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Die richtige Renovation am richtigen Ort

Leitartikel zur Abstimmung über das Theater St. Gallen
Marcel Elsener
Der St. Galler Theaterbau Claude Paillards von 1968 soll renoviert und leicht erweitert werden. (Bild: Hanspeter Schiess (St. Gallen, 13. Februar 2018))

Der St. Galler Theaterbau Claude Paillards von 1968 soll renoviert und leicht erweitert werden. (Bild: Hanspeter Schiess (St. Gallen, 13. Februar 2018))

Desolat, marod, unwürdig: Solche Begriffe treffen auf den baulichen Zustand des St. Galler Theaters und die bedrückenden Raumverhältnisse zu. Wer sich in den vergangenen Wochen an Führungen vor Ort ein Bild machte, konnte ob der undichten Heizungen, rostenden Wasserleitungen, überfüllten Garderoben oder stickigen Arbeitsräume ohne Tageslicht nur den Kopf schütteln. Dass unter diesen Bedingungen glanzvolle Theaterproduktionen entstehen, die das Haus in der obersten Liga der Schweiz mitspielen lassen, darf als Wunder bezeichnet werden.

Ein verlotterndes Haus fünfzig Jahre nach seinem Bau zu sanieren ist nötig und überfällig. Was für Wohnhäuser, Schulen, Fussballstadien, Schwimmbäder oder Strassenbrücken gilt, muss selbstverständlich auch für einen Kulturbau gelten. Erst recht für einen, der nicht nur für die Stadt und den Kanton St. Gallen, sondern für die ganze Ostschweiz eine erstrangige Bedeutung hat. Der Spitzenplatz unter den Schweizer Theaterhäusern gilt wohlweislich für die Qualität der Aufführungen aller Gattungen (Schauspiel, Musiktheater, Tanz) ebenso wie für die Zuschauerzahlen von jährlich 150000 Eintritten.

In ihrer Bauvorlage hat sich die Regierung bis auf einen Anbau für erweiterte Garderoben und Maskenräume auf das Notwendige beschränkt und auf wünschbare Extras wie Drehbühnen verzichtet. Die Vorlage wurde im Kantonsrat denn auch mit einer Dreiviertelsmehrheit gutgeheissen. Nur die SVP war dagegen: Sie stört sich an den dreimal teureren Sanierungskosten, als sie 2009 bei der Übergabe des Stadttheaters an den Kanton in Aussicht gestellt wurden. Und sie beklagt den geringen Mehrwert fürs Publikum und fehlende Alternativen wie einen Neubau. Die SVP hat deshalb erfolgreich das Rats­referen­dum ergriffen und eine Volksabstimmung erwirkt.

Nun spricht nichts dagegen, einen 49-Millionen-Kredit vors Volk zu bringen. Und gewiss dürfen Skeptiker die hohen Renovationskosten und happigen Bauhonorare hinterfragen. Der Bauchef hat inzwischen eingeräumt, dass die Kostenschätzung vor neun Jahren zu optimistisch gewesen sei. Doch die Begründung der Kosten für aufgelaufene Sanierungen, Spezialbauexperten, Provisoriumsbetrieb und Reserve erscheint schlüssig. Und der Ruf der SVP nach einem Neubau wirkt angesichts des denkmalgeschützten Altbaus, vager Standorte und vor allem der geschätzten Baukosten von 130 bis 150 Millionen Franken als rein taktisches Manöver. Eine Partei, die wenig für Kultur übrig hat und kürzlich half, die Kulturausgaben zu plafonieren, wirkt unglaubwürdig, wenn sie statt der Sanierung einen dreimal teureren Neubau fordert.

Nicht glaubhafter wirkt die Gegnerschaft, wenn sie den SVP-Nachwuchs und die Jungfreisinnigen ins Boot holt. Die forsch liberalen Jungspunde machen keinen Hehl daraus, dass sie nebst der SRG auch gleich die staatliche Kulturinfrastruktur zerschlagen wollen. Gesetz hin oder her, halten sie das Theater für eine «Privatsache», die sich gefälligst selbst finanzieren soll. Dass die St. Galler Institution die landesweit mit Abstand höchste Eigenfinanzierung leistet (30 Prozent), tut aus ihrer Warte nichts zur Sache.

Die grundsätzliche Ablehnung lässt sich als saisonale Provokation in No-Billag- und Trump-Zeiten verstehen. Unsäglich ist aber der von der SVP bemühte Stadt-Land-Graben, den die Regierung unter Hinweisen auf die ausgewogene Infrastruktur im Ringkanton zurecht scharf zurückgewiesen hat. Wer mit dem Feuer spielt, dass diese oder jene Region von einer kantonalen Investition nichts habe, forciert Risse im gesellschaftlichen Zusammenhalt und befördert letztlich den Ruf nach Grossregionen. Ebenso perfid ist der Vorwurf der Gegner, wonach das Theater nur elitären Kreisen diene. Falscher kann man bei einem Dreispartenhaus, das regelmässig populäre Musicals, Schulklassiker und Kinder­stücke bietet, nicht argumentieren. Kein Wunder, erfreut sich das St. Galler Haus einer der besten Auslastungen weitherum.

Das Theater St. Gallen benötigt dringend diese Renovation, die im Vergleich zu Häusern in Bern oder Basel bescheiden ist. Selbstverständlich steht es in der Kantonshauptstadt und im zentrumsnahen Stadtpark am richtigen Ort. Und es bietet als weit ausstrahlende Bühne und Kreativzentrum nicht nur gut 300 Arbeitsplätze, sondern schafft Impulse für die regionale Kultur, Bildung und Wirtschaft. Anders gesagt: Das Haus trägt zur Lebensqualität und zur viel gefragten Urbanität bei, die St. Gallen als kleine «Ostschweizer Metropole» unbedingt erhalten und ausbauen muss.

Marcel Elsener

marcel.elsener@tagblatt.ch

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