Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Die gute Seele fehlt seit Wochen

40 Jahre schon arbeitet Marlis Moreschi aus Buchs bei Coop. Sie ist nicht nur eine treue Seele, sondern seit 1996 auch die gute Seele im Seveler Coop. Doch warum fehlt sie seit Wochen? Ein Porträt der beliebten Verkäuferin.
Heini Schwendener
Marlis Moreschis Fotobücher weisen auf ihre Hobbies hin: Die Familie, Ferienreisen und Mountainbike-Touren in vielen Regionen im In- und Ausland. (Bild: Heini Schwendener)

Marlis Moreschis Fotobücher weisen auf ihre Hobbies hin: Die Familie, Ferienreisen und Mountainbike-Touren in vielen Regionen im In- und Ausland. (Bild: Heini Schwendener)

BUCHS/SEVELEN. «Wo ist eigentlich Marlis?» Diese Frage wird im Coop in Sevelen häufig gestellt. Marlis Moreschis Absenz fällt eben vielen Kunden auf, denn die Verkäuferin ist die gute Seele des Ladens, der auch eine Art Treffpunkt im Dorf darstellt. Marlis Moreschi ist eine Institution bei Coop. Seit 1996 der Neubau an der Bahnhofstrasse eröffnet wurde, ist sie dabei. Sie weiss fast alles. Und sie ist stets hilfsbereit, nimmt sich Zeit für die Fragen und Probleme der Kundschaft – insbesondere auch der älteren Leute. «Man wird ja selber schliesslich auch einmal älter», meint sie dazu.

Wie wahr: Kürzlich feierte sie nämlich das 40-Jahr-Jubiläum bei ihrem Arbeitgeber, obwohl sie mit Jahrgang 1958 noch einige Jahre von ihrer Pension entfernt ist. Wer zu rechnen beginnt, dem wird klar, dass Marlis Moreschi bereits ihre Verkäuferinnenlehre bei Coop absolviert hatte. «Das war 1974, obwohl mein Berufswunsch eigentlich Briefträgerin war», erinnert sich die Buchserin. Dafür hätte sie jedoch die Lehre in St. Gallen absolvieren müssen. Das erlaubten die Eltern aber nicht, da sie ihre Marlis lieber in Räfis unter ihrer Obhut behielten.

Beruf und Berufung

Rückblickend war dies kein Unglück. Marlis Moreschi hat in ihrem Beruf auch ihre Berufung gefunden. «Ich bin die geborene Verkäuferin», sagt sie unterdessen über sich. Die lebensfrohe Frau ist offen und sehr kommunikativ. Berührungsängste kennt sie nicht. Die vielfältigen Begegnungen mit Menschen aller Alters- und Sozialschichten sind es, die sie täglich neu motivieren. Und so übt sie ihren Beruf noch immer mit Begeisterung aus. Nur einmal ist sie Coop kurz untreu geworden, als sie in einem Textilfachgeschäft arbeitete – natürlich als Verkäuferin.

Entscheid für Sevelen

Inzwischen kennt Marlis Moreschi viele Coop-Filialen in der Umgebung. In etwa zehn hat sie nämlich bereits gearbeitet. In Räfis war sie Filialleiterin, bis der Laden geschlossen wurde. Danach konnte sie zwischen Buchs und Sevelen wählen. «Entschieden habe ich mich für Sevelen, das schien mir persönlicher als Buchs.» Als Leiterin des Coop-Kiosks in Sevelen hat sie jahrelang ganze Familien aufwachsen sehen. Die Mütter kamen zuerst mit den Babies. Und als die Kleinkinder ihre ersten Worte sprechen konnten, erwähnten sie Coop und Marlis häufig im gleichen Atemzug. Später gingen die Jugendlichen zur Schule – und die gute Seele des Coop verriet den Müttern, wofür die Kids ihr Taschengeld ausgegeben hatten. Manch einer wurde so ertappt, wenn er zu Hause behauptete, er sei nicht vor dem Mittagessen noch im Coop-Kiosk gewesen. Denn Marlis Moreschi kennt ja fast alle, zum Teil seit sie in den Windeln gesteckt haben.

Dass sie Sevelen und nicht Buchs ausgewählt hat, bereut die Verkäuferin aus Leidenschaft nicht. Denn Sevelen liegt in Velodistanz von ihrem Wohnort entfernt. Seit 1996 pendelt sie immer mit dem Velo hin und her, häufig viermal im Tag. «Jeder Weg ist 4,3 Kilometer lang», sagt sie wie aus der Pistole geschossen und unterstreicht damit eine ihrer Eigenschaften, die Akribie. Sie begleitet sie durchs Leben, beispielsweise in ihrer Freizeit als Mountainbikerin oder Wanderin: Viele Touren sind in Fotobüchern dokumentiert, die Höhenmeter, die sie dabei zurückgelegt hat, weiss sie auswendig.

Nach Unfall schwer lädiert

Einige ihrer Hobbies und ganz allgemein ihr Bewegungsdrang sind für Marlis Moreschi allerdings seit rund zwei Monaten weitgehend tabu. Sie ist nämlich schwer verunfallt. Vier Bein- und drei Beckenbrüche waren das schmerzliche Resultat eines Zusammenpralls auf der Skipiste. Arbeiten kann sie frühestens wieder im Mai. Bis dann wird im Coop in Sevelen wohl noch häufig die Frage gestellt: «Wo ist eigentlich Marlis?»

Ihre positive Grundeinstellung hilft ihr, den Genesungsprozess voranzutreiben. «Jammern nützt dir in so einer Situation gar nichts», sagt sie, und fügt stolz an: «Ich kann die 1,3 Kilometer zur Therapie bereits selber mit Krücken gehen». Auch da ist sie wieder, Moreschis Genauigkeit. Wie auch in der folgenden Anekdote: Wer die Verkäuferin im Coop oder sonst vermisst hat, war bei ihr im Spital. «90 Besuche hatte ich in zwei Wochen», erwähnt sie ungefragt. Als ob sie beweisen müsste, dass alle sie kennen und sie alle kennt. Und dass sie beliebt ist. Und eben – akribisch genau.

Wichtiger als alles andere im Leben von Marlis Moreschi ist ihre Tochter, die bis vor fünf Jahren bei ihrer alleinerziehenden Mutter gelebt hatte. Marlis Moreschi hat während ihrer Schwangerschaft ihr Arbeitspensum reduziert und arbeitet seither immer Teilzeit. «So blieb mehr Zeit für meine Tochter, aber auch für mich selbst. Die Lebensqualität hat sich merklich erhöht.»

Sicherheit und Heimatgefühl

Wer 40 Jahre seinem Arbeitgeber treu und sein Leben lang in der gleichen Gemeinde wohnhaft ist, der ist auf Sicherheit und Beständigkeit bedacht und überaus heimatverbunden. Auf Marlis Moreschi trifft dies zu. Gleichwohl ist sie weltoffen, sie reist beispielsweise gerne – in jüngster Zeit vor allem für Aktivferien. Und sie hat sich auch einmal auf ein längeres Ausland-Abenteuer eingelassen. Nach ihrer Lehre weilte sie neun Monate in London für einen Sprachaufenthalt. Diese Zeit in der Weltmetropole an der Themse hat ihre Heimatliebe erst recht gestärkt. Nirgendwo anders möchte sie leben als im Rheintal, das sei ihr damals bewusst geworden, «denn wir leben schliesslich am schönsten Ort auf der Welt».

Auch in ihrer Firmentreue sieht sie nichts Negatives. Im Gegenteil: Ihre Treue wird vom Arbeitgeber belohnt mit vier Ferienwochen zusätzlich. Im Verlauf dieses Jahres wird im Coop also noch oft die Frage zu hören sein: «Wo ist eigentlich Marlis?»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.