«Der Wasserrückhalt funktioniert»

Die aktuelle Erfolgskontrolle im Hochmoor Gamperfin zeigt, dass der Wasserstand konstant hoch bleibt und an verschiedenen Stellen Torfmoose und andere seltene Pflanzen wie Wollgras und Sonnentau wieder wachsen.

Hanspeter Thurnherr
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Aus dem ehemaligen Graben ist durch den Aufstau ein Moorgewässer entstanden. Amphibien und Libellen nutzen es als Kinderstube.

Aus dem ehemaligen Graben ist durch den Aufstau ein Moorgewässer entstanden. Amphibien und Libellen nutzen es als Kinderstube.

GRABS. «Das Hauptziel, die Wassersituation zu verbessern, wurde auf einer grösseren Fläche erreicht», so fasst Projektleiter Ruedi Staub von der Firma Renat GmbH in Buchs das Ergebnis der in diesem Sommer durchgeführten Erfolgskontrolle im Hochmoor Gamperfin zusammen. Der Wasserstand sei konstant hoch. An verschiedenen Stellen wachsen wieder Torfmoose. «Der Wasserrückhalt funktioniert. Das Moor kann so wie ein Schwamm zur Hochwasserentlastung beitragen. Die Entwässerung erfolgt nicht mehr über den ehemaligen Graben, sondern auf breiter Front durch den Torfkörper in Richtung Rotenbach beim Skihaus», präzisiert der Projektleiter des Renaturierungsprojektes, das in den Jahren 2010 und 2011 umgesetzt wurde.

Ruedi Staub hält die Wiederbesiedlung und die Entwicklung in einer fotografischen Dokumentation fest. Dazu sind Dauerbeobachtungsflächen eingerichtet worden. Im weiteren soll die langfristige Vegetationsentwicklung in regelmässigen Abständen wissenschaftlich dokumentiert werden.

Es bildet sich ein Schwingrasen

Im ursprünglichen Zentrum des Hochmoors füllte sich bald der flache Teil des ehemaligen Grabens mit Wasser. Der hohe Wasserstand schaffte optimale Bedingungen für die Wiederbesiedlung durch Moose und Seggen. «Die aufgestauten Wasserflächen bilden einen interessanten Lebensraum für wassergebundene Arten wie Amphibien und Libellen. An der Oberfläche schwimmt Vegetation in Form von seltenem Schwingrasen» stellt Staub fest. An besonders nassen Stellen konnten sich auch typische Hochmoorarten wie das Scheidige Wollgras oder Torfmoose etablieren, offene Stellen werden vom Rundblättrigen Sonnentau besiedelt. Diese Art gilt in der Schweiz als potenziell gefährdet.

Moor kann sich regenerieren

Die Eingriffe durch die Baumassnahmen spiegeln sich aber immer noch in der Vegetation. «Teils sind noch Störungszeiger und offene Flächen vorhanden. Die Entwicklung in Mooren laufen halt langsam ab», weiss Ruedi Staub (siehe Kasten). Die Grundvoraussetzung für eine Moorregeneration sei mit dem Projekt aber gelegt. Das Hochmoor könne so auch langfristig Raum für seltene und gefährdete Arten bieten. «Das Moor hat deshalb einen hohen Schutzstatus und ist auch darum mit einem Betretungsverbot belegt, weil die Vegetation trittempfindlich ist und im Gebiet störungsanfällige Tierarten vorkommen», erläutert Staub. Unter dem schwimmenden Torfmoos «lauert» zudem das Wasser.

Aufwendige Arbeiten

Bei der Umsetzung des Renaturierungsprojektes in den Jahren 2010 und 2011 wurden zuerst im Moorgebiet die Legföhren entfernt, die im austrocknenden Boden wachsen konnten.

Dann musste der grosse Graben sorgfältig ausgebaggert werden, um einen stabilen Lehmriegel auf dem festen Untergrund erstellen zu können. Dazu wurde eine temporäre Baupiste errichtet.

Die einzelnen Schichten wurden getrennt abgetragen, um teilweise später wieder eingebaut zu werden. Nun war es möglich, die drei Holzkästen für den Wassereinstau und Spundwände zu errichten sowie die Seitengräben zu schliessen, um den Wasserfluss im ehemaligen Graben zu stoppen oder zu verlangsamen. Abschliessend wurde der Graben verfüllt und mit Torf überdeckt sowie die Baupiste und Zufahrten zurückgebaut.

Die vernässten Stellen bieten ideale Bedingungen für das Torfwachstum. Längerfristig kann sich wieder Torf aufbauen – und CO2 einlagern. (Bilder: Ruedi Staub)

Die vernässten Stellen bieten ideale Bedingungen für das Torfwachstum. Längerfristig kann sich wieder Torf aufbauen – und CO2 einlagern. (Bilder: Ruedi Staub)

Vorher: Der tiefe Graben führt zur Entwässerung des Moores und durch die Luftzufuhr zur Torfzersetzung im angrenzenden Moorkörper.

Vorher: Der tiefe Graben führt zur Entwässerung des Moores und durch die Luftzufuhr zur Torfzersetzung im angrenzenden Moorkörper.

Kurz nach dem Eingriff: Die Vegetation erholt sich unter den neuen Rahmenbedingungen sehr schnell.

Kurz nach dem Eingriff: Die Vegetation erholt sich unter den neuen Rahmenbedingungen sehr schnell.