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Die Bedeutung der Stille

Von welchem Geräusch bist du heute wach geworden? Haben die Kinder nach dir gerufen? War es der Lärm von der Strasse? Weckerpiepsen? Klappende Autotüren? Wohngeräusche von anderen Menschen? Radio? Oder hat dein Hund laut gebellt?
Pfarrerin Beate Drafen, Sevelen

Von welchem Geräusch bist du heute wach geworden? Haben die Kinder nach dir gerufen? War es der Lärm von der Strasse? Weckerpiepsen? Klappende Autotüren? Wohngeräusche von anderen Menschen? Radio? Oder hat dein Hund laut gebellt?

Es geht früh los und hält sich bis abends durch, die Geräuschkulisse um dich herum: Lärm im Strassenverkehr, Gedudel aus den Medien, Handyklingeln und gesprochene Halbsätze dazu, die dir von irgendwem aufgezwungen werden. Geräusche, wo man geht und steht. Ja, sogar das «stille Örtchen» hält nicht das, was es verspricht und bringt dir selbst dorthin noch das Neuste aus aller Welt.

Aber vielleicht ist das nicht dein Problem und du gehörst noch zu den beneidenswerten Menschen, die wenigstens einmal am Tag für eine gewisse Zeit Ruhe haben oder vielleicht sogar Stille geniessen können.

Klar, so richtig absolute Stille gibt es nirgendwo auf der Welt. Selbst wenn du dich inmitten einer windstillen Wüste befändest, keine Flugzeuge über dich hinwegflögen, sich weder Autos noch Menschen in einem Umkreis von 100 Kilometern befänden. Selbst wenn du dich in einer schalldichten Kammer einschliessen liessest: auch dort würdest du noch etwas hören. Dein Herz vielleicht, wie es tapfer schlägt oder deinen Atem.

Aber Stille kann noch etwas anderes sein als allein die völlige Abwesenheit von Geräuschen. Zum Beispiel so: Mami hat vor Schreck geschrien, weil Marie fröhlich drauflos gerannt ist zur Nani, die sie auf der anderen Strassenseite an der stark befahrenen Strasse entdeckt hat – nach dem Schrei ist sie sofort zurück zu Mami. Mami reisst sie an sich und hält sie fest und still im Arm. Im unbarmherzigen Strassenlärm halten beide den Atem an. Wie es wohl jetzt in ihnen aussieht?

Oder so: Alle in der Firma erheben sich. Stilles Gedenken für einen beliebten Kollegen. Auf dem Weg zur Arbeit kam er bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Eine Minute still stehen. Was geht vor hinter den gesenkten Köpfen und in den Gemütern? Erinnerungen, Trauer? Ein Glück, dass ich es nicht gewesen bin? Denken an einen ähnlichen Fall vor kurzem in der Familie? Ein kleines Gebet?

Eine Minute Stille im Gedenken an das Leben. Sie sind rar, solche Momente. Zeiten, wo das Gedudel ausgeblendet ist, wo kein Kommentar nötig ist. Nur die Stille und das Hineingeben in den Augenblick. Wann hast du das das letzte Mal erlebt?

Oder so: Gerade haben alle noch fröhlich am Tisch gesessen und durcheinander geredet. Und plötzlich sind alle still, jeder hängt seinen Gedanken nach, keiner sagt etwas.

Vielen Menschen sind solche Momente unangenehm, sogar wenn sie allein im Zimmer sind. Wenn keiner etwas sagt, keine Musik läuft. Bloss keine Stille. Immer muss Geräusch sein.

Kann es sein, dass in der Stille – unter anderem – der Tod erahnbar wird? Wird sie deshalb gefürchtet? Kann es sein, dass in der Stille in dir selbst unkontrollierbare Empfindungen, Fragen und Gedanken entstehen, die sich selbständig zu Gott hin aufmachen könnten? Darf das geschehen? Sag jetzt nichts.

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