Der Wolf besuchte das Toggenburg

In Alt St. Johann wurde am Freitag ein Wolf gesichtet. Es ist der erste fotografisch festgehaltene Wolfsnachweis im Toggenburg. Möglicherweise zog der Wolf weiter nach Buchs. Dort wurde er angeblich gesichtet, aber nicht fotografiert.

Alexandra Gächter
Drucken
Teilen
Am Fuss des Frümsel, in der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann, wurde ein Wolf gesichtet. Es ist der erste fotografisch festgehaltene Wolfsnachweis im Toggenburg. (Bild: Amt für Natur, Jagd und Fischerei St.Gallen)

Am Fuss des Frümsel, in der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann, wurde ein Wolf gesichtet. Es ist der erste fotografisch festgehaltene Wolfsnachweis im Toggenburg. (Bild: Amt für Natur, Jagd und Fischerei St.Gallen)

ALT ST. JOHANN/BUCHS. Zwei Berggänger haben am Freitag um 8.15 Uhr in Alt St. Johann einen Wolf gesichtet. Sie waren auf einer Wanderung ca. 1900 Meter über Meer, am Fusse des Frümsel unterwegs, als sie das Tier sahen. Der Wolf zog ungefähr 200 Meter von den Wanderern entfernt vorbei, sagt Dominik Thiel, Leiter Amt für Natur, Jagd und Fischerei des Kantons St. Gallen. Der Standort der Sichtung sei einen Kilometer vom Berghotel Sellamatt und zweieinhalb Kilometer vom Dorf Starkenbach entfernt, so Thiel weiter. Dank Fotos konnte vom zuständigen Wildhüter und einem Wolfsspezialisten der KORA (Raubtierökologie und Wildtiermanagement) bestätigt werden, dass es sich um einen Wolf handelt. Es ist somit der erste fotografisch festgehaltene Wolfsnachweis im Toggenburg.

Wölfe werden verwechselt

Pro Jahr erhält der Kanton St. Gallen etwa 10 bis 20 Wolfsmeldungen ausserhalb des Calanda-Rudels, so Thiel. Das Amt für Natur, Jagd und Fischerei geht nicht davon aus, dass es sich dabei immer um Wölfe handelt. Wölfe werden mit Hunden oder anderen Tieren verwechselt. Merkmale des Wolfes sind gemäss Dominik Thiel: schlank, hochbeinig und ein kurzer Schwanz.

Wolf könnte ins Buchs sein

Ob der im Toggenburg gesichtete Wolf aus dem Calanda-Rudel stammt, ist nicht klar. Thiel geht davon aus, dass es sich um einen männlichen Wolf handelt, der ein bis zwei Jahre alt ist. «Während die Weibchen im Rudel bleiben, werden Männchen vertrieben oder sie verlassen das Rudel aus eigenem Antrieb», sagt Thiel. Der fotografierte Wolf ist gemäss Thiel sehr schlank. Pro Tag benötigt er nach Meinung verschiedener Fachleuten ca. zwei bis fünf Kilogramm Fleisch. «Das sind ein bis zwei Murmeltiere am Tag, es kann aber auch ein halbes Reh sein. Der Wolf ernährt sich bei uns hauptsächlich von wildlebenden Huftieren, weicht aber je nach Hunger und Angebot auch auf andere Futterquellen aus. Er ist nicht selektiv und frisst, was er findet. Das können auch Tierkadaver sein», so Thiel. Grössere Tiere wie Hirsche würden Wölfe meist im Rudel jagen. «Für grosse Schadenfällen in Schafherden ist hingegen meist ein einzelner Wolf verantwortlich», so Thiel.

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Wolf noch im Toggenburg aufhält, sei klein. Von Frühling bis Herbst seien Jungwölfe auf Wanderschaft. Möglicherweise zog der Wolf weiter nach Buchs. Am Samstagnachmittag wurde angeblich ein Wolf am Buchserberg gesehen, ca. 250 Meter vom Stadtrand entfernt. Wildhüter Silvan Eugster bestätigte die angebliche Sichtung dem W&O und fügte an, dass es dafür aber keine Beweise gäbe.

Bereits im Jahr 2014 wurde im Werdenberg angeblich ein Wolf gesehen. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr geht Silvan Eugster aber bei der Sichtung vom Samstag davon aus, dass es sich wirklich um einen Wolf handelt. Die zeitliche und räumliche Distanz zum gesichteten Wolf im Toggenburg sei ein Indiz dafür.

Am Fuss des Frümsel, in der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann, wurde ein Wolf gesichtet. Es ist der erste fotografisch festgehaltene Wolfsnachweis im Toggenburg. (Bild: Amt für Natur, Jagd und Fischerei St.Gallen)

Am Fuss des Frümsel, in der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann, wurde ein Wolf gesichtet. Es ist der erste fotografisch festgehaltene Wolfsnachweis im Toggenburg. (Bild: Amt für Natur, Jagd und Fischerei St.Gallen)