«Die anderen haben etwas verpasst»

Vom 3. bis 7. August findet die Sportwoche zum 32. Mal statt. Dieses Jahr haben sich 1460 Kinder und Jugendliche angemeldet, um Spiel und Spass zu haben, aber auch, um die sportliche Herausforderung zu erleben. Im Werdenberg ist die Begeisterung nicht so gross wie anderswo.

Robert Kucera
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Ein toller Gruppenstunt: Die Mädchen meldeten sich auch dieses Jahr zuhauf für den Cheerleading-Kurs an. (Archivbild: Saskia Bühler)

Ein toller Gruppenstunt: Die Mädchen meldeten sich auch dieses Jahr zuhauf für den Cheerleading-Kurs an. (Archivbild: Saskia Bühler)

SPORTWOCHE. «Ich bin grundsätzlich immer zufrieden mit dem Anmeldestand», sagt der Gründer und Macher der Sportwoche, der Sarganser Ralph Windmüller. Keine Zahl, kein abgesagter Kurs kann ihn aus der Bahn werfen. «Denn ich mache die Sportwoche für Kinder, die sich gerne bewegen. Die einen kommen, die anderen haben etwas verpasst.» Es fällt aber auf, dass es im Sarganserland sehr viele Kinder und Jugendliche gibt, die das Verpassen der Sportwoche als tragischer taxieren als die Gleichaltrigen im Werdenberg. Mit 1460 Teilnehmern dieses Jahr darf sich Windmüller über ein Top-Ergebnis freuen. «Nur die Verteilung auf die Regionen lässt zu wünschen übrig», bedauert der 65-Jährige.

222 Sportler im Werdenberg

Vom 3. bis 7. August werden in Turnhallen und Aussenanlagen der Region Werdenberg 222 Kinder und Jugendliche einer Sportart nachgehen. Eine zu geringe Anzahl für die Grösse des Werdenbergs sowie die quantitativen und qualitativen Sport-Möglichkeiten dieser Region. «Das ist eine gefährliche Zahlenspielerei», warnt Windmüller aber davor, diese 222 auf eine Goldwaage zu legen. Denn es gibt traditionelle Sportarten, die seit Jahren nur im Sarganserland durchgeführt werden (Geräteturnen, Leichtathletik) oder beliebte Kurse wie Inlineskaten in Liechtenstein, für die sich Werdenberger angemeldet haben.

60 Prozent der Kurse abgesagt

Insgesamt beteiligen sich dieses Jahr 265 Werdenberger an der Sportwoche. Verglichen mit der Gesamtzahl und mit jener vom Vorjahr (303) kein Ruhmesblatt für die Region. Noch ernüchternder ist die Anzahl stattfindender Kurse in Relation mit den ursprünglich hier angebotenen: 33 von 55 Kursen, also 60 Prozent, wurden abgesagt. «Das Werdenberg ist ein gutes Einzugsgebiet mit vielen Kindern und Jugendlichen. 400 Teilnehmer wären jedes Jahr möglich», sagt der Sportwoche-Gründer. Dass Werdenberger Sportmuffel wären, lässt er nicht gelten. Er sieht viele Gründe, welche die Teilnehmerzahl aus dem Werdenberg nach unten drücken.

Kein Kinderhort für ganzen Tag

Da ist beispielsweise das Werdenberger Fussballcamp. «Das ist ein Problem», gibt Windmüller zu. «Fussball ist zu dominant.» Die Weltsportart Nummer eins erdrückt die Quantität und Vielseitigkeit des Sports. Doch nicht nur das. Er ortet in diesem Zusammenhang zwei Bequemlichkeiten. Im Fussballcamp sind die Kinder den ganzen Tag aufgehoben. «Das ist ein Vorteil für die Eltern», sagt der Sarganser. «Man kann die Kinder den ganzen Tag dort lassen.» Doch genau dies entspricht nicht der Sportwoche-Philosophie. Der Sport und somit das eifrige, freiwillige Tun soll im Vordergrund stehen, statt ein Kinderhort zu sein.

Zudem sei man aus Sicht Windmüllers heutzutage weniger bereit, den Horizont zu öffnen. Denn die Sportwoche dient auch dazu, eine Woche lang eine neue Sportart kennenzulernen. «Sogar Fussballer könnten von Polysportivität profitieren», weiss der Turn-/Sportlehrer. Doch just dies wird nicht angestrebt. Die absolute Spezialisierung hat Einzug gehalten.

Eine verpasste Chance

Findet nicht jede Sportart pro Region statt, gibt es für die Sportwoche-Teilnehmer nur eine Lösung: Auf die Reise gehen. So wie jene Kinder aus Klosters, die Anfang August jeden Tag für den Inlineskating-Kurs nach Vaduz mit dem öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Aus Windmüllers Sicht eine löbliche Ausnahme. Denn zu verhätschelt seien die Kinder heute. Die Idee, per öV oder mit dem Velo zum Kurs zu fahren, kommt vielen nicht. Respektive: Distanzen sind ein Grund, nicht teilzunehmen.

Es ärgert Ralph Windmüller zusätzlich, dass der regionale öV «nur ganz marginal» entgegenkommt. «Es wäre eine Chance, den Kindern zu zeigen, dass es den öV gibt und dieser auch funktioniert. Ausserdem würden die Kinder sehen, wie lustig es sein kann, gemeinsam mit dem öV zur Sportwoche zu fahren.» Eine verpasste Chance von Eltern und der öffentlichen Verkehrsmittel, geopfert auf dem Altar der Bequemlichkeit.

Koordinator gesucht

Doch gegen den heutigen Zeitgeist anzukämpfen ist eine Herkules-Aufgabe – das weiss auch Windmüller. Also muss die Sportwoche in der Region gepusht werden, um mehr Werdenberger Kinder und Jugendliche zum Sport zu animieren. «Es braucht einen Koordinator Werdenberg», sagt Windmüller. «Eine Person, die im Werdenberg verankert und akzeptiert ist sowie mit der gleichen Akribie dahinter geht wie ich im Sarganserland.» Kein einfaches Amt, wie Ralph Windmüller zugibt. Doch eines, das notwendig ist, um die Flyer effizienter zu verteilen, Kontakte mit Behörden, Schulen und Vereine zu verbessern. Zum Wohl der sportlichen Förderung des Nachwuchses auch ausserhalb der Schulen und Vereine.

Konkurrenz: In derselben Woche wie die Sportwoche finden das Königscamp in Wildhaus und das Werdenberger Fussballcamp in Buchs statt. (Archivbilder: Robert Kucera)

Konkurrenz: In derselben Woche wie die Sportwoche finden das Königscamp in Wildhaus und das Werdenberger Fussballcamp in Buchs statt. (Archivbilder: Robert Kucera)