Die Favoriten bevorzugen den Einervorschlag

In der St. Galler Regierung werden zwei Sitze frei. Die SVP ist heiss auf einen davon. Zu den Kronfavoriten zählen Herbert Huser und Michael Götte. Bereits heute ist klar: Die beiden wünschen keinen Showdown vor den Delegierten.

Regula Weik
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ST. GALLEN. Im dritten Anlauf hat die SVP den Einzug in die St. Galler Regierung geschafft. Das war 2008. Seither ist Stefan Kölliker St. Galler Bildungschef. Die wählerstärkste Partei im Kanton hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie gerne einen zweiten Sitz in der Exekutive besetzen würde – um «die bürgerliche Präsenz zu stärken». In den letzten Wahlgängen blieb ihr dies verwehrt. Die nächste Möglichkeit bietet sich ihr in den Regierungswahlen im Frühling 2016; dannzumal treten Finanzchef Martin Gehrer (CVP) und Bauchef Willi Haag (FDP) nicht mehr zur Wiederwahl an.

Auch wenn zurzeit der Fokus auf die nationalen Wahlen gerichtet ist: Im Hintergrund laufen bereits die Gespräche für die Regierungswahlen. So hat die kantonale SVP die Kreisparteien aufgefordert, bis Ende dieses Monats mögliche Kandidatinnen und Kandidaten zu melden.

Der eine oder der andere

Zwei Namen, die auf der Hand liegen: Parteipräsident Herbert Huser und Fraktionschef Michael Götte. Beide sind schon für Regierungswahlen in die Hosen gestiegen – und gescheitert. Ihrem Interesse an der Exekutive tat dies keinen Abbruch, das haben beide wiederholt signalisiert. Auf Anfrage geben sie sich noch bedeckt. Eines ist dennoch bereits klar: Auf einen Showdown vor den Delegierten lassen sich die Favoriten nicht mehr ein.

Vor vier Jahren war das noch anders. Damals stellen sich beide den Delegierten – und diese schickten Götte in den Wahlkampf. Huser unterlag in der internen Ausmarchung. Götte später an der Urne. Ein erneutes direktes Aufeinandertreffen ist für beide kein Thema mehr. Beide fordern ein Einerticket. Und sie sind im Gespräch miteinander. «Wir zwei finden uns», sagt denn auch Götte. Sie hätten eine Auslegeordnung gemacht, und sie hätten beide gewisse Vorstellungen. «Diese lassen wir nun etwas setzen. Und dann legen wir uns fest – er oder ich.»

Eine Frage der Zeit

Auf die Frage, weshalb er mit einer erneuten Kandidatur zögere, antwortet Götte: «Ich zögere nicht. Ich trete nochmals an – die Frage ist nur wann.» Bei Huser stellt sich diese Frage kaum; für den Rheintaler Architekten dürften die kommenden Wahlen die letzte Gelegenheit sein. Huser ist 57, Götte 36.

Seine Grundmotivation sei nicht geringer als vor vier Jahren, sagt der Tübacher Gemeindepräsident. Und seine Familie stehe hinter ihm – wie immer er sich entscheide. Dennoch ist spürbar: Eine «Konsolidierungsphase» wäre dem dreifachen Familienvater, der einen neuen Job angetreten und mehrere Mandate übernommen hat, nicht unlieb. «Das hemmt etwas», betont er auf Anfrage unumwunden.

Auch Parteipräsident Huser hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er ein Exekutivamt anstrebt. Daran hat sich nichts geändert. Er ist überzeugt, dass die Regierung «Leute aus der Wirtschaft» braucht. Huser ist seit 33 Jahren selbständiger Architekt. Die Nachfolge in der Firma ist geregelt. Auf die Frage, welche Gründe gegen eine Kandidatur sprächen, meint er: «Etwas kürzer zu treten, mehr Zeit für Hobbies zu haben, ist auch verlockend.» Nach einer Pause: «Ich würde die Regierungsaufgabe gerne machen, doch meine Zukunft hängt nicht davon ab.»

Frauenkandidatur?

Huser hat durch seine pointierte Haltung in der Spitaldebatte kantonsweit an Bekanntheit gewonnen. Darauf angesprochen sagt er: «Die Leute wissen, dass ich mich nicht verbeuge. Auch dann nicht, wenn meine Meinung nicht Mainstream ist.»

Für den Parteipräsidenten ist die Option eines Zweiertickets noch nicht ganz vom Tisch. Das hänge auch davon ab, wer sich sonst noch für eine Kandidatur interessiere. Dabei wird die Partei die Fühler auch nach einer Frau ausstrecken. Kein Thema ist eine Kandidatur derzeit für die Gossauer Kantonsrätin Claudia Martin und Barbara Keller-Inhelder, Vizepräsidentin der Kantonalpartei, Kantonsrätin und Nationalratskandidatin.

Mehrmals fällt der Name Christof Hartmann. Der Kantonsrat aus Walenstadt sagt kurz und bündig: «Eine Kandidatur für den Regierungsrat steht für mich derzeit nicht zur Diskussion.»

Entscheid Ende Oktober

Einer zögert mit der Antwort nicht. «Ich kandidiere wieder», sagt Amtsinhaber Stefan Kölliker. Er fühle sich «extrem wohl» in seiner Aufgabe. Die SVP-Delegierten entscheiden nach den nationalen Wahlen, wen sie in die Regierungswahlen schicken.