Die gehen weg wie frische Weggli

Grundsätzlich sind die Werdenberger Obstbauern mit der diesjährigen Ernte zufrieden. Besonders gut sind Äpfel und Birnen, die Kirschenernte war auch zufriedenstellend. Schlecht verlief allerdings die Ernte von Aprikosen und Mostobst.

Katharina Rutz
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REGION. «Die Werdenberger Aprikosen verkaufen sich wie frische Weggli», sagt Florian Vetsch, Obstexperte am Landwirtschaftlichen Zentrum in Salez. Er ist zuständig für die Obstanlage des Landwirtschaftlichen Zentrums und seit rund zehn Jahren erprobt er auch verschiedene Aprikosensorten. Wenn die Aprikosen am Baum ausreifen können, wird ihr Aroma viel besser. «Denn die Frucht erhält ihr Aroma zuletzt am Baum», erklärt Vetsch. Deshalb verkaufen sich Werdenberger Aprikosen auch ausgezeichnet.

Anbau birgt Risiko

Doch leider gelten Aprikosen im Werdenberg (noch) als Risikokultur. «Die Wärme ist dabei nicht das Problem, jedoch regnet es hier zu viel», sagt er. Dies ist der Nachteil des Werdenbergs beispielsweise verglichen mit dem Wallis, was die Produktion von Schweizer Aprikosen anbelangt. Dennoch konnten letztes Jahr zwischen fünf und sechs Tonnen Werdenberger Aprikosen geerntet werden. Heuer war dies allerdings nur eine Tonne. «Zur Aprikosenblüte an Ostern war es zu kalt», begründet Florian Vetsch. Danach hätten die Bäume zwar Früchte «angesetzt», durch das schlechte Wetter Ende Mai hätten sie diese aber dann fallen lassen.

Sorten ausprobieren

Da sich die einheimischen Aprikosen sehr gut verkaufen würden, probiert Florian Vetsch immer wieder neue Sorten aus. Es gilt die für das Werdenberg passende zu finden. Die Bäume schlechterer Sorten werden dann gerodet und durch neue beispielsweise pilzresistente Sorten ersetzt.

Nach den Aprikosen reifen im Sommer die Kirschen. Einer der wenigen Werdenberger Kirschenproduzenten ist Andi Gantenbein aus Grabs. Bei ihm begann die diesjährige Ernte kurz vor den Sommerferien. Seine Früchte verkauft er frisch im eigenen Hofladen und beliefert die Geschäfte der Region. Nachdem die letztjährige Kirschenernte aussergewöhnlich gut gewesen sei, wäre die diesjährige Saison normal verlaufen, sagt Gantenbein. Durch die grosse Hitze im Sommer seien die Kirschen allerdings sehr schnell gereift. «Wir mussten die Früchte sehr rasch ernten», so der Obstbauer. Die Qualität was das Aroma und die Farbe betraf, war dann dafür umso besser. Dasselbe gilt auch für die Ernte der Zwetschgen, die bei Gantenbein ebenfalls sehr gut ausfiel.

Und nun seit wenigen Wochen läuft die Saison der Äpfel und Birnen. Florian Vetsch und Andi Gantenbein pflanzen ganz verschiedene Apfelsorten an. Bei Vetsch sind dies 15 Sorten. Dies, damit im Hofladen immer frische Äpfel zu kaufen sind. Also haben sie frühe Sorten und spätere Sorten. Beide Bauern vermarkten ihr Obst ausschliesslich direkt. Gerade dieser Sommer sei verkaufsförderlich gewesen. «Wenn es heiss ist, essen die Leute gerne frische Früchte», sagt Andi Gantenbein. Anders macht dies Mathias Tischhauser. Der Biobauer aus Sevelen verkauft seine Früchte an die Tobi Seeobst AG und von dort gehen sie an die Grossverteiler. Dennoch pflanzt auch er verschiedene Sorten an.

Mit Duft gegen Apfelwickler

Seine Produktion sieht etwas anders aus als bei Gantenbein und Vetsch, die nach den ÖLN-Richtlinien produzieren (Ökologischer Leistungs-Nachweis). Beispielsweise setzt er auf Schachtelhalm-Extrakt, Schwefel gegen den Mehltau und kleine Mengen Kupfer. Denn die Kunden würden auch vom Bio-Apfel ein einwandfreies Aussehen erwarten. Den Apfelwickler bekämpfen aber alle drei Obstbauern mit einem schlauen Trick. Bei Tischhauser beispielsweise hängen in seinen Anlagen bis zu 700 Bänder. Diese sondern einen Duftstoff (Pheromon) ab und sollen verhindern, dass sich die Weibchen und Männchen des Apfelwicklers finden. Denn so gibt es auch keinen Nachwuchs und somit keine Maden in den Äpfeln. «So können wir die Wurmstichigkeit erfolgreich verhindern», erklärt Mathias Tischhauser.

Alle drei Werdenberger Obstbauern sind mit der Ernte ihrer Äpfel und Birnen sehr zufrieden. Allerdings nur, was die Obstanlagen betrifft. Weniger gut sieht es beim Mostobst aus.

Mostobsternte wird schlecht

Da letztes Jahr die Hochstammbäume aussergewöhnlich viele Früchte hatten, ist die diesjährige Ernte dafür besonders schlecht. «Die Bäume bilden die Blüten für den nächsten Frühling bereits im Sommer vorher aus», erklärt Florian Vetsch. Da die Hochstammbäume letztes Jahr aber so viele Früchte trugen, hatten sie keine Kraft, ihre Blütenknospen zu entwickeln. Ausserdem war der Frühling nass und kalt. Da die Hochstammbäume grundsätzlich weniger intensiv gepflegt werden, konnten sie das schlechte Wetter weniger gut überstehen. Die Trockenheit im Sommer führte dann dazu, dass einige Mostobstbäume ihre Früchte bereits fallen liessen. «Einige Bäume sind auch ganz leer», sagt Vetsch.