Die Mutter von 1300 Kostümen

26 Jahre war der Kostümverleih von Monika Bättig ein zuverlässiger Fundus für grosse und kleine Fasnächtler aus der Region. Nach einem Umzug hat sie das Geschäft aufgegeben. Ein Blick in drei Jahrzehnte Fasnachtskleider.

Armando Bianco
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Hat 26 Jahre einen Kostümverleih geführt: Monika Bättig aus Sevelen. (Bild: Armando Bianco)

Hat 26 Jahre einen Kostümverleih geführt: Monika Bättig aus Sevelen. (Bild: Armando Bianco)

SEVELEN. 26 Jahre lang hat sich die Welt von Monika Bättig während ein, zwei Monaten im Jahr komplett um ihren Kostümverleih an der Hauptstrasse 55 gedreht. Der plötzliche Umzug an die Alvierstrasse im 2015 bedeutete dann das Aus für ihr Geschäft, einem in der Region geschätzten Fundus für kreative Fasnachtsfreunde.

«Mein Mann Hans und ich hatten schon eine Weile nach einem neuem Haus gesucht, als wir auf diese Liegenschaft gestossen sind und hell begeistert waren. Allerdings war mir bewusst, dass die Platzverhältnisse hier anders sind und ich den Kostümverleih nicht würde weiterführen können».

Fasnacht ist krisenresistent

Gegen 70 Kleider umfasste das Sortiment, als Monika Bättig den Kostümverleih 1990 eröffnete. Der Laden war damals noch in der eigenen Garage untergebracht, so musste sie kein Lokal mieten. Trotzdem hat sie in den ersten vier Jahren draufgelegt. Sie kramt ein Büchlein hervor, in dem eine von Hand verfasste Buchhaltung zeigt, dass ein Kostümverleih keine Goldgrube sein kann. Immerhin ist die Branche krisenresistent. «Die Nachfrage stieg Jahr für Jahr leicht an», sagt Monika Bättig, die Gründungsmitglied der Osi Gugga war, aus der später die Seveler Guggenmusik Pelzchappni entstand.

Da ihr die Näherei im Blut lag, fertigte sie einen Teil der Kleider selbst, nach eigenen Ideen oder auf Wunsch der Kunden. Manchmal sind ganze Gruppen gekommen, einmal hat sie sogar einen ganzen Fussballclub aus Liechtenstein eingekleidet, erzählt sie im Gespräch mit dem W&O.

1300 Kostüme im Bestand

Zuletzt betrug der Bestand schier unglaubliche 1300 Kostüme und 3500 Accessoires. «Ich habe die Kleider gehegt und gepflegt, sie waren auf eine Art alle meine Babies», betont Monika Bättig. Kleider machen Leute, sagt man so schön. Oder eben Fasnächtler. Die Kostüme konnte sie mittlerweile alle veräussern, von den Accessoires hingegen lagert noch rund die Hälfte in Kisten. Mit Garagenverkäufen und auf anderen Wegen versucht sie nun, den Bestand nach und nach ganz aufzulösen. «Es hat, solange es hat», richtet sie sich an alle Fasnächtler, die sich noch zu guten Preisen mit Material eindecken wollen.

Als auch die Grossverteiler begannen, Fasnachtsartikel zu vertreiben – zuerst nur Accessoires, dann Kinderkostüme und mittlerweile auch ganze Sets für Erwachsene – wurde das Geschäft zusehends zäher. Mit den «spottbilligen Preisen» könne ein Kostümverleih nicht mithalten. Von daher sei ein Ende ihres Betriebs sowieso absehbar gewesen. Das macht die Sache weniger emotional, als man meinen könnte, selbst auf beharrliches Nachhaken ist bei Monika Bättig keine Wehmut zu spüren.

Klassiker damals wie heute

Die Gesellschaft wandelt sich heute schneller den je, Gewohnheiten ändern sich, Trends kommen und gehen, nur die Fasnacht, so könnte man meinen, ist beständig und braucht sich nicht ständig neu zu erfinden. «Damals wie bis zuletzt waren die Knüller bei Kindern Cowboy und Indianer, Piraten, Zwerge, Scheiche. Und auch bei den Erwachsenen wechselt der Geschmack nicht so schnell, als Klassiker zählt Monika Bättig beispielsweise Hexen, Zigeuner, 20er-Jahre-Garderoben und Mittelalter-Sujets auf.

Nicht mit letzter Begeisterung, aber stets tatkräftig und anstandslos unterstützt wurde sie von ihrem Mann. «Er musste 26 Jahre viel einstecken, hat aber kein einziges Mal reklamiert», sagt sie lachend. Und spart nicht mit Lob: «Er hatte immer gute Ideen für Gestelle und Systeme. Ich denke das im Kopf vor, er setzt es mit dem Handwerk um. Das habe ich sehr geschätzt.»

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