Die Eltern werden einbezogen

Die Veranstaltung «Lehre statt Leere» hat für Lehrfirmen eine grosse Bedeutung. Denn die Eltern als ein starker Faktor der Berufsfindung sind zusammen mit den Schülern zur «Ausstellung» der verschiedenen Berufe eingeladen.

Hanspeter Thurnherr
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Reto Hendry und Berufsbildner Marjan Milosavljevic (hinten rechts) beobachten die Lernenden Urs Weilenmann und Haris Shasivari (rechts) bei der Arbeit im Labor. (Bild: Hanspeter Thurnherr)

Reto Hendry und Berufsbildner Marjan Milosavljevic (hinten rechts) beobachten die Lernenden Urs Weilenmann und Haris Shasivari (rechts) bei der Arbeit im Labor. (Bild: Hanspeter Thurnherr)

BUCHS/REGION. Der Arbeitgeberverband Sarganserland-Werdenberg organisiert am Donnerstag, 11. Juni, wieder die Veranstaltung «Lehre statt Leere» im bzb in Buchs (siehe Kasten). Bei dieser «Ausstellung» werden interessierten Schülern und deren Eltern verschiedene Lehrberufe präsentiert.

Wie Reto Hendry, Leiter Ausbildung bei der Firma Sigma-Aldrich in Buchs und Ressortleiter Chemie bei «Lehre statt Leere», erläutert, ist dieser Anlass eines von mehreren Angeboten zur Berufsfindung. «Mit dem Nationalen Zukunftstag bieten Betriebe bereits den 4.- und 5.-Klässlern eine Möglichkeit, Lehrberufe kennenzulernen.» Bei den «Fitna»(Förderung der Interessen für Technik und Naturwissenschaften bei Jugendlichen)-Techniktagen sind Schülerinnen und Schüler der 1. und 2. Oberstufe eingeladen, Berufe aus den genannten Bereichen kennenzulernen.

Eltern als starker Faktor

Noch konkreter wird es bei Sigma-Aldrich mit den Tasttagen. Hier können Oberstufenschüler für einen Tag im Labor schnuppern. Info-Nachmittage, Schnupperlehren, Berufspräsentationen durch Lernende beim Berufsinformationszentrum BIZ oder in den Schulen sind weitere Anlässe, mit denen die Firmen ihre künftigen Lernenden zu finden hoffen. Immer wichtiger sind beispielsweise für Sigma-Aldrich die Neuen Medien, aber auch klassische Werbung in Zeitungen oder neu in den Bussen des öffentlichen Verkehrs.

Der Anlass «Lehre statt Leere» hat für Reto Hendry eine grosse Bedeutung, weil hier auch die Eltern einbezogen werden. «Ich glaube, dass Eltern in der Berufsfindung noch immer ein starker Faktor sind.» Für ein KMU-Unternehmen wie Sigma-Aldrich hat die Ausbildung von Lernenden aus einem ganz einfachen Grund einen hohen Stellenwert. «Wir brauchen diese Berufsleute. Dies zeigt sich darin, dass die Ausgebildeten nachher praktisch zu 100 Prozent bei uns beschäftigt werden.»

Anforderungen gestiegen

Sigma-Aldrich stellt jedes Jahr 11 Lernende ein: je 4 in den Berufsfeldern Chemie- und Pharmatechnologe (CPT) und Laborant, 2 Kaufleute und 1 Logistiker. Weil nicht alle auszubildenden Lernenden nur im Werdenberg rekrutiert werden können, ist der Rayon etwas grösser geworden. Er umfasst nun den Kanton St. Gallen.

Massiv gestiegen sind die Anforderungen an Lernende, welche die Berufsmatura machen wollen. «Ein grosser Teil absolviert sie deshalb im Anschluss an die dreijährige Lehre quasi als viertes Lehrjahr. 60 Prozent dieser Absolventen machen nachher ein Studium», weiss Reto Hendry aus seinen Statistiken.

Er vergleicht die beiden möglichen Ausbildungswege: «Grundschule, Kantonsschule, Studium, Doktorat: Mit rund 33 Jahren ist der Ausbildungsweg abgeschlossen. – Grundschule, drei Jahre Lehre, BMS, Fachhochschule, verkürzte Uni: Damit ist man am Ende dieses Weges etwa gleich alt. Der Vorteil der Lehre: Nach drei Jahren und nach der Fachhochschule hat man einen Abschluss in der Hand. Man kann den Ausbildungsweg unterbrechen, arbeiten gehen und später weiter studieren.»

Diskussion zementiert altes Bild

Zur aktuellen Diskussion um die tiefe Maturaquote im Kanton sagt Reto Henry: «Den Blickwinkel nur auf diese Quote zu richten, ist sehr beengt. Die Diskussion bestätigt nur wieder das alte Bild, dass die Berufslehre die schlechtere Variante sei. Viele Eltern wissen nämlich nicht, welche Entwicklungsmöglichkeiten man mit der Berufslehre hat.»

Er sieht das Hauptproblem darin, dass sich die Schulen angepasst haben und eine Verschiebung vom mathematisch- naturwissenschaftlichen Ansatz hin zu den Sprachen stattgefunden hat. «Die Berufsschule kann sich aber nicht anpassen. Sie braucht die Mathematik und die Naturwissenschaften als zentrale Lehrinhalte, um den Berufsanforderungen gerecht werden zu können.»