Die Ostschweiz hat's erwischt

Die Schweiz sieht rot, auf jeden Fall, was die Grippe betrifft. Laut Bundesamt für Gesundheit hat die Grippewelle die ganze Schweiz erfasst, seit dieser Woche auch die Ostschweiz. Das Werdenberg werde nicht verschont.

Katharina Rutz
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REGION. Die Grippe ist in der ganzen Schweiz weit verbreitet. Die Ostschweiz war bis letzte Woche noch verschont, nun zeigen die aktuellen Daten des Bundesamtes für Gesundheit, dass die Grippewelle auch in der Ostschweiz angekommen ist. Das Werdenberg hat sie wohl trotzdem noch nicht ganz erreicht. Einer der Ärzte, der die Grippe besonders genau beobachtet und der «Grippe-Überwachung» meldet, ist der Grabser Arzt Markus Gassner. «Ich hatte bisher noch keinen Grippefall», sagt er gegenüber dem W&O. Seine Patienten seien jedoch eher älter und somit nicht diejenigen, die sich zuerst mit Grippe infizieren würden. «Kinder sind da viel gefährdeter, sich beispielsweise in der Schule anzustecken», sagt er. Aber auch in der Kinderarztpraxis von Urs Suenderhauf gibt es noch kaum Fälle von Grippe. «Jedoch jede Menge grippale Infekte. Das heisst, Infekte, die ähnlich einer Grippe sind, jedoch nicht von einem Grippevirus ausgelöst werden», sagt der Kinderarzt. Verschont werde aber das Werdenberg sicher nicht, schätzt Urs Suenderhauf. «Ich meine aber, dass die aktuelle Grippewelle für gesunde Kinder und Erwachsene nicht allzu gravierend sein sollte.»

Von Westen nach Osten

Dass die Grippe die Ostschweiz zuletzt erreicht hat, ist laut Markus Gassner nicht ungewöhnlich. «Die Grippe breitet sich meistens von Westen nach Osten aus.» Ob sich eine Grippeimpfung jetzt noch lohnt, darüber sind sich die Ärzte nicht ganz einig. Markus Gassner erachtet, eine Impfung durchaus noch als sinnvoll. «Der Impfschutz beginnt rund zwei Wochen nach der Impfung. Dass man nun in dieser Zeit gleich zu den ersten gehört, die die Grippe erwischen, ist unwahrscheinlich», so Gassner. Suenderhauf rät allerdings aktuell nicht mehr zu einer Grippeimpfung.

Wirkt Impfstoff überhaupt?

Allerdings ist sowieso in Frage gestellt, wie gut der aktuelle Impfstoff überhaupt wirkt. Deutsche Impfexperten behaupten, die Impfung wirke lediglich zu 30 Prozent und nicht wie sonst zu 70 Prozent. Dies weil sich der Grippevirus H3N2 seit der Produktion des Impfstoffes im letzten Sommer weiter verändert hat. Das Bundesamt für Gesundheit bleibt da zuversichtlicher. Wie gut ein Impfstoff beim Menschen tatsächlich wirkt, sei schwierig vorherzusagen. Besorgt darüber zeigt sich auch der Grabser Sentinella-Arzt Markus Gassner nicht. «Noch ist nicht sicher, dass der Impfstoff schlechter wirkt. Ich habe darüber noch keine gesicherten Informationen aus der Schweiz», sagt der Experte. «Unser Wissen über die Genetik dieser Viren hat zwar in den letzten Jahrzehnten massiv zugenommen. Wir können viele Influenzaviren unterscheiden und insbesondere von banalen Erkältungsviren abgrenzen. Umgekehrt wissen wir aber über viele Banalitäten so wenig, wie beispielsweise über die Übertragungsmechanismen, den Einfluss von Lufteigenschaften, den Nutzen von Masken und Handhygiene usw.»

Auch 30 Prozent sind gut

«Die Grippeimpfung für den Winter 15/16 muss jetzt zusammengestellt werden», sagt Urs Suenderhauf. «Die Fachleute müssen also Propheten sein. In gewissen Jahren schützt die Impfung gut, in anderen Jahren schlechter. Aber selbst wenn dieses Jahr nur ein 30%-Schutz bestehen sollte, könnten wir durch eine konsequente Impfung ein Drittel der Grippefälle verhindern», ist der Kinderarzt überzeugt. • DIE DRITTE