Des einen Freud, des andern Leid

Am 1. August ist es wieder so weit: Zahlreiche Tiere – insbesondere Hunde – werden durch das Knallen und Pfeifen von Feuerwerk in Panik versetzt. Tierarzt Risch Cantieni gibt Tips, wie der Schrecken etwas gelindert werden kann.

Corinne Hanselmann
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Laute Knalleffekte von Feuerwerken versetzen viele Tiere in Angst und Panik. (Symbolbild: pd)

Laute Knalleffekte von Feuerwerken versetzen viele Tiere in Angst und Panik. (Symbolbild: pd)

REGION. Obwohl die Waldbrandgefahr gemäss der Beurteilung vom Montag in der Region Werdenberg gross und im Obertoggenburg erheblich ist, ist das Anzünden von Feuerwerk am Nationalfeiertag erlaubt. Heute beurteilt der Kanton die Situation noch einmal neu, nach den Regenfällen der vergangenen Tage ist jedoch kaum mit einer Erhöhung der Gefahrenstufe zu rechnen. Einzige Bedingung beim Abfeuern von Feuerwerk: Der Abstand von mindestens 200 Metern zum Waldrand muss eingehalten werden.

Was die Fans von Raketen und Vulkanen freut, stösst bei Tierbesitzern auf wenig oder keine Gegenliebe. Denn ihre vierbeinigen Lieblinge werden am Samstag – und teilweise wohl auch schon morgen und am Sonntag – mit der Knallerei in Angst und Schrecken versetzt. «Insbesondere Hunde sind betroffen», sagt der Gamser Tierarzt Risch Cantieni. «Sie zittern am ganzen Körper, machen grosse Augen und fühlen sich sichtlich unwohl. Dieser Lärm hat offensichtlich eine Frequenz, auf die einige Hunde sehr empfindlich reagieren.» Dies erstaunt kaum, hören viele Tiere doch wesentlich besser als Menschen. Auch Katzen reagieren teilweise, jedoch selten so stark wie Hunde, weiss der Tierarzt.

Nicht jeder Hund hat Angst

Viele Hunde werden von Züchtern und Besitzern von klein auf an Geräusche wie Zug, Gewitter oder Schüsse gewöhnt, etwa mit Geräusche-CDs. Im gewohnten ruhigen Umfeld soll der Nachwuchs lernen, dass ihm dabei nichts passiert. Trotzdem kann sich, vielleicht auch erst einige Jahre später, grosse Angst entwickeln. Er habe dies bei seinem eigenen Hund erlebt, so Cantieni. Als Junghund habe dieser überhaupt nicht ängstlich auf laute Geräusche reagiert. Nun, mit 13 Jahren, werde er ebenfalls sehr unruhig bei Feuerwerk-Geräuschen. «Es reagieren eben nicht alle Hunde gleich.»

Beruhigungsmittel kann helfen

Abhilfe verschaffen können Beruhigungsmittel auf pflanzlicher Basis oder Psychopharmaka. Sie können beim Tierarzt bezogen werden. Cantieni betont aber: «Es ist wichtig, dass die Mittel verabreicht werden, wenn der Hund noch nicht nervös ist.» Andernfalls könne es sein, dass sie nicht wirken. Was ebenfalls hilft: Den Hund in einem etwas abgeschirmten Raum unterzubringen und ihn abzulenken (siehe auch Empfehlungen im Kasten). Auf keinen Fall sollte der Hund ohne Leine rausgelassen werden, denn viele flüchten aus Panik. Eine andere Möglichkeit: Den Nationalfeiertag samt Hund in einer ruhigen Gegend oder im Ausland verbringen.

Nicht nur Haustiere betroffen

Wie der Schweizer Tierschutz STS mitteilt, sind für 1.-August-Feuer aufgeschichtete Holzhaufen für viele Kleintiere ein idealer Unterschlupf – und werden damit zur tödlichen Falle. Igel, Mäuse, Blindschleichen, Salamander und Kröten verbrennen, wenn sich Menschen um den Scheiterhaufen versammeln und den Tieren so jeglichen Fluchtweg abschneiden. Der STS ruft dazu auf, das gesammelte Holz erst am Tag des Abbrennens aufzuschichten, im Vorfeld aufgeschichtete Haufen durch einen Zaun abzuschirmen oder nochmals umzuschichten, bevor das Feuer entfacht wird.

Viele Tierfreunde und -besitzer haben wohl insgeheim gehofft, die vergangene Hitzeperiode und damit verbunde Trockenheit führe zu einem generellen Feuerwerks-Verbot. Doch damit ist in diesem Jahr nicht zu rechnen.