«Die Erfahrungen in Wildhaus- Alt St. Johann waren wirklich gut»

ALT ST. JOHANN/ST. GALLEN. Letztes Jahr wurde die Idee aus der Not geboren: Der Kanton St. Gallen brauchte schnell realisierbare Alternativen zu den überfüllten Asylzentren, und er benötigte Betreuungspersonal, das nicht mehr lange rekrutiert werden musste.

Andreas Kneubühler/sda
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Die Strategie der Regierung hat sich bewährt: Der Kanton St. Gallen stand und steht mit Unterbringung, Betreuung und Integration von Flüchtlingen vor einer grossen Herausforderung. (Bild: Urs Bucher)

Die Strategie der Regierung hat sich bewährt: Der Kanton St. Gallen stand und steht mit Unterbringung, Betreuung und Integration von Flüchtlingen vor einer grossen Herausforderung. (Bild: Urs Bucher)

ALT ST. JOHANN/ST. GALLEN. Letztes Jahr wurde die Idee aus der Not geboren: Der Kanton St. Gallen brauchte schnell realisierbare Alternativen zu den überfüllten Asylzentren, und er benötigte Betreuungspersonal, das nicht mehr lange rekrutiert werden musste. Die Lösung: Zeitlich auf ein paar Monate beschränkt sollte in einer Gemeinde eine grössere Zivilschutzanlage für die Unterbringung von Asylsuchenden umfunktioniert werden. Als Betreuungspersonal wollte man Zivilschützer aufbieten.

Quer durch den Kanton

Start des neuen Konzepts war im Oktober 2014 im Toggenburg, in Alt St. Johann: Bis Ende Januar 2015 wurden in der Zivilschutzanlage Weiern 50 bis 80 Asylsuchende untergebracht. Weil es dort gut lief, wurde der Versuch fortgesetzt. Ende August folgte für ein halbes Jahr eine Anlage im St. Galler Stadtquartier Riethüsli mit bis zu 100 Plätzen. Im Oktober eröffnete der Kanton in der Region See und Gaster nach dem gleichen Konzept in St. Gallenkappel für gut drei Monate eine weitere Zivilschutzanlage.

Befristet nutzbare Unterkünfte

Ideale Unterkünfte sehen zwar anders aus: In den unterirdischen Räumlichkeiten ist es eng, es gibt kein Tageslicht, die Luft ist trotz Lüftungsanlagen oft schlecht. Zum Konzept gehört deshalb, dass tagsüber oberirdische Aufenthaltsmöglichkeiten benutzt werden können. Zwei bis drei Monate bleiben die Flüchtlinge, dann werden sie an die Gemeinden weiterverteilt.

Speziell sind deshalb nicht die zusätzlichen Plätze, ungewöhnlich ist die Reaktion der lokalen Bevölkerung: Als die Anlage im Riethüsli zwei Wochen nach der Eröffnung den Medien vorgestellt wurde, sagte Urs Weber, Leiter der Asylabteilung im Amt für Migration: In 25 Jahren habe er es noch nie erlebt, dass so viele Hilfsangebote gekommen seien.

Kleider, Schuhe wurden abgegeben, es gab Offerten für Deutschstunden und immer wieder Einladungen für Aktivitäten. Ein Beispiel unter vielen: Eine Gruppe sammelte mit einem Aufruf Kickschuhe, rüstete damit die Asylsuchenden aus und veranstaltete ein kleines Fussballturnier.

Erfolg im Toggenburg

Solche positiven Erlebnisse für die Flüchtlinge gab es nicht nur in der Stadt St. Gallen. Zuvor im Toggenburg war es ähnlich: «Unsere Erfahrungen waren wirklich sehr gut», sagte Rolf Züllig, Gemeindepräsident von Wildhaus-Alt St. Johann.

Es habe einen Tag der offenen Tür gegeben, der Anklang fand. In der Folge hätten sich zahlreiche Kontakte zwischen Bevölkerung und Asylsuchenden ergeben: Beim Musizieren, Turnen oder Stricken, zählte er auf. Für eine Tourismus-Gemeinde wirke sich die Offenheit gegenüber Flüchtlingen positiv auf das Image aus, ist Züllig überzeugt. Fast gleich tönt es, wenn nach den Erfahrungen mit der Zivilschutzanlage St. Gallenkappel gefragt wird: Man müsse zwar auf Holz klopfen, weil die Unterbringung noch bis Januar dauere, sagte der Eschenbacher Gemeindepräsident Josef Blöchlinger, «aber bisher war es eine sehr gute Erfahrung». Auch in Eschenbach engagierte sich die Bevölkerung mit einer ganzen Palette von Angeboten.

Vom Umschwung profitiert

Im St. Galler Migrationsamt ist man sich andere Reaktionen gewohnt, wenn es darum geht, Asylunterkünfte in Gemeinden zu planen. Dass es bei diesen Beispielen anders lief, habe sicher damit zu tun, dass die Unterbringungen befristet seien, so Jürg Eberle, Leiter Migrationsamt. Die Akzeptanz sei viel höher, wenn das Ende absehbar sei. Deshalb verlängere man die Projekte in den Gemeinden nicht – auch wenn sie gut liefen. Man habe sicher auch von der allgemeinen Stimmung in der Bevölkerung profitiert: Das Bedürfnis zu helfen sei massiv angestiegen, stellte Eberle fest. Voraussetzung für das gute Gelingen sei aber auch die Offenheit der Behörden und Menschen vor Ort gewesen.

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