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«Die Gier frisst das Hirn auf»

Auf Einladung der Pfingstgemeinde kamen die Gäste in der Aula Flös in den Genuss, Josef Müller aus Bayern kennenzulernen. Einst Millionenbetrüger, verliess er nach fünf Jahren Haft den Knast als geläuterter Christ.
Heidy Beyeler
Josef Müller, ein hervorragender Rhetoriker, zieht das Publikum mit den bizarren Erzählungen in seinen Bann. (Bild: Heidy Beyeler)

Josef Müller, ein hervorragender Rhetoriker, zieht das Publikum mit den bizarren Erzählungen in seinen Bann. (Bild: Heidy Beyeler)

BUCHS. Die Geschichte, die Josef Müller am Sonntagabend während knapp zwei Stunden – ohne Punkt und Komma – zum besten gab, hört sich grotesk an. Müller sprach über sein Leben, bei dem es vornehmlich um Schwarzgeld in zweistelliger Millionenhöhe ging. Das Geld veruntreute und verzockte er, um sich bei Parties und Koks in der Welt der Schickeria ein Ansehen «zu erarbeiten». Müller war schon als Jugendlicher stets auf der Suche nach dem Kick – nach der Herausforderung. Ein Grenzgänger eben.

Auf der Suche nach dem Kick

Eines scheint ihm aus seinem früheren Leben geblieben zu sein: Er ist ein begnadeter Redner. Früher hatte er offensichtlich mit seiner offenen Art und seinem lockeren Gerede die Menschen überzeugen können, ihm – als Steuerberater – Geld, sehr viel Geld anzuvertrauen. Heute setzt er seine Redekunst ein, um die Menschen von den Kräften des Glaubens an Gott zu überzeugen. «Die Gier zerfrisst das Hirn. Man rennt nur noch einem Statussymbol hinterher, das von Geld und Macht geprägt ist – wenn es sein muss, auch durch kriminelle Handlungen.»

Sein Ziel: Der Jet-Set

In Buchs rollte er heiter sein wahrhaftig bewegtes Leben vor Publikum auf. Er fängt bei seiner Jugend an: «Schon als Jugendlicher suchte ich immer wieder den besonderen Kick.» Die Suche nach dem Kick wurde ihm schon bald zum Verhängnis. Mit 16 Jahren machte er den Führerschein und ein Jahr später sass er – als Folge eines Autounfalls – querschnittgelähmt im Rollstuhl.

Dieses Unglück schien ihn nicht aus der Bahn geworfen zu haben. Der Ehrgeiz war es. Er wollte den Leuten zeigen, dass er erfolgreich ist. Er tat alles, um Anerkennung zu gewinnen. Nach seiner Ausbildung wurde er Steuerberater und betrieb schon bald vier Steuerbüros. Sein Ansehen stieg zusehends. Er gehörte zu den Mehrbesseren. Je höher sein Reichtum stieg, desto grösser wurde die Gier nach mehr, wie Josef Müller selbstreflektierend gestand.

Mit Schwarzgeld anderer Leute – meist aus den USA – spekulierte er als Vermögensberater mit Immobilien und kaufte Luxuskarossen – nicht eine, sondern mehrere. «Ich hatte beispielsweise einen schwarzen Rolls Royce mit einem weissen Fahrer und einen weissen Rolls Royce mit einem schwarzen Fahrer. Weiter besass ich unzählige Villen und Luxusappartements – überall dort, wo der Jet-Set zu Hause ist.» Neben Villen und Luxusautos spielten Yacht, Parties, Frauen, Drogen, Alkohol eine wichtige Rolle, um im Promi-Karussell die ihm gewünschte Aufmerksamkeit zu bekommen.

Die Realität schlug zu

Es kam, wie es kommen musste. Anfang der 1990er-Jahre flog Josef Müller wegen seiner Betrügereien auf. Er wurde zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Er habe diese allerdings nicht antreten müssen, da er als Querschnittgelähmter nicht haftfähig gewesen sei. So trieb er seine Geschäfte weiter. Als er sich mit den Geldern seiner Mandanten verspekulierte und diese buchstäblich den Bach herunter schwammen, ging es ums Eingemachte. Die Situation spitzte sich zu, nachdem sich der grösste «Geldanleger», für den er einst 40 Millionen Dollar in bar in Koffern nach Deutschland transferierte, als Mafioso entpuppte. Wie sich später herausstellte, machte der Mafioso sein Geld mit Waffen und Drogen.

Für Josef Müller wurde es brenzlig. Er tauchte in Amerika mit falschem Pass unter falschem Namen unter, fühlte sich aber ständig verfolgt – von der Mafia und von den Fahndern der Sonderkommission. Er bekam Angst. Dem Leben des Sichversteckens wollte er sich nicht weiter aussetzen und beschloss, zurück nach Wien zu fliegen, um sich zu stellen. Die Beamten kamen ihm zuvor und verhafteten ihn kurz nach seiner Ankunft im Hotel.

Das Ende eines Höhenflugs

Josef Müller wurde zu über fünf Jahren verurteilt. Vom Höhenflug zum Jet-Set stürzte er in die Niederungen der gewöhnlichen Menschen – nein noch tiefer – in den Knast. Dort, so erzählt er, hat er zu Gott gefunden. Er hat ein Buch über sein Leben geschrieben, in dem alle Einzelheiten dazu nachzulesen sind – auch der Weg zu Gott. Seit seiner Entlassung vor sechs Jahren tingelt er im «Namen des Herrn» landauf, landab und verkündet bei öffentlichen Auftritten, wie er im Alter von rund 55 Jahren geläutert wurde und einen neuen Weg gefunden hat.

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