«Die Bässe sind kaum verstummt…»

Party- und Musikveranstaltungen stehen in stetem Konflikt mit der Nachtruhe. Auflagen bei den Bewilligungen sollen den Konflikt entschärfen. Nach dem Erlenfest und dem Bar- und Pubfestival Sevelen entbrennt die Diskussion erneut. Eine IG Lärmschutz hat sich formiert.

Heini Schwendener
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Das Partyvolk vergnügte sich bei lauter Musik und viel Lichtspektakel am Erlenfest in Sevelen. (Bild: Daniel Schwendener)

Das Partyvolk vergnügte sich bei lauter Musik und viel Lichtspektakel am Erlenfest in Sevelen. (Bild: Daniel Schwendener)

SEVELEN/BUCHS. Unfreiwillig spielt der FC Sevelen als Veranstalter des traditionellen Erlenfests und des seit einigen Jahren eine Woche später stattfindenden Bar- und Pubfestivals der lärmgeplagten Anwohnerschaft den Ball zu. Auf der Homepage der Feste heisst es: «Die Bässe der beiden Erlenfest-Nächte sind noch kaum verstummt, steht im Partyzelt am Fussballplatz schon die nächste Fete an.» Und wie die abging.

«Geharnischte Reklamationen»

Deren wummernde Bässe waren weitherum zu hören – der Föhn trug das Seinige dazu bei. Klagen gab's auf der Gemeindeverwaltung Sevelen viele, auch aus Buchs und Vaduz und sogar aus Schaan (vgl. Titelseite). «Einige der Lärmgeplagten haben geharnischte Reklamationen deponiert», sagt der Seveler Gemeindepräsident Roland Ledergerber. «Wir nehmen diese Reklamationen sehr ernst. Subjektiv betrachtet haben es die Veranstalter diesmal wohl übertrieben.» Das Mass sei nun endgültig voll, so könne es nicht weitergehen.

Ledergerber spricht auch den Umstand vom letzten Sonntagmorgen an. Bewilligt war das Bar- und Pubfestival bis 4 Uhr morgens. Um 4.30 Uhr hat die St. Galler Kantonspolizei nach Klagen aus Liechtenstein dem lauten und feucht-fröhlichen Treiben im Zirkuszelt beim Seveler Fussballplatz ein Ende gesetzt, wie Polizeisprecher Hanspeter Krüsi bestätigt. «Das wird für die Veranstalter eine Ordnungsbusse absetzen.» Und natürlich gebe es eine Meldung an die Gemeinde Sevelen, die die Bewilligung für den Anlass erteilt habe. Es liegt dann an den Behörden, Sanktionen zu ergreifen oder bei einer künftigen Bewilligung zusätzliche Auflagen zu machen.

Lärmschutz besser beachten

In Räfis hat sich derweil eine IG Lärmschutz Räfis-Rans-Sevelen um Eric Zaindl formiert (vgl. Leserbrief auf Seite 9). Für die Mitglieder sind die wummernden Bässe, die bis in die frühen Morgenstunden zu hören waren, Stein des Anstosses. Derzeit sammeln sie Erfahrungsberichte aus der Bevölkerung, um ein Stimmungsbild der vergangenen drei Wochenenden zu bekommen. Eric Zaindl hat auch das Life-Festival in Schaan, das eine Woche vor dem Erlenfest über die Bühne gegangen ist, in schlechter Erinnerung. Auch damals war an zwei Abenden die Nachtruhe durch die wummernden Bässe massiv gestört. Sollte es vielen Leuten ähnlich ergangen sein, sei vorstellbar, dass man sich auch mit Schaan in Verbindung setze, so Eric Zaindl gegenüber dem W&O. Mit den Seveler Behörden hat die IG bereits Kontakt aufgenommen.

Feste nicht verhindern

Für Zaindl ist klar: «Wir wollen nicht Feste verbieten. Uns geht es darum, dass die Lärmschutzverordnung sowie die Tierschutzverordnung Art. 12 eingehalten werden und dass Feste somit weiterhin bewilligt werden können.» Konstruktive Lösungen seien gefragt, und nicht eine Verhärtung der Fronten.

Roland Ledergerbers Intention ist ähnlich. Das Thema werde für die nächste Gemeinderatssitzung traktandiert, «noch diesen Herbst müssen die Rahmenbedingungen für eine künftige Durchführung mit allen Beteiligten festgelegt werden.» Möglicherweise gebe es einen runden Tisch zum Thema.

Selbstkritisch fügt Ledergerber noch an: «Wir müssen uns selber an der Nase nehmen.» Künftig müsse die Einhaltung der Auflagen strenger kontrolliert und sanktioniert werden. Man habe dem Veranstalter zu stark vertraut, dass er diese auch einhalte. Inzwischen sei man aber schon wiederholt enttäuscht worden. Es dürfe nicht sein, dass ein Anlass wie das vom Fussballclub organisierte Erlenfest sowie das Bar- und Pubfestival die Gemeinde Sevelen in Verruf bringe.

Nicht lauter als früher

Thomas Hagmann vom FC Sevelen war heuer erstmals OK-Präsident der beiden Anlässe. Er verweist darauf, dass die Lautstärke seit Jahren überwacht werde und der zuständige Techniker angehalten sei, den Pegel sofort herunterzufahren, sobald die Grenze überschritten sei. Hagmann betont, dass diese Auflage eingehalten wurde: «Wir waren nicht lauter als in früheren Jahren.» Wer besonders vom Lärm betroffen sei, hänge auch von der Positionierung der Lautsprecher ab. Diesmal seien sie aufgrund der neuen räumlichen Begebenheiten nach Liechtenstein ausgerichtet worden, im Jahr zuvor strahlten sie noch gegen Sevelen ab.

Ein Fehler sei klar gewesen, dass man am Sonntagmorgen die vorgeschriebene Zeit nicht eingehalten habe, «man schaut halt nicht dauernd auf die Uhr.» Thomas Hagmann betont: «Es ist nicht unsere Absicht, Leute mit unseren Festen zu verärgern. Wir brauchen diese Anlässe, um den Verein zu finanzieren. Dafür wenden wir viel Arbeit auf.» Hagmann würde eine offene Aussprache begrüssen. Auf dass die Bässe doch noch verstummen.

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