Die Nachwehen des Rohrbruchs

Eine tropfende Wasserleitung hat Anfang September das Staatsarchiv in Mitleidenschaft gezogen. Rund 70 000 Franken beträgt der materielle Schaden. Das Archiv ist frühestens in zwei Jahren wieder vollständig.

Alexandra Pavlovic
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ST. GALLEN. Rohrbruch, Wasserschaden, allfällige Schimmelbildung: Das St. Galler Staatsarchiv kämpft seit Anfang Monat mit den Auswirkungen des Ereignisses vom Wochenende des 6. und 7. September. Das Rohr einer durchgerosteten Feuerlöschleitung war gebrochen, das ausgetretene Wasser tropfte von der Decke des Kulturgüterschutzraums auf die historischen Bestände. Ein Mitarbeiter entdeckte den Schaden am Morgen des 9. September. Sofort wurden betroffene Akten und Unterlagen in Sicherheit gebracht, ehe sie mit Lagen von Plastik zwischen den einzelnen Medien für den Weitertransport verpackt wurden.

Inaktiven Schimmel bekämpfen

Die Mitarbeiter des Staatsarchivs mussten 73 Kisten mit Archivbeständen nach Bern schicken. «Derzeit liegen die betroffenen Bestände gefroren bei der Firma Docusave in Seftigen», sagt Staatsarchivar Stefan Gemperli. Dieser Vorgang sei nötig, um einerseits die entstandenen Schäden zu stoppen und andererseits weitere gar nicht erst entstehen zu lassen. Vor allem solle aber auch der inaktive Schimmel bekämpft werden. «Mitte November werden die Bestände dann aufgetaut.» Anschliessend werde jener Teil, der als «intakt» beurteilt werde, wieder ins Staatsarchiv überführt. «Der Rest geht dann nach und nach zum Restaurator», sagt Gemperli.

Rund 70 000 Franken Schaden

Bis auch dieser Teil wieder einwandfrei hergestellt ist, dürfte es jedoch etwa zwei Jahre dauern. Gemperli schätzt den direkten materiellen Schaden auf rund 70 000 Franken. Nicht enthalten seien darin die Beanspruchungen der Mitarbeitenden. Das derzeitige Raumklima bezeichnet der Staatsarchivar als gut. «Wir konnten die Entfeuchter entfernen», sagt Gemperli. Dennoch werde das Raumklima weiterhin überprüft. Zudem werde man in nächster Zukunft gewisse Archivalien im Kulturgüterschutzraum nachkontrollieren. Denn durch das schwankende Raumklima bestand die Gefahr von aktivem Pilzbefall, wie Gemperli sagt. «Hoffentlich erleben wir keine bösen Überraschungen.»

Langfristig wollen die Mitarbeiter jedoch sämtliche Bestände reinigen. Dieses Prozedere soll helfen, gewisse Risiken zu minimieren. Allerdings verfügt das Staatsarchiv derzeit kaum über die Ressourcen, ein solches Reinigungsprogramm aus eigener Kraft durchzuführen.

«Kein Dauerzustand»

Im Augenblick steht im Kulturgüterschutzraum eine provisorische Schutzvorrichtung gegen Wasserschäden. «Die Gestelle werden über Nacht mit Plastik abgedeckt», sagt Gemperli. Aus klimatischen Gründen und Gründen der Arbeitsbelastung könne dies aber kein Dauerzustand bleiben. «Wir müssen mit dem Hochbauamt und Fachleuten darüber nachdenken, wie wir den Raum für die nächsten Jahre sicherer machen, sollte in Zukunft wieder ein Wassereinbruch erfolgen.» Es müsse überprüft werden, welche Möglichkeiten der Alarmierung und des Schutzes bestehen. Gemperli und auch seine Mitarbeiter bewegt weiterhin die Frage, wie es mittelfristig weitergeht. «Das seit Jahren bekannte Raumproblem des Staatsarchivs lässt uns keine Ruhe.»