Die Macher (t)wittern Morgenluft

Wortakrobat Thomas C. Breuer vergnügte das Publikum in besonderer Art mit seinem Programm «Kabarett Sauvignon» im Werdenberger Kleintheater fabriggli. Zur Höchstform lief er insbesondere nach der Pause auf.

Heidy Beyeler
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BUCHS. Er ist Meister in Wortspielen und Sprachkünsten. In temporeicher Manier führt der Streifzug durch die Weinregionen der Schweiz und ihrer Nachbarländer. Thomas C. Breuers Programm «Kabarett Sauvignon» lässt keine Ermüdung aufkommen, trotz langweiligem Bühnenbild.

Eine kleine, um nicht zu sagen, winzige Schweizer Flagge und eine deutlich grössere deutsche Flagge (inklusive Schweizerkreuz), ein mit Rotwein gefülltes Glas – ein Lambrusco – und den schriftlich festgehaltenen aktuellen Pointen, zierten den kleinen Stehtisch, an dem sich Breuer zuweilen abstützen konnte.

Humor gefüllt mit Wein

Der Künstler bedient sich seines enormen Wortschatzes und verknüpft mittels Wortspielen geschickt Wort um Wort, so dass die Worte plötzlich eine ganz andere Bedeutung bekommen. Breuer führt die Zuhörer hin zur Erkenntnis, dass belanglose Worte sehr wohl machtvoll, aber auch irreführend sein können.

Sein Programm startete er mit dem Aneinanderreihen von Worten, die sich im Klang und manchmal auch in der Bedeutung nahe stehen. Zum Beispiel Bisness (Business) und Swissness, Rivella und Vasella, Beitritt und Fusstritt, Peking-ente und Konting-ente, Uni und Muni... tion usw. Diese Aufwärmphase dauerte vier effektive und zehn gefühlte Minuten. Die Wortpaare hatten aber – je länger man darüber nachdachte – gewisse Gemeinsamkeiten. Unklar war aber, ob das Warm-up-Programm zu Beginn nun dem Publikum galt oder etwa dem Mundwerk des Kabarettisten dienen sollte.

Aktuell und situativ

Der Artist der Worte stellt hohe Ansprüche – ans Publikum und an sich selber. Er rüstet das Programm Kabarett Sauvignon ständig auf. Heute würde man sagen, er updatet den Inhalt seiner Auftritte jeweils auf den neusten Stand. Breuer ist – auch wenn man Kabarett Sauvignon schon ein oder mehrmals erlebt hat – immer wieder eine erheiternde Überraschung. Das Thema ist zwar dasselbe, aber jeder Abend mit Breuer fällt unerwartet unterschiedlich aus.

Als im Theaterraum (s)ein Handy klingelte, meinte Breuer schlagfertig: «In solchen Fällen heisst der Spruch von Ursus und Nadeschkin <Entschuldigung, dass wir im Büro auftreten>.» Bis diese Pointe beim Publikum klingelte, dauerte es allerdings eine Weile – dafür waren dann die Lacher umso heftiger.

Globale Welt ist nicht alles

Hinsichtlich wirtschaftlicher Frage stelle sich bei wohlhabenden Männer ein Luxusproblem ein: «Wie kann man mit teuren Weinflaschen bei Frauen landen?» Früher in den Sechzigerjahren sei dies noch mit der Frage «Kann ich Ihnen meine Markensammlung zeigen?» gegangen.

Kritische Ergänzungen in Bezug auf die Globalisierung waren bei Thomas C. Breuer ebenfalls ein Motiv, diese Probleme zu karikieren. «Im Weingeschäft <twittern> die Macher Morgenluft. Die gleiche Welt in Argentinien wie in Italien – total global. Vielleicht gibt es den Wein schon bald in Globuli.» Breuer beteuerte, dass er kein Globalisierungsgegner sei – eher ein «Lokalisierungsbefürworter».

Das Publikum bezeugte seine Zufriedenheit mit Breuers Auftritt durch entsprechenden Beifall, was den Künstler dazu verführte, einen Nachschlag zu servieren.