Die Currywurst entdeckt

Wo die Currywurst entdeckt wurde – in Berlin oder Hamburg – wissen jene, die der Erzählung über die Currywurst im fabriggli gespannt zuhörten – vorgetragen von Jaap Achterberg.

Heidy Beyeler
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Jaap Achterberg – ein begnadeter Erzähler, der es schafft, dass das Publikum während 75 Minuten mucksmäuschenstill und konzentriert zuhört. (Bild: Heidy Beyeler)

Jaap Achterberg – ein begnadeter Erzähler, der es schafft, dass das Publikum während 75 Minuten mucksmäuschenstill und konzentriert zuhört. (Bild: Heidy Beyeler)

BUCHS. Besucherinnen und Besucher des Erzählabends wurden schon beim Eintreten ins fabriggli-Foyer auf die Currywurst eingestimmt – der Duft aus Tausendundeiner Nacht schwebte in der Luft. Das fabriggli-Team hat sich seiner Kreativität bedient und bot den Gästen vor dem Auftritt von Jaap Achterberg eine echte Currywurst an – mit der unverkennbaren Sauce, die eine gute Currywurst ausmacht. Eine supergute Idee. So wurden die Zuhörer während dem fünfviertel Stunden dauernden Erzähltheater nicht durch Magenknurren abgelenkt. Sie hatten ja die Currywurst bereits genussvoll verzehrt. Sie schmeckte an diesem Abend im fabriggli deutlich besser als die Currywurst aus Berlin, Hamburg oder aus dem Ruhrpott.

Das Geheimnis gelüftet

Heute noch ist man sich in Deutschland nicht einig, wo nun wirklich die beste Currywurst zu haben ist und wo sie eigentlich entdeckt wurde. In Berlin oder in Hamburg? Die Legende von Uwe Timm, die auf knappen 200 Buchseiten 1993 erstmals publiziert wurde, spricht für Hamburg. Jaap Achterberg hat daraus ein Konzentrat und ein Erzähltheater gemacht.

Über den Ursprung der himmlisch scharfen Currywurst ist man sich aber bis heute nicht einig. Spielt auch keine Rolle, denn die Geschmäcker sind eh ganz verschieden. Aber dennoch hat es die Currywurst geschafft, aus ihr oder um sie herum eine hochspannende Geschichte entstehen zu lassen – vorgetragen von einem begnadeten Erzähler wie Jaap Achterberg. Er erzählt die Geschichte, als ob er von seiner eigenen erlebten Geschichte spräche – auf der Spur der Currywurst und wie sie entdeckt wurde.

So kam Brücker zum Rezept

Seinerzeit – während der Kriegsjahre – soll Lena Brücker die Sauce der Currywurst kreiert haben. Wie es zur Currywurst kam, wollte er von ihr wissen, als er sie im Altersheim besuchte. «Is ne lange Geschichte.» Aus einem Nachmittag wurden schliesslich sieben Nachmittage, bis Lena Brücker die ganze Geschichte rund um die Currywurst geschildert hatte – mit allen Nebenschauplätzen. Wie Lena Brückner aus Hamburg zum Curryrezept gekommen ist, erzählt Achterberg allerdings erst zum Schluss. Es geschah durch ein Missgeschick, nachdem Lena Brücker durch Tauschhandel drei Flaschen Ketchup gegen ein paar Whiskyflaschen erwarb, und – statt Pflanzenöl, fünf Speckseiten oder eine Dose Currypulver – sich für die Dose Currypulver entschied. Dabei dachte sie an die schöne Nacht mit dem jungen Bootsfahrer Hermann Bremer.

Roten Currymatsch gebraten

Und hier spielte – wie so oft – Meister Zufall eine Rolle. Als Lena Brücker stolperte und fiel, zerbarsten die Ketchup-Flaschen, mittendrin das Currypulver. «Lena stellte eine Pfanne aufs Feuer und schüttete das vom Boden zusammengeschrubbte Ketchup mitsamt dem Currypulver hinein. Das Gemisch von Ketchup und Curry hatte etwas Fruchtigfeuchtscharfes an sich. Sie lachte über diesen schönen Zufall und schnipselte eine ihrer hautlosen Kalbsbratwürste hinein und brät sie mit dem roten Currymatsch. «Und siehe da, plötzlich füllte sich die Küche mit einem Duft wie aus Tausendundeiner Nacht – das Paradies. Damit begann der Siegeszug der Currywurst.»

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