Der Tod eines Serben bleibt ungesühnt

Niemand ist strafrechtlich schuld am Tod eines Mannes, der vor eineinhalb Jahren bei St. Margrethen mehrfach überfahren worden ist. Drei Lenker wurden vor Gericht wegen Fahrerflucht bestraft

Daniel Walt
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ST. MARGRETHEN. Es war einer der schlimmsten Unfälle auf Ostschweizer Strassen: Am frühen Morgen des 25. Oktober 2012 überrollten diverse Fahrzeuge auf der A13 zwischen Au und St. Margrethen einen 56jährigen Serben. Der Mann lag auf der Normalspur, als er zu Tode gefahren wurde. Die meisten der beteiligten Fahrzeuglenker fuhren weiter.

Nicht alle Lenker gefunden

Nun ist die Strafuntersuchung zum Fall abgeschlossen. Ergebnis: Wegen fahrlässiger Tötung kann niemand zur Rechenschaft gezogen werden – aber wegen Fahrerflucht. Die Untersuchungen haben gezeigt, dass unklar ist, wer für den Tod des Mannes verantwortlich ist», sagt Natalie Häusler, Sprecherin der St. Galler Staatsanwaltschaft. Berichte des forensisch-naturwissenschaftlichen Dienstes der Kantonspolizei und des Strassenverkehrsamtes konnten nicht aufzeigen, in welcher Reihenfolge die Lenker über den Mann gefahren waren.

Zudem gelang es nicht, sämtliche in den Unfall verwickelten Autos zu ermitteln. Konsequenz daraus: «Es konnte nicht bestimmt werden, welches der involvierten Fahrzeuge das Opfer als erstes überrollte und somit dessen Tod verursachte», so Sprecherin Natalie Häusler auf Anfrage weiter.

Rätsel bleibt ungelöst

Weshalb lag das spätere Opfer überhaupt auf der Fahrbahn? Der Serbe war zuvor mit seinem Smart von Au in Richtung St. Margrethen unterwegs gewesen. Die Ermittlungen ergaben, dass nach einem Überholmanöver ein etwas hinter dem 56-Jährigen fahrender Lenker zu spät bemerkte, dass der Smart langsamer als er unterwegs war. Es kam zu einer Kollision. Der Smart kam schliesslich auf dem Pannenstreifen zum Stillstand. Weshalb der Mann dann auf die Fahrbahn geriet, dürfte allerdings für immer im Dunklen bleiben – «die Untersuchung konnte diese Frage nicht klären», so Natalie Häusler.

Pflichtwidriges Verhalten

Nachdem der Unfall publik geworden war, meldeten sich bei der Polizei immer mehr Personen, die zum fraglichen Zeitpunkt an der Unfallstelle vorbeigefahren waren. Sie sagten aus, sie hätten bemerkt, etwas überrollt zu haben. Sie hätten aber geglaubt, es habe sich um ein Tier oder einen Gegenstand gehandelt. Über ein Dutzend Personen waren es, die angaben, den Mann möglicherweise überfahren zu haben oder die von der Polizei ermittelt wurden. Bei allen klärte die Justiz ab, ob sie sich pflichtwidrigen Verhaltens, also der Fahrerflucht, schuldig gemacht hatten. Drei Personen erhielten deswegen Bussen zwischen 500 und 1000 Franken. «Man kann nicht generell sagen, dass jeder, der sich noch am Tag des Unfalls meldete, straffrei davonkam», sagt Häusler. Jeder Fall wurde individuell beurteilt – berücksichtigt wurde, was ein Lenker beim Befahren der Unfallstelle bemerkt hatte, wie er es interpretierte und inwieweit er sich in der Folge selber bei der Polizei meldete. Eine Busse von 600 Franken wegen mangelnder Aufmerksamkeit erhielt auch jener Lenker, der durch sein Überholmanöver die Kollision mit dem Smart verursacht hatte.