Die Früchte des Mutes geerntet

Seit 25 Jahren findet in Buchs kroatischer Unterricht in heimatlicher Sprache und Kultur (HSK) statt. Das Jubiläum feierten die Kroaten zusammen mit sieben weiteren Sprachgruppen sowie Gästen aus der Region.

Hanspeter Thurnherr
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Die Referentinnen am Jubiläumsfest beim anschliessenden Apéro (von links): Željka Altanian-Topic, Moderatorin Hana Janacek, Grana Feric, Stanislava Racic, Nataša Balic, Anela Matanovic, die neue Lehrerin Lea Kranjcic und Katrin Frick. (Bild: Hanspeter Thurnherr)

Die Referentinnen am Jubiläumsfest beim anschliessenden Apéro (von links): Željka Altanian-Topic, Moderatorin Hana Janacek, Grana Feric, Stanislava Racic, Nataša Balic, Anela Matanovic, die neue Lehrerin Lea Kranjcic und Katrin Frick. (Bild: Hanspeter Thurnherr)

BUCHS. «Der Unterricht in kroatischer Sprache und Kultur war eine Zangengeburt», sagte Grana Feric, die erste Koordinatorin in der Schweiz, in ihrer Rede in der Aula Flös. Der Entscheid für Unabhängigkeit und Demokratie in den ersten freien Wahlen und der folgende Krieg brachten auch die Kroaten in der Schweiz in eine schwierige Lage. Es habe Mut gebraucht, den Unterricht in kroatischer Sprache zu organisieren. «In zahlreichen Gesprächen mit Schweizer Schulbehörden galt es, diese zu überzeugen, dass das Projekt von beidseitigem Interesse ist» erinnert sich Grana Feric.

Die Schule in Buchs sei von Anfang an äusserst aktiv gewesen, «dank dem unermüdlichen Einsatz von Blagica Alilovic», verdeutlichte Grana Feric. Die heutige Geschäftsführerin der Stiftung Mintegra habe den Unterricht als Lehrerin am 27. September 1990 mit 28 Schülern begonnen.

An sechs Orten im Kanton

Nataša Balic, die heutige Koordinatorin der kroatische Schule in der Schweiz, sagte: «Der damalige Aufwand hat sich gelohnt. Heute feiern wir die Resultate dieser langjährigen Bemühungen.» Sie beleuchtete die heutige Situation des HSK-Unterrichts. Aktuell unterrichten 14 HSK-Lehrer etwa 900 Schüler mit kroatischer Herkunft. Der Unterricht findet in 20 Kantonen in 62 Orten statt, sechs davon im Kanton St. Gallen: Buchs, Sargans, St. Gallen, Balgach, Uzwil und Rapperswil. «Zweisprachige Kinder lernen dabei ihre Muttersprache besser zu verstehen und zu sprechen, zu lesen und zu schreiben. Zudem erweitern sie ihre Kenntnisse über ihre Herkunftsheimat in Geschichte, Geographie, Literatur und Traditionen», erklärte Frau Balic.

Katrin Frick, Vize-Stadtpräsidentin und Schulpräsidentin von Buchs, überbrachte die Gratulationen «zu Ihrem Mut, den Sie vor 25 Jahren hatten, für die Ausdauer und Ihr Engagement in all diesen Jahren». Der HSK sei ein ganz wichtiger Teil, wenn es um Heimat finden und um Zukunftsgestaltung für die Kinder aus Kroatien gehe.

Vielfalt als Bereicherung

Die grosse Vielfalt an Sprachen und die unterschiedlichsten Kulturen seien eine grosse Bereicherung für die Schweizer, aber auch herausfordernd. «Beziehungen entstehen und können leben, wenn man sich versteht und verstanden wird. Sprache ist ein wesentlicher Teil davon», sagte Katrin Frick. Nur wer eine Muttersprache wirklich beherrscht, könne weitere Sprachen wirklich tief erfassen. «Und nur wer eigene Wurzeln besitzt, kann offen sein für andere Lebensarten», schloss sie.

Viel über Kroatien gelernt

Die ehemaligen Schülerinnen Hana Janacek (die auch versiert moderierte) und Želika Altanian-Topic blickten zurück zu ihren HSK-Zeiten. Auch wenn es nicht einfach gewesen sei, am «schulfreien» Nachmittag zum Unterricht zu gehen, sind sie heute dankbar, diese Möglichkeit bekommen zu haben. «Wir konnten den Wortschatz erweitern und viel über Kroatien lernen», sagte Hana Janacek. Und elika Altanian ergänzte: «Ich werde sicher einmal meine Tochter in den HSK-Unterricht schicken, damit sie die Kultur meiner Herkunft kennenlernen kann.»

Musik von Ex-Schülerinnen

Zum Schluss durfte Anela Matanovic vielen Personen danken, welche in den vergangenen 25 Jahren dazu beitrugen, «dass jetzt das Jubiläum überhaupt gefeiert werden kann». Schüler überreichten diesen Personen je ein Geschenk. Musikalisch umrahmt wurde die Jubiläumsfeier von den beiden ehemaligen HSK-Schülerinnen Valentina Brašnic und Veronika Matanovic mit Gesang und Klavierspiel.

Ein Imbiss mit kroatischen Spezialitäten für die Gäste, darunter den kroatischen Botschafter in der Schweiz, Integrationsdelegierte aus Liechtenstein sowie Werdenberger Schulpräsidenten, gab vielfältige Möglichkeiten, den Kontakt über Sprachgruppen hinweg zu pflegen.