. Am Samstag lud der Verein Grabser Mühlbach seine Mitglieder zur Besichtigung der Werkzeugschmiede Gehler und der Maismühle ein. Dabei erlebten die Besucher eine schöne Überraschung: In der Maismühle wurden höchst interessante Geräte entdeckt und aufgemöbelt.

Heidy Beyeler
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Die Innenseite der Röllmühle sieht aus wie eine grosse Raspel. (Bild: Heidy Beyeler)

Die Innenseite der Röllmühle sieht aus wie eine grosse Raspel. (Bild: Heidy Beyeler)

GRABS. Am Samstag lud der Verein Grabser Mühlbach seine Mitglieder zur Besichtigung der Werkzeugschmiede Gehler und der Maismühle ein. Dabei erlebten die Besucher eine schöne Überraschung: In der Maismühle wurden höchst interessante Geräte entdeckt und aufgemöbelt. Die anwesenden Mitglieder erfuhren als Erste von diesen Entdeckungen.

Die grosse Überraschung

Sowohl für Werner Hungerbühler wie den gesamten Vorstand taten sich beim «Ausmisten» ganz neue Erkenntnisse auf. In der Maismühle wurde nicht nur der im ganzen Rheintal verbreitete Mais gemahlen – auch Gersten-, Weizen- und sogar Dinkelkorn wurden in Grabs verarbeitet. Zum Mahlen von Dinkelkorn braucht es eine spezielle Spelzmaschine – Röllmühle genannt. Und genau so eine Röllmühle wurde in diesem Jahr in der Maismühle am Grabser Mühlbach entdeckt.

Erst hatten die Entdecker keine Ahnung, um was für ein Gerät es sich handelte. Das Rätsel wurde aber gelöst, als Hungerbühler bei einem Experten nachfragte, der erkannte, dass es sich um eine Dinkel-Röllmühle handelt. Ob im Rheintal früher grosse Flächen Dinkel angebaut wurden, schien nicht bekannt zu sein. Eine Recherche des W&O brachte Licht ins Dunkel. Gemäss einer Dinkel-Anbaukarte vom Eidgenössischen Statistischen Amt aus dem Jahr 1942 wurde damals neben Mais eben auch Dinkel angebaut – ein Getreide, das heute von der Interessengemeinschaft Urdinkel als wertvollstes Getreide bezeichnet und deshalb gefördert wird.

Weitere Kleinode aufgespürt

Der Kanton St. Gallen ist allerdings kein typisches Dinkelanbaugebiet. Deshalb – und das dürfte besonders interessieren – ist die entdeckte Röllmühle in Grabs erst die zweite im Kanton, von der man Kenntnis hat. Eine weitere – die ebenfalls nicht aktiv betrieben wird – steht in der ehemaligen Mühle Zellweger in Berneck.

Der Nachweis, dass in der Maismühle seinerzeit auch Weizen gemahlen wurde, kam mit der unter der Treppe gefundenen Weizenreinigungsanlage zutage, wie Hungerbühler anlässlich der Besichtigung erklärte. Der «Aspirateur», wie man dieses Gerät nennt, das selbstverständlich auch mit Wasserkraft angetrieben wird, wurde (einigermassen) betriebsbereit gemacht. Die Antriebsriemen sind montiert. «Nur, die Maschine läuft zwar, aber wir haben noch nicht herausgefunden, wo die gereinigten Weizenkörner rauskommen, beziehungsweise aufgefangen werden können», sagte Hungerbühler. Man werde daran arbeiten.

Weniger spektakulär, aber ebenso interessant dürfte die Mühle für Gerstengries beziehungsweise Gerstenmehl sein, die ebenfalls in der Maismühle untergebracht war und ist. Die Vielfalt zeigt, dass Grabs bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg – genau gesagt bis 1957 – eine Anlaufstelle für das Mahlen der verschiedenen Getreidearten war, die für die Ernährung der Bevölkerung eine wichtige Grundlage bot. Bei der Führung am Samstag wurden in der Maismühle alle fünf installierten und mehr oder weniger funktionstüchtigen Mühlengeräte demonstriert.

Nachwuchs macht Freude

So kann man gut und gerne sagen: Der Verein Grabser Mühlbach hat zünftig Nachwuchs an Preziosen alter Mühle-Maschinen gewonnen. Vereinspräsident Fred Eggenberger und die aktiven Mitglieder freuen sich über den Zuwachs und hoffen, dass sich dieser auch durch neue Mitglieder bemerkbar machen wird, wie Eggenberger bei der Begrüssung betonte. Der Erhalt von traditioneller Handwerkskunst – wenn es auch «nur» im musealen Bereich ist – sowie das Interesse in der Öffentlichkeit veranschaulicht dies.

Zweifellos hat sich in der Werkzeugschmiede Gehler im laufenden Jahr auch einiges getan, wie Fred Eggenberger erwähnte. Ein neues Metall-Wasserrad, das in zahlreichen Stunden mit über 900 Nieten zusammengebaut wurde – in der Manier, wie man das früher gemacht hat. Ebenso wurde der fehlende Lufthammer in der Werkzeugschmiede ersetzt. Nun sind wieder – wie ursprünglich – zwei Hämmer vorhanden und betriebsbereit.